Deutsche Luftfracht-Sprengstoffhunde in der Warteschleife

15.04.2013 - 12:34 0 Kommentare

Ein Zwist um regulative Zuständigkeiten bei der Zulassung von Sprengstoff-Kontrollhunden könnte einen wichtigen Teil der neuen deutschen Luftfracht-Sicherheitsarchitektur gefährden. Fluggesellschaften, Spediteure und Bodenabfertiger drängen auf eine rechtzeitige Einigung zum Monatsende.

Sniffer Dog im Einsatz bei der WISAG - © © Heiner Siegmund - Heiner Siegmund

Sniffer Dog im Einsatz bei der WISAG © Heiner Siegmund /Heiner Siegmund

Sie sollten spätestens ab dem 29. April kreuz und quer durch die Frachthallen auf deutschen Flughäfen schnüffeln, um in Sendungen versteckte Bomben aufzuspüren: so genannte Sprengstoff-Kontrollhunde. Ab diesem Tag greifen verschärfte Sicherheitsbestimmungen für die Luftfrachtindustrie, die angesichts begrenzter mechanischer Kontrollmöglichkeiten zu erheblichen Staus von Frachtsendungen führen könnten.

Deshalb bauten Airlines, Spediteure und Bodenabfertiger bislang auf die termingerechte Zulassung von Hunden und deren Hundeführer, als weitere Option ihrer Sicherheitsarchitektur. Die fristgerechte Zulassung der aus Spezialhunden und deren Haltern bestehenden Teams hatte Präsident Jörg Mendel vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) der Lufthansa Cargo kürzlich verbindlich zugesichert.

Ob der Behördenchef Wort halten kann, ist inzwischen fraglich. Denn zwischen seinem Amt und der Bundespolizei gibt es einen Streit um Planstellen und um die Oberhoheit über das Schnüffelhundeprojekt. Beide Seiten reklamieren die Zuständigkeiten für sich, heißt es aus internen Kreisen. Letztlich ist es ein Zwist zwischen verschiedenen Ministerien, mit dem Hundeprogramm für die Luftfracht als möglichem Leidtragenden. So gibt es Spürhunde derzeit nur bei der Bundespolizei und dem Zoll, die dabei allerdings auch auf externe Dienstleister zurückgreifen können. Die zuständigen Beamten lassen durch die Teams aus Hunden und Hundehaltern die Koffer und Gepäckstücke von Passagieren auf Drogen oder Sprengstoffinhalte kontrollieren.

Was die Luftfracht angeht, reklamiert das zum Berliner Verkehrsministerium gehörende LBA jedoch die Kompetenz für das Ausbildungsprogramm und die amtliche Zulassung der Hund-Hundeführer-Teams. Aus diesem Grunde pocht es auf die dafür notwendigen Stellen. Diese sind derzeit aber der Bundespolizei zugeordnet, müssten also an das LBA übertragen werden, mit der entsprechenden Querversetzung der Beamten. Dies lehnt nach Informationen des Branchenportals CargoForwarder die Bundespolizei bislang jedoch kategorisch ab.

Damit hängt das gesamte Programm, denn das LBA verfügt nicht über das nötige Fachpersonal, um die Trainingskurse sowie die Lizensierung der Teams aus Hunden und Hundeführern durchführen und überwachen zu können. Diesbezügliche Anfragen vom vergangenen Donnerstag ließ die Braunschweiger Behörde bislang unbeantwortet.

Unternehmenssprecher Matthias Eberle von der Lufthansa Cargo nannte den Einsatz von Sprengstoff-Detektionshunden zur Sicherung von Luftfracht eine wichtige Option im Verbund mit Röntgenkontrollen und anderen Maßnahmen. Um Staus von Sendungen ab dem 29. April speziell auf dem Frankfurter Flughafen zu vermeiden, seien diese unverzichtbar. Er erinnerte daran, dass in Großbritannien, den Niederlanden oder Frankreich die Spürhunde längst für die Sicherheitsüberprüfung von Luftfracht zugelassen worden seien. Richtung LBA sagte er, dass sich sein Unternehmen auf die verbindliche Zusage von Behördenchef Mendel in Sachen termingerechter Einsatz der Sprengstoffhunde verlasse.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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