Deutsche Wirtschaftsverbände richten Weckruf an die Politik

21.08.2013 - 16:57 0 Kommentare

Zu einem ersten Branchengespräch Luftfracht hatten heute der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft und der Bundesverband der Deutschen Industrie eingeladen. Gefordert wird ein zwischen Bund und Ländern abgestimmtes Verkehrskonzept.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hat zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) einen "Weckruf" an die deutsche Politik gerichtet, die Bedingungen für die Transportbranche nicht weiter zu erschweren. Ein heutiges Treffen war die erste gemeinsame Veranstaltung beider Organisationen als Reaktion auf die sich aus ihrer Sicht kontinuierlich verschlechternden Rahmenbedingungen für die hiesige Cargobranche.

"Unbedingt nötig ist ein zwischen Bund und Ländern abgestimmtes Verkehrskonzept mit Festschreibung der heutigen Betriebszeiten an deutschen Flughäfen", lautete die Hauptforderung von Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des BDL, an die Berliner Koalition. Als Begründung verwies er auf die Leistungen der Luftfrachtbranche für den hiesigen Wirtschaftsstandort. Danach werden zehn Prozent des gesamten jährlichen deutschen Außenhandelsvolumens im Wert von rund 204 Milliarden Euro per Flugzeug befördert. Im Vergleich zur Straße, wo der Wert pro Tonne im Durchschnitt 1.280 Euro beträgt, liegt er bei der Luftfracht über 75.000 Euro, sagte von Randow.

Durch staatliche Beschlüsse wie die Einführung der Luftverkehrssteuer in Deutschland, die von der EU für Flüge innerhalb Europas verfügte Emissionssteuer oder die Ausweitungen von Nachtflugverboten an deutschen Flughäfen habe längst eine schleichende Abwanderung von Frachtströmen nach Amsterdam, Brüssel oder Paris begonnen, kritisierte Kölns Flughafenchef Michael Garvens. An keinem dieser genannten Airport gebe es eine Nachtflugbeschränkung und die Handhabung der Sicherheitskontrollen in der Luftfracht würde weniger bürokratisch und deutlich flexibler gehandhabt als in Deutschland, hoben Vertreter beider Verbände hervor. Dadurch verliere der gesamte deutsche Wirtschaftsstandort zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit, warnte der Manager.

Allein durch das Frankfurter Nachtflugverbot gingen Lufthansa Cargo pro Jahr etwa 40 Millionen Euro an Erträgen verloren, hob Airline-Chef Karl Ulrich Garnadt hervor. Dass es auch anders geht, zeigten die Emirate mit ihrem staatlich finanzierten kolossalen Ausbau der Infrastruktur. Dies ziehe nicht nur zunehmend Passagier- und Frachtströme über die Golfregion, sondern bewirke auch eine Vielzahl von Folgeinvestitionen und führe zu einer wirtschaftlichen Aufwärtssirale, so Garnadt. "Aus meiner persönlichen Sicht machen die das völlig richtig", räumte der CEO von LH Cargo ein.

Wie wichtig eine gut funktionierende Infrastruktur, die auch nachts Frachtfliegern offen steht, für eine Region ist, verdeutlichte der Chef der Mitteldeutschen Flughafen AG, Markus Kopp, mit Verweis auf die Entwicklung von DHL Express in Leipzig/Halle. Das schaffe Arbeitsplätze, neue Wirtschaftskreisläufe und bewirke eine Aufbruchsstimmung bei einer Vielzahl von Menschen, sagte Kopp. Der Frankfurter "Weckruf" soll als gemeinsames Positionspapier von BDL und BDI jetzt der Regierung präsentiert werden.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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