Analyse

Die Golf-Carrier suchen Ziele für neue Jets

01.03.2018 - 14:29 0 Kommentare

Emirates, Etihad und Qatar Airways müssen sparen und stoßen an Wachstumsgrenzen. Zugleich bekommen sie in den kommenden Jahren Hunderte neuer Jets. Wie sie eingesetzt werden, ist noch unklar.

Emirates-Stand auf der ITB 2016. - © © Messe Berlin -

Emirates-Stand auf der ITB 2016. © Messe Berlin

Expansion ist nicht mehr alles: Emirates und Etihad Airways sparen beim Marketing und verzichten in diesem Jahr auf eigene Stände auf der Reisemesse ITB. Auch was die Ausweitung des Streckennetzes angeht, halten sich die beiden Airlines seit dem vergangenen Jahr deutlich zurück. Emirates nahm nur zwei neue Routen auf, zwei sind auch für dieses Jahr angekündigt. Etihad hat das Angebot sogar reduziert und fliegt nur noch 101 Destinationen an, elf weniger als vor einem Jahr.

Allerdings haben die beiden Emirate-Carrier wie auch Qatar Airways für die kommenden Jahre eine lange Bestellliste bei Airbus und Boeing. Eine Rückkehr auf den Wachstumspfad ist also zwingend, wenn nicht in großem Stil Auslieferungen gekündigt oder verschoben werden sollen.


Aktuelle Flotte Festbestellungen Flugziele Neue Ziele
2018
Emirates 269
(davon
14 Frachter)
263 157
(davon 15
nur Fracht)
2
Etihad 115
(davon
5 Frachter)
166 101
(davon 3
nur Fracht)
1
Qatar 212
(davon
23 Frachter)
211 163
(davon 9
nur Fracht)
12

Quellen: Unternehmensangaben, CAPA, ch-aviaton. Stand: Februar 2018


Doch mit konkreten Angaben zur Flottenplanung halten sich die Airlines äußerst bedeckt. Nicht einmal die geplanten Auslieferungen für dieses Jahr können sie auf Anfrage von airliners.de benennen.

"Die Golf-Carrier spüren die Grenzen des Wachstums", meint der Luftfahrt-Experte Gerald Wissel von Airborne Consulting. Da diese Airlines in vielen Ländern beschränkte Verkehrsrechte hätten, sei das Potenzial für weitere Destinationen endlich. Wissel hält daher eine Partnerschaft zwischen Emirates und Etihad, über die seit dem vergangenen Jahr spekuliert wird, durchaus für sinnvoll.

Ratlosigkeit bei Etihad Airways

Vor allem Etihad ist nach dem Scheitern der Beteiligungen bei Air Berlin und Alitalia auf der Suche nach neuen Verbündeten. "Die Airline hat derzeit keine klare Strategie", findet Wissel. Ein Teil des Verwaltungsrates plädiere für eine Kooperation mit Lufthansa. "Aber Lufthansa hat eigentlich kein Interesse", so Wissel. Die Zusammenarbeit erschöpfe sich daher in Kleinigkeiten.

© Etihad Airways, Lesen Sie auch: Golf-Carrier Etihad schließt Berliner Büro

Zugleich versucht der Abu-Dhabi-Carrier, seine Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Nach dem Milliarden-Verlust 2016 wurde ein Restrukturierungsprogramm umgesetzt. Ein weiterer Umbau der internationalen Strukturen steht jetzt offenbar an.

Auch Emirates muss das Geschäftsmodell ändern

Emirates hat zwar 2016/2017 einen Gewinneinbruch von 70 Prozent hinnehmen müssen, meldete für die erste Hälfte des laufenden Geschäftsjahres aber schon wieder deutlich bessere Zahlen. Ihren nächsten Jahresbericht präsentiert die Fluggesellschaft im Mai.

Abgesehen von fehlenden Verkehrsrechten macht Experte Wissel einige Schwächen aus, die das Wachstum der Airline bremsen. "Emirates braucht kleinere Jets", meint er. Es gebe eine Reihe von Routen, auf denen die großen Maschinen der Typen A380 und Boeing 777 nicht geeignet seien, sondern eher A350 oder A330.

© AirTeamImages.com, Felix Gottwald Lesen Sie auch: Emirates bestellt dutzende A380

Allerdings hat Emirates in dieser Hinsicht bereits die Partnerschaft mit Flydubai vorzuweisen. Gerade im Kurz- und Mittelstreckenbereich soll das Angebot dadurch kräftig ausgebaut werden. Geplant ist, das gemeinsame Streckennetz bis 2022 auf 240 Ziele ausbauen.

"Auch die Flugplanung ist für Emirates eine Herausforderung", sagt Wissel. Viele Emirates-Verbindungen seien immer noch mit vier bis fünf Stunden nächtlichem Aufenthalt in Dubai verbunden. Das sei für die Kunden nicht mehr akzeptabel.

Qatar Airways rutscht ins Minus

Der dritte der großen Golf-Carrier, Qatar Airways, gibt sich derzeit dynamischer als die beiden Konkurrenten. Mit 163 Destinationen hat er den einstigen Primus Emirates mittlerweile überholt. Und Qatar baut das Netz weiter aus: Nach eigenen Angaben wurden 2017 elf neue Ziele aufgenommen, in diesem Jahr sollen es laut einer Ankündigung im April 2017 zwölf sein. Davon werden drei bereits angeflogen, fünf weitere sind fest eingeplant.

Einige der neuen Strecken dürften teilweise aus der Not geboren sein: Nach der Blockade von Katar im Juni 2017 musste die Airline Verbindungen in die meisten Nachbarländer einstellen.

Die Top Ten der ausländischen Langstrecken-Carrier in Deutschland
Angebotene Sitzplätze
Emirates 970691
United Airlines 819608
Air Canada 438387
Qatar Airways 378159
Etihad Airways 371643
Air China 369334
Delta Air Lines 368170
Singapore Airlines 334955
Thai Airways 250157
American Airlines 216127

Die Grafik zeigt das Sitzplatzangebot im Sommerflugplan 2018 an deutschen Flughäfen.Quelle: ch-aviation

Wie Airline-Chef Akbar Al Baker jüngst gegenüber der Nachrichtenagentur "Associated Press" einräumte, bedeutet die anhaltende Blockade auch einen finanziellen Rückschlag für das Unternehmen. Durch die Luftraumbeschränkungen müssten die Qatar-Airways Umwege fliegen, so dass sich die Treibstoffkosten und der Wartungsaufwand erhöht hätten. "Wir werden dieses Jahr einen Verlust ausweisen", räumte Al Baker ein, "aber das bedeutet nicht, dass wir schrumpfen werden." Auch eine Abbestellung von Flugzeugen sei nicht vorgesehen.

Von: pra
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