Die Folgen der Air-Berlin-Insolvenz

16.08.2017 - 10:15 0 Kommentare

Air Berlin ist insolvent. Das wirkt sich aus - auf die Drehkreuze der Fluggesellschaft in Berlin und Düsseldorf, aber auch auf Konkurrenten wie Lufthansa, Ryanair und Tuifly.

Die Insolvenz der Air Berlin wirkt sich auch auf Flughäfen und Konkurrenten aus. - © © dpa - Paul Zinken

Die Insolvenz der Air Berlin wirkt sich auch auf Flughäfen und Konkurrenten aus. © dpa /Paul Zinken

Der Insolvenzantrag der Air Berlin hat nicht nur für die Airline Folgen. Auch Flughäfen und andere Airlines sind von dem Schritt betroffen - allerdings in unterschiedlicher Weise. airliners.de gibt einen Überblick:

Drehkreuze bangen um Großkundin

Von den Flughäfen müssen sich Berlin-Tegel und Düsseldorf auf den Wegfall ihrer Großkundin Air Berlin einstellen. Die Gesellschaft hat an den Airports Marktanteile von 42 beziehungsweise 28 Prozent und nutzt beide Standorte als Drehkreuz. Vor allem die Langstrecke in Düsseldorf sollte im Rahmen der Umstrukturierung eine noch größere Bedeutung bekommen.

Passagierzahlen der Air Berlin in Düsseldorf

Allein 2016 flogen nach Angaben des Airports mehr als 7,5 Millionen Passagiere mit Air Berlin von Düsseldorf aus in die Welt. Zum Vergleich: Die Lufthansa kam im gleichen Zeitraum auf 1,3 Millionen Passagiere. Die Lufthansa-Billigplattform Eurowings brachte 4,9 Millionen Fluggäste ans Ziel.

"Grundsätzlich ist Air Berlin ein langjähriger und wichtiger Partner des Düsseldorfer Airports, der sich auch in dieser Situation ungeachtet der derzeitigen Diskussionen sehr erfolgreich am Standort entwickelt", teilte der Flughafen mit. Airport-Chef Thomas Schnalke ergänzte: "Gemeinsam mit Air Berlin konzentrieren wir uns weiterhin darauf, das Fluggeschäft an unserem Standort auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten."

Auch der Flughafenstandort Berlin will mit Air Berlin zusammenarbeiten. Die Airline sei ein "sehr wichtiger Partner", sagte Berlins Airport-Chef Engelbert Lütke Daldrup. "Wir haben ein großes Interesse daran, dass der Flugbetrieb so stabil wie möglich fortgesetzt und zügig eine langfristige Lösung erreicht wird."

So verteilt sich das Air-Berlin-Angebot auf deutsche Airports
in Prozent
Berlin-Tegel 42
Düsseldorf 28
München 13
Köln/Bonn 6
Stuttgart 4
Hamburg 4
restliche Airports 3

Angebotene Sitzplaztkapazitäten der Air Berlin und auf welche deutschen Flughäfen sie sich verteilen. Die Daten beziehen sich auf den laufenden Sommerflugplan, der noch bis Ende Oktober gültig ist. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand: 15. August 2017

Air Berlin operiert in Deutschland auch an kleineren Flughäfen, wie zum Beispiel Nürnberg. Der bayerische Flughafen rechnet wegen der Insolvenz vorerst "mit keinen allzu großen Auswirkungen". Air Berlin habe inzwischen keinen großen Anteil mehr am Flugverkehr des Airports, sagte Nicole Maier von der Marketingabteilung der Flughafengesellschaft. Derzeit machten die Flüge von Air Berlin gerade mal noch sechs Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen aus.

Für den Flughafen Genf dagegen muss Air Berlin nun für die Verrechnung von Landegebühren eine Vorauszahlung leisten. Sollte das Geld ausgehen und keine neue Vorauszahlung eintreffen, verlangt der Airport eigenen Angaben zufolge wie in anderen Insolvenzfällen Bargeld vom Piloten.

Lufthansa will Teile der Konkurrentin übernehmen

Für die Lufthansa Group eröffnet die Air-Berlin-Insolvenz neue Chancen. Sollte die Berliner Gesellschaft zerschlagen werden, verliert die Kranich-Airline ihre größte deutsche Konkurrentin. Zudem hat der Konzern bereits signalisiert, Teile von Air Berlin übernehmen zu wollen.

