Angeblich falsche Gewichtsangaben

DFS fordert Nachzahlung von Ryanair

29.01.2013 - 12:23 0 Kommentare

Die Deutsche Flugsichering hat Ryanair nachträglich Gebühren in Rechnung gestellt. Der Billigflieger soll jahrelang zu geringe maximale Abfluggewichte angegeben haben, um Flugsicherungsgebühren zu sparen. Auch Eurocontrol ermittelt, es geht um Millionen.

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen Nürnberg

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen Nürnberg
© Flughafen Nürnberg

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen K

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen K
© K

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat dem irischen Billigflieger Ryanair eine Rechnung über 450.000 Euro geschickt. Wie DFS-Sprecher Axel Raab bestätigte, handelt es sich um nachträgliche Forderungen für entgangene Abfluggebühren im Zeitraum zwischen 2009 und November 2012. In ganz Europa geht es Schätzungen zufolge um bis zu 50 Millionen Euro.

„Ryanair hat durch falsche Gewichtsangaben seiner Flugzeuge permanent Gebühren hinterzogen“, sagte Raab auf Anfrage. So wurde von der Airline das Abfluggewicht ihrer Flugzeuge mit 67 Tonnen angegeben. Nach einer Prüfung an Deutschen Flughäfen hätten es aber den Angaben nach 75 Tonnen sein müssen. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe berechnet die Flugsicherung pauschal diese 75 Tonnen Abfluggewicht. Laut DFS können im Falle von Gebührenhinterziehung durch Fluglinien Nachforderungen für maximal vier Kalenderjahre gestellt werden. Die Zeiträume davor gelten als verjährt.

Wie Sprecher Raab betonte, handelt es sich bei der Rechnung lediglich um entgangene Gebühren an den von Ryanair in Deutschland genutzten DFS-kontrollierten internationalen Flughäfen, aktuell sind das Bremen, Nürnberg (ab März), Leipzig und Köln. Plätze wie Lübeck, Weeze oder Memmingen, auf denen Ryanair landet und startet, fallen nicht in die Zuständigkeit der DFS. Ob auch diese  Abfluggebühren von ihren Kunden-Airlines verlangen, fällt in deren Ermessen.

Nachfragen bei Eurocontrol haben ergaben, dass auch die europäische Flugaufsicht aus gleichem Anlass derzeit gegen Ryanair ermittelt. Diese Kontrollen seien derzeit noch nicht abgeschlossen, so dass sich die Höhe der Nachforderungen für Überfluggebühren aktuell nicht beziffern lasse, sagte Eurocontrol-Sprecher Nicholas Wyke. Zugleich bestätigte er, dass seine Organisation ab sofort die Gewichtsangaben aller den europäischen Luftraum nutzenden Airlines überprüfen werde. "Durch die Erfahrungen mit Ryanair verlassen wir uns nicht mehr auf die Angaben der Gesellschaften", so Wyke.

Ryanair hatte Vorwürfe zu Gewichtstricksereien gegenüber airliners.de dementiert. Ryanair betreibe eine reine Boeing-737-Flotte in "uneingeschränkter Einhaltung der Flex-Weight Programme", die von Boeing vorgegeben werden. Dies sei durch die Irish Aviation Authority (IAA) zertifiziert und bestätigt.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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