Die Drohnenjagd an den Flughäfen nimmt Fahrt auf

22.06.2019 - 08:09 0 Kommentare

Störsignale, Abfangnetze und natürlich "Killerdrohnen": Europaweit arbeiten Flughäfen und Hersteller an Abwehrsystemen für Drohnen, die in gesperrte Lufträume eindringen und für die Flugzeuge so zur großen Gefahr werden.

Drohne am Frankfurter Flughafen. - © © Fraport -

Drohne am Frankfurter Flughafen. © Fraport

Ein Quadrocopter taucht auf dem Radarschirm auf. Der ferngesteuerte Vierflügler scheint direkt auf den Tower des Flughafens Le Bourget bei Paris zuzuschwirren. Erinnerungen werden wach an die massiven Störungen durch Drohnen etwa am Londoner Flughafen Gatwick. Doch zum Glück ist es diesmal nur eine Simulation - ein Abwehrsystem stoppt die mögliche Bedrohung.

"Die Jamming-Zone sorgt dafür, dass sie dahin zurückfliegt, wo sie hergekommen ist", sagt Egidio Cau, der beim Hersteller CS Communication Systems für die Anti-Drohnen-Systeme zuständig ist. Die Firma ist eine von mehreren Anbietern, die bei der noch bis Sonntag dauernden Luftfahrtmesse zeigen, wie Flughäfen der Gefahr durch die propellerbetriebenen Fluggeräte trotzen könnten.

Neben dem "Jamming", also dem Einsatz von Störsignalen, setzen die Unternehmen dabei auf eine ganze Reihe von möglichen Maßnahmen - von Abfangnetzen bis hin zu "Killerdrohnen".

Eine Drohne im Triebwerk könnte zur Katastrophe führen

Denn für Flughäfen sind die ferngelenkten Drohnen eine wachsende Gefahr. Erst vergangene sorgten Drohnensichtungen in Singapur für zahlreiche Verspätungen; in Gatwick lähmten Drohnen im Dezember den Flughafen gar für 36 Stunden. Störungen gab es zuletzt auch in Dubai und Dublin - und im Mai in Frankfurt am Main.

Das Risiko besteht vor allem darin, dass Drohnen von den Turbinen großer Verkehrsflugzeuge angesaugt werden könnten - mit womöglich katastrophalen Folgen. "Deshalb gibt es die Vorsichtsmaßnahmen, den Flugverkehr zu stoppen", sagt Thomas Gueudet vom Anti-Drohnen-Spezialisten CerbAir.

Dass dabei wiederum die präzise getakteten Abläufe an den Airports massiv durcheinandergewirbelt werden und zahlreiche Passagiere am Boden bleiben müssen, treibt seit geraumer Zeit schon die Suche nach Lösungen voran.

Künstliche Intelligenz könnte Drohnen-Abwehr deutlich erschweren

In Frankreich gab der Betreiber der beiden größten Pariser Flughäfen, ADP, bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Luftfahrtkonzern Thales den Startschuss für ein Drohnenerkennungssystem namens Hologarde. In der vergangenen Woche wurde ein Spezialradar auf dem Tower des Flughafens Charles de Gaulle installiert. Bis Ende des Jahres solle das System einsatzfähig sein, gibt ADP-Vizechef Edward Arkwright als Ziel aus.

Wenn alle technischen Tücken überwunden sind, soll das System auch anderen Flughäfen angeboten werden. Doch diese Tücken haben es in sich: Angefangen von der bloßen Einordnung eines Objekts am Himmel - etwa ob es sich um eine Drohne oder doch nur einen Vogel handelt - bis hin zur Wahl der richtigen Gegenmaßnahme.

Olivier Gualdoni, Chef des Drohnenherstellers Drone Volt, gibt zu bedenken, dass bei den Fluggeräten in Zukunft häufiger intelligente Algorithmen zum Einsatz kommen könnten, was den Einsatz von Störsignalen erschweren werde.

Abfangdrohnen sind wohl effizienter als Störsignale

Ohnehin sei dieses "Jamming" alles andere als unkompliziert: "Du blockierst alles. An einem Flughafen könnte das dann auch die Kommunikation zwischen Tower und Flugzeugen, Telefone oder Fernsteuerungen betreffen."

Außerdem gibt es bei den rechtlichen Grundlagen für das "Jamming" erhebliche nationale Unterschiede. So seien die Störsignale etwa in Großbritannien nur bei akut drohender Gefahr erlaubt, während die Befugnisse der Polizei in Deutschland weit umfassender seien, erklärt Markus Wolf vom Rüstungskonzern Hensoldt, der unter anderem auf Sensortechnologie spezialisiert ist.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Bundespolizei will Reaktionszeit bei Drohnenvorfällen verkürzen

Egidio Cau von CS, dessen Firma bereits ein ziviles Anti-Drohnen-System namens Boreades auf dem Markt hat und die von der Pariser Polizei mit dem Schutz der Präsidententribüne am Nationalfeiertag am 14. Juli beauftragt worden ist, glaubt deshalb daran, dass "Systeme, die Netze ausbringen oder Abfangdrohnen" letztlich effizienter gegen unerwünschte Eindringlinge in den Luftraum an Flughäfen sein könnten.

Europäische Regelung zum Umgang mit Drohnen kommt 2020

Gualdoni von Drone Volt ist indes davon überzeugt, dass die optimale Lösung noch immer gefunden werden muss. Unklarheit gibt es auch bei der Frage, wer die Systeme betreiben sollte - die Flugsicherung, die Flughafenbetreiber oder doch die Polizei?

Zumindest europaweit einheitliche Regeln für Drohnen soll es mit einer neuen EU-Verordnung von Juli 2020 an geben. Darin vorgeschrieben ist auch der Einbau von Transpondern. Vollständige Sicherheit gibt dies aber nicht. Wer Böses im Schilde führe, dem werde es nicht schwer fallen, den Transponder zu entfernen, meint Cau.

Von: Corentin Dautreppe, AFP
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