Die Born-Ansage (27) ( Gastautor werden )

Ziele setzen ist out

18.02.2016 - 10:47 0 Kommentare

Am Hauptstadtflughafen BER gehen die Verantwortlichen wohl nach dem Motto um: "Willst du kein Ziel verpassen, dann setze Dir keins". Das findet unser Kolumnist Karl Born spätestens nach dem Vergleich von drei interessanten Zitaten.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Eigentlich wollte ich so schnell nichts mehr über den immer noch nicht fertiggestellten Hauptstadtflughafen BER schreiben und habe dies auch schon seit fünf Monaten zumindest hier an dieser Stelle durchgehalten. Aber dieser kostbare Satz des BER-Aufsichtsratsvorsitzenden (und Regierenden Berliner Bürgermeisters) Michael Müller, nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung, darf nicht unkommentiert bleiben. Er sagte: "Mir ist wichtig, dass wir wegkommen von irgendwelchen willkürlich gesetzten Terminen, von irgendeinem Druck, der aufgebaut wird, hin zu einem seriösen Abarbeiten aller Dinge."

Was will uns der Regierende hier sagen? Waren alle vorher gesetzten Termine willkürlich? Hat der BER inzwischen fast über vier Jahre Verspätung, weil man nicht mit Druck umgehen konnte? Oder beginnt erst jetzt das seriöse Abarbeiten?

Dann habe ich ein Zitat seines Vorgängers Klaus Wowereit, vom Oktober 2013 entdeckt. Der sagte damals: "Mit der Eröffnung des BER haben wir keinen Zeitdruck" und weiter "Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine definitive Terminverkündung mit hohen Risiken verbunden ist". Aber dann wäre Müller gar nicht so originell wie ich gedacht habe, dann hätte ihm nur jemand ein altes Wowereit-Sprechpapier in die Hand gedrückt.

Aber vielleicht ist dieses bewusste Unpräzise auch System bei den hinter dem BER stehenden Partnern, denn die Bundesregierung hatte in einer offiziellen Antwort auch schon mal ihre besondere Form von Führung demonstriert: "Die Festlegung einer Kostenobergrenze wäre kontraproduktiv für die gemeinsame Zielsetzung aller Organe der FBB, den BER betriebs- und leitungsfähig zu realisieren."

Wer nichts verspricht muss auch nichts halten.

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Was eine Stellenanzeige über den BER verrät

Bleibt nur die Frage, wenn noch im zweiten Halbjahr 2017 der BER eröffnet werden würde - was ich nicht glaube - dann vor oder nach dem 23. November. Warum ist ausgerechnet dieses Datum von Bedeutung? Da würde ein Jubiläum anstehen: 2000 Tage vergangen seit der letzten Nichteröffnung!

In einem bis vor kurzem noch geheimen Prüfbericht des Landesrechnungshofes zum BER steht, dass bei Abschluss des Probebetriebes am 8. Mai 2012 nur 56,2 Prozent der offenstehende Arbeiten erledigt waren, statt des Sollwertes von 100 Prozent.

Die Eröffnung des Flughafens hätte vier Wochen später am 3. Juni sein sollen. Und vier Wochen vorher wurde festgestellt, dass nur die Hälfte der Arbeiten erledigt war? Da brauche ich keinen Bericht, kein Controlling, da genügte Augenschein. Oder hatte man bis zuletzt noch auf ein himmlisches Wunder gewartet?

Wie sagte der legendäre, damalige Oberbürgermeister West-Berlins Ernst Reuter am 9. September 1948: "Völker der Welt, schaut auf diese Stadt…." Man muss neuerdings dankbar sein für jeden Tag, an dem die Völker der Welt nicht nach Berlin schauen. Und das liegt nicht nur am BER. Man könnte auch das Lageso dazufügen, aber das wäre dann ein anderes Thema.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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