Deutsche Piloten: Bislang keinen Kontakt zu Ryanair

13.09.2018 - 16:40 0 Kommentare

Deutsche Streiks bei Ryanair: Flugbegleiter und Piloten legen die Arbeit nieder. Das Team um Airline-Chef O'Leary unternimmt bislang keinen Kontaktversuch - und droht stattdessen.

Eine Boeing 737 der Ryanair.

Eine Boeing 737 der Ryanair.
© AirTeamImages.com - Jorge Guardia Aguila

Michael O'Leary.

Michael O'Leary.
© APA/dpa - Herbert Pfarrhofer

Auch an Tag eins nach dem gemeinsamen Streik deutscher Flugbegleiter (Verdi) und Piloten (Vereinigung Cockpit, VC) ist weiter keine Annäherung zu erkennen. "Es hat bisher noch keinen Kontakt mit Ryanair gegeben", sagte VC-Vizepräsident Markus Wahl im Gespräch mit airliners.de. Ryanair hatte wegen des 24-stündigen Ausstands am Mittwoch rund 150 der geplanten 400 Flüge von und nach Deutschland abgesagt.

Gewerkschafter Wahl zeigte sich indes zufrieden mit dem Streik. "Die Rückmeldungen von den Kollegen an den zwölf betroffenen Stationen zeigen, dass die Beteiligung an dem Arbeitskampf überwältigend hoch war", so Wahl. Fast jeder Flug, der mit in Deutschland stationierten Besatzungen aus Deutschland heraus fliegen sollte, habe nicht stattgefunden. "Die restlichen Flüge konnte Ryanair mit viel Mühe mit ausländischen Crews, Contractor-Piloten und Management-Piloten in die Luft bringen."

Erster Streiktag für Verdi

Ryanair betont noch einmal, dass 70 Prozent der von und nach Deutschland geplanten Verbindungen am Mittwoch planmäßig stattfanden. Für die VC war es nach einem Warnstreik im Dezember und einem ordentlichen Streiktag im August am Mittwoch der zweite Ausstand bei dem Billigflieger. Ihr angeschlossen hatte sich Verdi, die in der vergangenen Woche nach der zweiten Verhandlungsrunde mit dem Management verstimmt war.

Verdi forderte Ryanair in einer Mitteilung dazu auf, Einschüchterungen gegenüber den Beschäftigten unterlassen. "Hintergrund ist, dass der irische Low-Coster infolge des gestrigen Warnstreiks der Ryanair-Kabinenbeschäftigten seine Drohungen gegenüber den Streikenden verstärkt hat." Verdi berichtet davon, dass Ryanair-Manager jene Flugbegleiter fotografiert haben sollen, die sich am Mittwoch an Demos beteiligten. Diese waren größtenteils maskiert.

O'Leary: "aberwitzige" Forderungen

Indes reißt das Unverständnis der Airline für die Streiks ihrer Crews europaweit nicht ab. Ryanair-Chef Michael O'Leary nannte die Forderungen der deutschen Gewerkschaften teils "aberwitzig". Die Fluggesellschaft sei den Mitarbeitern bereits in allen wichtigen Punkten entgegengekommen. Sollte es weitere Streiktage geben, könnte das Folgen haben.

Die Streiks würden das Geschäft des Billigfliegers in Deutschland zerstören, sagte Personalchef Peter Bellew. Dies könnte das Unternehmen dazu bringen, einzelne Flugzeuge aus kleineren, ertragsschwächeren Standorten abzuziehen. An die Schließung ganzer Basen sei eher nicht gedacht. Grundsätzlich wolle Ryanair in Deutschland wachsen.

Ryanair-Basen in Deutschland im Sommer

Flughafen stationierte
Maschinen
Berlin-Schönefeld 9
Bremen 2
Düsseldorf 1
Frankfurt 10
Hamburg 2
Hahn 4
Karlsruhe/Baden-Baden 2
Köln/Bonn 4
Memmingen 1
Nürnberg 2
Weeze 6
Quelle: airliners.de

Dass Ryanair ihre Angestellten, die nichts anderes tun, als ihr Grundrecht auf Streik wahrzunehmen, mit Arbeitsplatzverlust bedroht und so versucht, den Streik durch das Verbreiten von Angst zu brechen, ist ein Skandal", so VC-Mann Wahl. Das Streikrecht sei ein Grundrecht jedes Arbeitnehmers. "Die Drohung zeigt aber, mit welch abstrusen Mitteln Ryanair versucht, ihre Angestellten gefügig zu machen."

Repressalien in Irland angekündigt

Nach dem dritten Streik der Piloten in Irland hatte Ryanair angekündigt, im Winter mindestens sechs Flugzeuge vom Airport Dublin abzuziehen. Es folgte eine Tarifeinigung mit den dortigen Cockpit-Crews, und in dieser Woche zog der Ryanair-Vorstand die Entscheidung wieder zurück.

© AirTeamImages.comges.com, Dirk Grothe Lesen Sie auch: Ryanair - die zerrissene Airline Hintergrund

Von: cs
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