Deutsche Piloten wollen Ryanair bestreiken

12.12.2017 - 11:45 0 Kommentare

Dem irischen Billigflieger droht ein Novum: ein Pilotenstreik bei Ryanair. Dazu aufgerufen hat die deutsche Vereinigung Cockpit. Und auch in anderen europäischen Ländern formiert sich Widerstand des Cockpitpersonals.

Flugzeuge der Ryanair: Streik soll die Weihnachtsfeiertage nicht betreffen. Foto: © dpa, Niall Carson/PA

Beim Billigflieger Ryanair kündigt sich der erste Pilotenstreik der Geschichte an. Die Vereinigung Cockpit (VC) hat ab sofort zu Streiks an den deutschen Basen aufgerufen. Zuvor hatten bereits Gewerkschaften in Italien und Portugal für Arbeitskämpfe mobilisiert. An der Basis Dublin haben sich irische Piloten per Urabstimmung für einen Streik ausgesprochen.

Wie sollten Ryanair-Piloten systematisches Sozialdumping anders durchbrechen, als mit gewerkschaftlichen Mitteln? Und wenn nicht jetzt, wann sonst gibt es eine realistische Chance, damit erfolgreich zu beginnen?

Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der VC

Die VC nannte zunächst keine Termine für die geplanten Ausstände, um Gegenmaßnahmen zu erschweren. Die Weihnachtstage sollen aber bis einschließlich 26. Dezember nicht bestreikt werden.

Tuifly-Bedingungen als Maßstab

Ziel der europaweit koordinierten Aktionen seien marktgerechte Arbeits-und Vergütungsbedingungen, erläuterte die Pilotengewerkschaft VC. Maßstab seien hier die Tarifbedingungen der Tuifly, die wie Ryanair eine Flotte von Boeing 737 betreibt.

Tarifexperte Eckhard Bergmann begrüßt im Gespräch mit airliners.de die Ankündigung: "Endlich gibt es eine konzertierte Aktion der europäischen Pilotengewerkschaften gegen die schon lange bekannten Beschäftigungspraktiken bei Ryanair. Diese Aktionen sind nicht nur im Sinne der Ryanair-Piloten, sondern auch im Sinne der ihre Piloten anständig behandelnden Ryanair-Wettbewerber." Die Forderung der VC nach Tarifbedingungen auf Tuifly-Niveau hält er für angemessen, "da auch die deutschen Easyjet-Tarifverträge der Verdi etwa diese Qualität haben".

Zuvor hatte die Gewerkschaft die Piloten unterstützt, eine Tarifkommission zu gründen. Sie werden vom hauptamtlichen VC-Tarifexperten Ingolf Schumacher unterstützt, der bereits den harten Konflikt bei der Lufthansa ausgefochten hat.

Entschädigung

Ein Pilotenstreik ist nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ein Fall von höherer Gewalt. Das bedeutet: Reisenden steht keine Entschädigung zu, wenn ihr Flug streikbedingt ausfällt oder sich um mehr als drei Stunden verspätet. Das gilt unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Streiks zu minimieren. Wenn ein Flug definitiv ausfällt oder sich mehr als fünf Stunden Verspätung aufsummieren, kann der Kunde auch sein Ticket zurückgeben und bekommt dann sein Geld zurück.

Foto: © Fotolia.com, vege

Ryanair lehnt Verhandlungen mit der VC kategorisch ab, teilte der Carrier auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Man gehe davon aus, dass es sich um reine Öffentlichkeitsarbeit der Pilotenvereinigung handle. Wenn es zu Streiks kommen sollte, werde man sich damit "frontal" auseinandersetzen. In keinem Fall aber werde man mit VC verhandeln oder die Gewerkschaft anerkennen.

Ryanair hat bislang keine Verhandlungsbereitschaft gezeigt. Sprecher Robin Kiely verwies in der Vergangenheit auf Lohnerhöhungen und Dienstplanverbesserungen, die mit den lokalen Piloten-Ausschüssen verhandelt worden seien. Dieses Vorgehen sei vom Obersten Gerichtshof in Irland als rechtmäßig genehmigt worden. Die Behauptungen der deutschen Gewerkschaften seien ohne Grundlage.

O'Leary: "VC ist Gewerkschaft der Lufthansa"

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat bisher jegliche Verhandlungen mit Gewerkschaften abgelehnt und stattdessen mit lokalen Pilotenvertretungen innerhalb des Unternehmens gesprochen. In den vergangenen Monaten hatte sich Widerstand gegen die nach irischem Recht organisierten Arbeitsbedingungen geregt, die unter anderem einen hohen Anteil von Leiharbeitern im Cockpit zulassen. O'Leary hat die VC in der Vergangenheit stets als "Gewerkschaft der Lufthansa" abgelehnt.

© Ryanair, Lesen Sie auch: Flugbegleitergewerkschaft will Tarifverhandlungen mit Ryanair

Auch die deutsche Kabinengewerkschaft Ufo will mit Ryanair über einen nationalen Tarifvertrag für die in Deutschland stationierten Flugbegleiter verhandeln und wirbt dafür in der Belegschaft um Mitglieder.

Von: cs, br
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