DFS testet neues Landeverfahren am Airport Leipzig/Halle

17.12.2015 - 17:05 0 Kommentare

Probebetrieb in Leipzig/Halle: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) testet am Flughafen ein alternatives Anflugverfahren. Dadurch sollen die Anwohner von Fluglärm entlastet werden.

Point-Merge-System am Flughafen Leipzig/Halle

Point-Merge-System am Flughafen Leipzig/Halle
© DFS

Eine grafische Darstellung zeigt die bisherigen aufgezeichneten Flugbewegungen des Flughafen Leipzig-Halle im Laufe eines Monats.

Eine grafische Darstellung zeigt die bisherigen aufgezeichneten Flugbewegungen des Flughafen Leipzig-Halle im Laufe eines Monats.
© dpa - Sebastian Willnow

Am Flughafen Leipzig/Halle wird ab dem 19. Dezember das Landeanflugverfahren "Point Merge" getestet. Das teilte die Deutsche Flugsicherung (DFS) jetzt in Leipzig mit. Das System soll die Lärmbelastung für Städte und Gemeinden rund um den Airport verringern. Nach Hannover ist Leipzig/Halle bereits der zweite deutsche Airport, an dem das System getestet wird. Entwickelt wurde Point Merge von Eurocontrol bereits 2006.

Leipzig/Halle sei aufgrund seines mittleren Verkehrsaufkommens für einen Probebetrieb geeignet, hieß es von Seiten der DFS. Der Airport weise zwischen 22 und zwei Uhr eine erhöhte Verkehrsdichte auf. Rund 60 Frachtflüge erreichen in diesem Zeitraum den Airport. Aus den Ergebnissen lassen sich dann Rückschlüsse auf Flughäfen mit mehr Verkehr ziehen, so die Hoffnung.

Wie das Reißverschlussverfahren beim Autofahren

Bisher werden Maschinen in Leipzig/Halle in niedrigen Flughöhen gestaffelt, danach geht es in den Endanflug. Das führt bei einem höheren Verkehrsaufkommen laut DFS zu mehr Fluglärm. Bei der Point-Merge-Methode spielt sich alles in größerer Höhe ab als bisher. "Je höher die Maschine ist, desto weniger Lärm kommt unten an", sagt Hansjörg Trost von der DFS.

Bei der Point-Merge-Methode werden die Maschinen außerhalb des Flughafens auf Kreisbögen geführt und anschließend trichterförmig kanalisiert. Innerhalb des Trichters gehen sie in den Sinkflug über. An einem bestimmten Punkt (Merge Point) werden sie dann hintereinander eingereiht, ähnlich wie beim Reißverschlussverfahren im Straßenverkehr. Für jede der zwei Landebahnen in Leipzig/Halle gibt es einen Trichter.

Foto: © DFS

Dieses Verfahren wird mit einem konstanten Sinkflug (Continuous Descent Operations; CDO) kombiniert, der während des Trichterflugs zum Einsatz kommt. "Dabei laufen die Triebwerke im Idealfall im Leerlauf", sagt Robert Ertler von der DFS. "Dann gibt es 'nur' noch die aerodynamischen Geräusche, die zum Beispiel durch den Luftwiderstand erzeugt werden." CDO-Verfahren seien bei einem hohen Verkehrsaufkommen allein nicht praktikabel und somit eine gute Ergänzung zu Point Merge.

Bisher wurde der Flughafen stufenförmig angeflogen. Dabei staffeln die Fluglotsen anfliegende Maschinen in bestimmten Höhen, wodurch die Flugzeuge immer wieder ein Stück sinken und dann die Höhe halten. Das kostet jedoch im Vergleich zum konstanten Sinkflug mehr Sprit und verursacht mehr Lärm.

Nicht alle Anwohner profitieren

Die DFS hofft, mit dem neuen Verfahren etwa 200.000 Menschen in Sachen Fluglärm entlasten zu können. Es handelt sich dabei vor allem um die Anwohner der Städte, nach denen der Airport benannt ist. Leipzig wird bei der Point-Merge-Methode so gut wie gar nicht mehr überflogen, Halle nur noch sporadisch. Anwohner in unmittelbarer Nähe des Airports profitieren dagegen nicht. "Im Bereich des Endanflugs ändert sich nichts. Da können wir nichts machen", so Trost.

Für die Fluglotsen bedeutet das Point-Merge-Verfahren weniger Arbeit. Bei diesem Landeanflug seien von Seiten der Fluglotsen weniger Anweisungen nötig, hieß es. Sie könnten sich dann auf andere Dinge konzentrieren.

Weniger Belastung wünschen sich auch die Airlines - allein schon aus wirtschaftlichen Gründen. Laut DFS wird die Flugzeit durch das Point-Merge-System nicht verkürzt, aber auch nicht verlängert. Tendenziell werde dafür weniger Sprit verbraucht. Der Fracht-Carrier DHL - größter Kunde in Leipzig/Halle - wollte sich auf Anfrage von airliners.de nicht dazu äußern.

Point Merge braucht bestimmte Voraussetzungen

Die Point-Merge-Technik kann nicht an allen Flughäfen eingesetzt werden. Die Umsetzung hängt zum Beispiel von der Navigationsinfrastruktur und den Verkehrsströmen benachbarter Airports ab. An den Berliner Standorten Tegel und Schönefeld zum Beispiel würden sich die Point-Merge-Anflüge mit denen des jeweils anderen Airports überlagern.

Am Airport in Hannover dagegen wird das System bereits seit über einem Jahr getestet. Aber der "Erkenntnisgewinn ist bisher relativ gering", sagte Ertler. Betrieblich gebe es keinerlei Probleme, das Verfahren werde aber aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens zu selten angewendet. Darum werden die Tests in Hannover voraussichtlich Ende 2016 eingestellt. In Oslo wird das Verfahren seit 2011 angewendet - mit welchem Ergebnis, konnte die DFS nicht sagen.

Der Probebetrieb in Leipzig/Halle soll zunächst ein Jahr lang laufen. So ist es mit der örtlichen Fluglärmkommission vereinbart. Aufgrund der dann vorliegenden Ergebnisse wird entschieden, wie es weitergeht. In die Auswertung sollen unter anderem Fluglärmmessungen und -zeiten sowie die Einschätzungen von Piloten und Lotsen einfließen.

Von: ch

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