Deutsche Luftfahrtbranche kann international nicht mehr mithalten

05.02.2015 - 13:27 0 Kommentare

Fast 208 Millionen Fluggäste wurden 2014 an deutschen Flughäfen gezählt - so viele wie noch nie. Auch die heimischen Airlines konnten zulegen. BDL und ADV glauben jedoch, dass die deutsche Luftfahrt schon jetzt international nicht mehr mithalten kann.

Klaus-Peter Siegloch

Klaus-Peter Siegloch
© dpa - Wolfgang Krumm

Dr. Michael Kerkloh

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© FMG

Die deutsche Luftfahrt wächst und kann trotzdem international nicht mehr mithalten. Zu diesem Schluss kommen der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Verkehrsflughäfen (ADV). Die beiden Verbände begründen ihre Haltung mit den Bilanzzahlen des vergangenen Jahres, die sie heute in Berlin vorgestellt haben.

Demnach wuchsen die deutschen Fluggesellschaften - ausgewertet wurden die Zahlen der Lufthansa- und Air-Berlin-Gruppe sowie von Tuifly und Condor - im vergangenen Jahr zusammen um 2,3 Prozent. Als Einheit dient dabei der verkaufte Passagierkilometer. In Europa lag der Mittelwert 2014 jedoch bei fast sechs Prozent. "Dieses seit Jahren unterdurchschnittliche Wachstum in Deutschland ist besorgniserregend", sagte ADV-Präsident Michael Kerkloh. Die größten Sprünge weisen Airlines aus dem Nahen Osten (12,6 Prozent) und dem asiatisch-pazifischen Raum (7,1 Prozent) vor.

Auch beim Vergleich der Passagierzahlen schneidet Deutschland international schlecht ab. Die 22 internationalen Airports zählten ingesamt fast 208 Millionen Reisende. Das sind drei Prozent mehr als 2013 und ein neuer Rekord. Andere Länder wie Belgien, Türkei oder Luxemburg wuchsen jedoch prozentual mehr.

© BDL,

Die deutschen Airlines beförderten im vergangenen Jahr insgesamt 1,2 Prozent mehr Passagiere als noch 2013 - damals es waren insgesamt knapp 148 Millionen. Im Vergleich zur Konkurrenz ist das Wachstum jedoch gering. Die arabische Airline Etihad Airways zählte zum Beispiel fast ein Viertel mehr Fluggäste.

© BDL,

Dass die deutsche Flugbranche unterdurchschnittlich wächst, liegt laut BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch am verzerrten Wettbewerb, insbesondere verursacht durch die Luftverkehrssteuer. Im vergangenen Jahr entrichteten die deutschen Fluggesellschaften 526 Millionen Euro an das Finanzamt. "Geld, das zum Beispiel in modernere und umweltfreundlichere Flugzeuge hätte investiert werden können", sagt Siegloch. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Ticketsteuer für rechtens erklärt. "Aber das heißt nicht, dass sie auch politisch sinnvoll ist", so Siegloch.

Streiks schädigen das Image

Ein weiterer Kritikpunkt sind die regulierten Öffnungszeiten. "Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt hat nachts geschlossen", so der Präsident, "das gibt es zum Beispiel in London-Heathrow nicht." Auch die Streiks haben das Wachstum im vergangenen Jahr gebremst, zahlreiche Flüge fielen aus. Allein die Lufthansa habe einen Schaden von 140 Millionen Euro beklagt, so Siegloch. Wie viel es die gesamte Branche gekostet hat, konnte er allerdings nicht sagen. Siegloch fürchtet jedoch nicht nur die finanziellen Folgen durch die Streiks. Auch der Image-Schaden sei enorm. "Reisende fragen sich, ob sie noch mit einer deutschen Airline fliegen sollen", sagt Siegloch.

© dpa, Ole Spata Lesen Sie auch: Passagierzahlen: Die großen Flughäfen wachsen, die kleinen kämpfen

Trotz allem rechnen BDL und ADV in diesem Jahr mit einem guten Jahr für die deutsche Branche. So prognostizieren die Verbände an den Airports ein Passagierplus von fast drei Prozent. Die Reiselust der Deutschen ist laut dem Marktforschungsinstitut GfK so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die Ukraine-Krise könnte das Wachstum jedoch bremsen, genauso wie neue Streiks. Die Tarifstreitigkeiten bei den Flugbegleitern, dem Sicherheitspersonal und den Piloten sind noch nicht beigelegt.

Von: airliners.de
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