Investor abgesprungen

Deutsches Grob-Werk meldet Insolvenz an

19.08.2008 - 18:38 0 Kommentare

Das schwäbische Werk des Flugzeugbauers Grob Aerospace hat Insolvenz angemeldet. Grund ist der Absprung eines Investors. Am Standort in Tussenhausen-Mattsies sind etwa 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die Unternehmensleitung will sich nun bemühen, einen neuen Investor zu finden.

Die Grob Aerospace GmbH hat beim Amtsgericht Memmingen einen Insolvenzantrag gestellt. Eine Gerichtssprecherin bestätigte am Dienstag entsprechende Medienberichte. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter des deutschen Werks der schweizer Grob Aerospace AG sei der Münchner Rechtsanwalt Michael Jaffé bestellt worden. Er soll prüfen, welche Zukunftsaussichten für das Unternehmen bestehen. Ein Gutachten dazu soll binnen 4 Wochen erstellt werden.

Das Unternehmen im Unterallgäu sei zahlungsunfähig, sagte ein Sprecher Jaffés. Erste Gespräche des Insolvenzverwalters vor Ort seien bereits geführt und die Belegschaft informiert worden. Hauptziel sei, den normalen Geschäftsbetrieb ungestört weiterlaufen zu lassen. Es werde sondiert, ob eine Sanierung des Flugzeugherstellers in Eigenregie erfolgen könne oder neue Investoren zum Zug kommen könnten. Am Standort in Tussenhausen-Mattsies sind etwa 500 Mitarbeiter, davon 380 Festangestellte beschäftigt.

Burkhart Grob, der noch mit zehn Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, sagte nach Angaben der Firma, Rückschläge und Verzögerungen in der Endentwicklung und großzügige Investitionen des neuen Managements hätten zu den finanziellen Engpässen geführt. Er sei aber überzeugt, dass das Unternehmen mit seinem weltweit anerkannten Ruf als Flugzeugbauer in kurzer Zeit neue Geldgeber finden werde. Er wolle den Prozess positiv begleiten.

US-Investor abgesprungen

Die Werke des Flugzeugbauers in Tussenhausen-Mattsies sind Teil der Grob Aerospace AG mit Sitz in Zürich. Die Grob Aerospace GmbH war 2006 mehrheitlich von der Schweizer Firma Executive Jet Investments (Zürich) übernommen worden. Von einem zweiten Investor aus den USA, der vor kurzem hinzukam, habe sich die Grob Aerospace GmbH frisches Geld für seine Projekte erhofft. Dem amerikanischen Investor gehen laut eines Berichts des Bayerischne Rundfunks aber die geplanten Neuentwicklungen nicht schnell genug. Er wolle sich nun zurückziehen.

Sorgenkind Spn-Jet

Am Standort in Tussenhausen-Mattsies findet Entwicklung und Fertigung der Grob-Flugzeugprogramme statt. Das derzeitige Produktportfolio umfasst unter anderem den leichten Business Jet "spn", der sich in der Zulassungsphase befindet, sowie Trainings-Flugzeuge für die Pilotenausbildung.

Von dem neuen Verbundfaser-Kleinstjet mit einer Reichweite von rund 3300 Kilometern sind nach Werksangaben bereits mehr als 20 Flugzeuge verkauft worden. Erste Auslieferungen waren eigentlich für Ende 2007 geplant.

Der vierte spn-Prototyp hatte erst am 7. August seinen Erstflug absolviert. Beim Absturz des ersten Prototypen war Ende 2006 bei Tussenhausen der Cheftestpilot ums Leben gekommen.

Bis zu der Übernahme durch das Schweizer Unternehmen war Grob der letzte deutsche Flugzeugbauer. Im Jahr 1971 hatte Firmengründer Ernst Grob den Unternehmensbereich Luftfahrt gegründet und ab 1974 zunächst Segelflugzeuge in Lizenz gebaut. In den 90er Jahren hatte Grob mit dem öffentlich geförderte Höhenflugzeug Strato Aufsehen erregt, mit dem alle bis dahin bestehenden Höhenrekorde gebrochen worden waren.

Von: dpa, ddp, airliners.de, Grob Aerospace
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