Marktanteile von Airlines in Deutschland
in Prozent
Lufthansa 32
Eurowings/Germanwings 12
Air Berlin 9
Ryanair 7
Condor 3
Easyjet 3
Niki 3
restliche Airlines 31

Marktanteile der Airlines in Deutschland, gemessen an den angebotenen Sitzplatzkapazitäten. Die Daten beziehen sich auf den laufenden Sommerflugplan, der noch bis Ende Oktober gültig ist. Der Anteil der restlichen Airlines beträgt jeweils weniger als drei Prozent. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand: 15. August 2017

Die Verhandlungen laufen bereits. Die Airline erklärte, die Gespräche "zu einem schnellen und positiven Ergebnis" führen zu wollen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erwartet dabei keine kartellrechtlichen Probleme, da es nicht um eine "Komplettübernahme" der Air Berlin gehe.

Die Lufthansa will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass der Betrieb der von Air Berlin gemieteten Maschinen reibungslos weitergeht. Der Vertrag sieht vor, dass insgesamt 38 Maschinen für die beiden Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian Airlines im Wet-Lease abheben. Einen Teil dieses Deals könnte auch die extra dafür gegründete Air Berlin Aeronautics GmbH übernehmen.

Ryanair wendet sich an das Bundeskartellamt

Ähnlich wie bei Lufthansa ergeben sich durch die Insolvenz von Air Berlin auch für Easyjet möglicherweise neue Wachstumsmöglichkeiten. Der britische Billigflieger soll Teile der Berliner Gesellschaft übernehmen, wie "Die Welt" berichtet. Das Blatt bezieht sich dabei auf Insider.

© dpa, Marcel Kusch Lesen Sie auch: Easyjet und Lufthansa teilen sich wohl Air Berlin

Für den irischen Billigflieger Ryanair dagegen bedeutet die Insolvenz von Air Berlin wohl eher eine Gefahr. Sollten Easyjet und Lufthansa tatsächlich Air Berlin unter sich aufteilen, würde das zwei Konkurrenten von Ryanair in Deuschland stärken. Der irische Carrier baut hierzulande seinen Marktanteil in letzter Zeit aus.

Der Insolvenzantrag sei "ganz eindeutig" mit dem Ziel arrangiert worden, dass Lufthansa die Air Berlin übernehmen könne, erklärte Ryanair-Sprecher Robin Kiely. Dies werde gegen alle deutschen und EU-Wettbewerbsregeln verstoßen. Inzwischen hat die Airline Beschwerde beim Bundeskartellamt und der EU-Kommission eingereicht.

Tuifly ist bei den Planungen dabei

Nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin muss sich auch der weltgrößte Reisekonzern Tui Gedanken machen, und zwar um seine Tochter Tuifly. "Wir sind involviert in die aktuellen Planungen und begleiten sie konstruktiv", sagte ein Tui-Sprecher. Tuifly hat 14 Boeing-Jets samt Personal an die Air-Berlin-Tochter Niki vermietet.

Umgekehrt schickt der Tui-Konzern einen Teil seiner Kunden in Flugzeugen des Air-Berlin-Konzerns auf Reisen. Dieser Anteil ist aber dem Vernehmen nach in den vergangenen Jahren geschrumpft. "Drei Viertel der Kunden von Tui Deutschland fliegen mit unserer eigenen Airline in den Urlaub", sagte der Sprecher.

© dpa, Julian Stratenschulte Lesen Sie auch: Offenbar neuer Anlauf für Ferienflieger von Niki und Tuifly

Tui hatte sich wegen der Schieflage von Air Berlin schon im vergangenen Herbst um eine Lösung bemüht. Dazu sollte die komplette Fluglinie Tuifly in einem neuen Ferienflieger-Bündnis mit Niki aufgehen. Der Deal, bei dem Air-Berlin-Großaktionärin Etihad eine zentrale Rolle spielen sollte, platzte jedoch Anfang Juni.

Auch Tui-Konkurrent Thomas Cook bringt sich bei der anstehenden Rettung der insolventen Air Berlin in Stellung. Das Unternehmen und seine Tochter, die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor, stehen für eine aktive Beteiligung an der Zukunft von Air Berlin bereit, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Erhalt des Flugbetriebs von Air Berlin sei wichtig, da ein Teil der Thomas-Cook-Gäste mit Air Berlin und ihrer Tochter Niki in den Urlaub geflogen werde. "Thomas Cook und Condor sind bereit, eine aktive Rolle bei möglichen Auffanglösungen zu spielen. Hierbei ist es wichtig, dass diese nachhaltig und kartellrechtlich zulässig sind."

Von: ch
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