Die bedroh(n)ende Idiotie ist mit Gesetzen nicht zu verhindern

18.04.2016 - 16:31 0 Kommentare

Zu neuen Drohnen-Verordnungen mangelt es nicht an Forderungen. Viele verkennen dabei das wahre Problem, findet airliners.de-Herausgeber David Haße. Ein Gedankenflug über Führerscheine, Geflügel und Idioten.

Drohnen sind ein Spielzeug für jedermann. - © © Fotolia.com - YakobchukOlena

Drohnen sind ein Spielzeug für jedermann. © Fotolia.com /YakobchukOlena

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Ich bekenne: Ich bin einer von 400.000 stolzen Drohnenbesitzern in Deutschland. Wenn es nach der Deutschen Flugsicherung geht, muss ich wohl bald einen Führerschein dafür machen. Das empfinde ich als übertrieben: Der einzige Luftraum, den meine Drohne unsicher macht, ist der rund um meine Wohnung.

Ich sollte dazu sagen, dass meine Drohne kaum größer ist als eine Amsel. Mein Sohn kann Legosteine dranbauen, die ich dann auf die andere Seite des Zimmers fliege, wo meine Tochter sie wieder abnimmt. Zwischendurch macht die Drohne Fotos von uns. Ein Heidenspaß.

Nur leider fliegt das kleine Ding bei Wind nicht so gut. Schon deswegen sind die Ausflüge nach draußen streng limitiert und so sind es in Deutschland Dank mir nur noch 399.999 Drohnen, die eine potenzielle Gefahr für den kommerziellen Luftraum darstellen.

Sicher bin ich nicht der einzige, der seine Drohne so einsetzt. Aber natürlich wird es immer auch Idioten geben, die anders ticken. Leider. Die Konsequenz: Drohnen in Einflugschneisen - Piloten, Flugsicherer und Politiker warnen davor.

Der Zusammenstoß

Am Wochenende war es soweit: Zum ersten Mal überhaupt ist eine Drohne mit einem Verkehrsflugzeug zusammengestoßen. Die Presse ist entsprechend aufgeregt. "Schrecksekunde" im Anflug auf London-Heathrow! Über 130 Menschen in Lebensgefahr! Was hätte nicht alles passieren können!?!

Aber was ist wirklich passiert? Offenbar nicht viel: Am Airbus A320 der British Airways gab es nach der Landung keinerlei sichtbare Schäden.

Aber wenn das Teil nun das Triebwerk getroffen hätte!?! Nun denn, sagen wir mal so: Keine Ahnung. Drohnen in verschiedenen Gewichtsklassen wurden meines Wissens noch gar nicht in Triebwerken getestet. Valide Aussagen über eine Gefahr etwa von Spielzeugladen-Kleindrohnen sind daher schlichtweg nicht möglich.

Triebwerke werden aber bei der Zertifizierung mit vielerlei Geflügel beschossen und müssen das aushalten - was vernünftig ist. Anders als Drohnenbesitzern kann man Vögeln schließlich nicht verbieten, an Flughäfen zu fliegen.

Ich will die Gefahr nicht kleinreden - was ich sagen will: Vielleicht wird bei dem Thema manchmal ein wenig übertrieben und selbst wenn nicht... was will man denn machen?

Die Frage der Fragen

Die Frage der Fragen ist doch: Würden neue Regulierungen Vorkommnisse wie jetzt in London in der Zukunft verhindern? Ich glaube kaum: Wer sein Spielzeug heute in die Einflugschneise fliegt, der weiß, dass man das nicht tun sollte.

Überhaupt mangelt es für Modellflugzeuge und Drohnen schon heute nicht an Paragraphen. Ein spezieller Führerschein, eine Registrierung wie neuerdings in den USA oder sonstige neuen Verordnungszusätze werden das Grundproblem der Idiotie nicht lindern.

Das sollte sich auch die Bundesregierung vor Augen halten, wenn sie die Luftverkehrsverordnung nun in Sachen Drohnen novelliert. Schließlich gibt es ja auch eine Straßenverkehrsverordnung, die Idioten nicht von illegalen Wettrennen in der nächtlichen Innenstadt abhält.

Bleibt zum Schluss nur eine Frage: Was ist wohl mit der Drohne passiert, die in London mit dem A320 zusammengestoßen ist? Ich schätze mal Totalschaden und reichlich Frust beim Besitzer. Und vielleicht ist das sogar die Botschaft, die bei Idioten mehr wirkt als jedes Gesetz: "Das teure Ding… einfach so kaputt. Und alles nur für ein dämliches Flugzeugfoto."

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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