Deutsche Ryanair-Piloten organisieren sich in Vereinigung Cockpit

Die Piloten der irischen Billigfluglinie Ryanair in Deutschland organisieren sich: Sie gründeten jetzt eine Tarifkommission unter dem Dach der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit.

Eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair landet auf dem niederrheinischen Airport Weeze. - © © dpa - Roland Weihrauch

Eine Maschine der Fluggesellschaft Ryanair landet auf dem niederrheinischen Airport Weeze. © dpa /Roland Weihrauch

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit will beim Billigflieger Ryanair über die Arbeitsbedingungen verhandeln. Sie wirft der Airline vor, Piloten in atypischen Verhältnissen zu beschäftigen und spricht von "zwielichtigen Methoden". Ryanair will sich das nicht gefallen lassen und schießt zurück. Die Vereinigung Cockpit erhebe "falsche Behauptungen" und veröffentliche "irreführende Pressemitteilungen", hieß es in Dublin.

Die Gewerkschaft teilte mit, sie habe eine Tarifkommission aus deutschen Piloten und Co-Piloten der irischen Gesellschaft gegründet. Ziel seien angemessene Arbeitsverträge statt atypischer Beschäftigung, erklärte die Kommission in Frankfurt am Main.

"Die Gründung der Ryanair-Tarifkommission zeigt deutlich, dass sich die Piloten der Airline die zwielichtigen Methoden ihres Arbeitgebers nicht länger gefallen lassen und von nun an geschlossen für ihre Rechte als Arbeitnehmer gegenüber dem Unternehmen auftreten werden", erklärte VC-Präsident Ilja Schulz.

Airline lehnt Treffen mit "irgendwelchen Komitees" ab

Ryanair hat Vorwürfe zu schlechten Arbeitsbedingungen ihres fliegenden Personals stets zurückgewiesen und reagierte scharf. "Bei Ryanair schenken wir falschen Behauptungen von Pilotengewerkschaften der Lufthansa nicht die geringste Aufmerksamkeit", teilte Personalchef Eddie Wilson am Montag mit. Man werde sich auch nicht mit "irgendwelchen Komitees" treffen. Die Ryanair-Piloten an den neun deutschen Standorten der Fluggesellschaft könnten jederzeit über die lokalen Betriebsräte verhandeln, teilte die Airline mit.

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Wegen des internationalisierten Arbeitsmarktes brauche man attraktive Arbeitsbedingungen, damit überhaupt genug Personal rekrutiert werden könne. Man zahle auch sämtliche Sozialabgaben. Ryanair verweist bei Gehaltsfragen auf interne Fünfjahres-Abkommen mit der Belegschaft, hat bislang aber keine Tarifverträge mit Gewerkschaften abgeschlossen. Rund ein Drittel der Kapitäne und etwa 80 Prozent der Co-Piloten sind bei Ryanair über Fremdfirmen beschäftigt.

Furcht vor Repressalien

Die neue Tarifkommission setzt sich den Angaben zufolge aus aktiven Ryanair-Piloten zusammen. Sie arbieten zum Teil mit Festanstellung, zum Teil im so genannten "Contractor-Modell" für die Airline. Die Mitglieder der Kommission sollen vorerst anonym bleiben: Die VC befürchtet Repressalien seitens der Fluggesellschaft.

Auf europäischer Ebene hatten Ryanair-Piloten bereits 2013 eine Gewerkschaft namens Ryanair Pilot Group gegründet, die damaligen Angaben zufolge über die Hälfte der Ryanair-Piloten vertritt. Auch diese Gruppe wurde von Ryanair nicht anerkannt.

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Von: gk, dpa, AFP

Datum: 19.12.2016 - 13:36

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