Deutsche Crews bestreiken am Mittwoch Ryanair

11.09.2018 - 10:03 0 Kommentare

Gewerkschaften in ganz Europa streiten für bessere Arbeitsbedingungen bei Ryanair. In Deutschland legen die Piloten am Mittwoch erneut die Arbeit nieder. Ihnen schließt sich die Kabine an - nicht ohne Kritik.

Ryanair-Kabinenpersonal fordert mehr Geld sowie bessere Konditionen.

Ryanair-Kabinenpersonal fordert mehr Geld sowie bessere Konditionen.
© dpa - Clara Margais

Boeing-Flugzeug der Ryanair.

Boeing-Flugzeug der Ryanair.
© dpa - Frank Rumpenhorst

Die beiden Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi haben zum Ausstand bei Billigflieger Ryanair aufgerufen. Die VC will am Mittwoch die Cockpits der Iren bestreiken - Verdi die Kabine. Für die deutschen Piloten ist es der zweite ordentliche Streiktag bei Ryanair, für die hiesigen Flugbegleiter der erste.

Der Pilotenausstand soll Mittwochmorgen um kurz nach drei beginnen und 24 Stunden andauern. Aufgerufen sind alle Festangestellten unter den rund 400 deutschen Ryanair-Piloten an den zehn deutschen Basen. "Betroffen sind alle Verbindungen, die in dieser Zeit aus Deutschland abfliegen sollen", so die VC.

Ryanair hat für den Mittwoch 150 der 400 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Die Airline reagiert mit Unverständnis auf die Streikankündigung. "Da wir bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten haben, gibt es keine Rechtfertigung für weitere Störungen", so Marketingchef Robin Kiely zu airliners.de. "Wir fordern unsere deutschen Piloten auf, diesen Mittwoch ihre Arbeit anzutreten."

"Nach wie vor kein verbessertes Angebot"

Seit Monaten fordern die deutschen Piloten Verbesserungen im Bereich der Vergütung und der Arbeitsbedingungen. "Auf die bereits seit letztem Jahr unveränderten Forderungen hat die Geschäftsleitung nach wie vor kein verbessertes Angebot unterbreitet", heißt es in einer Mitteilung der VC von Montagabend.

Die Piloten hatten nach einem Warnstreik Ende vergangenen Jahres offizielle Tarifverhandlungen bei Ryanair erwirkt. Diese erklärte die VC Mitte Juni für gescheitert, auch weil der Billigflieger sich "keinen Millimeter" bewege.

© dpa, Niall Carson/PA Lesen Sie mehr: "Streiks bei Ryanair sind nicht unser Ziel" Interview mit VC-Präsident Locher

Die Gewerkschaft ließ ihre Mitglieder über Streiks abstimmen. Es folgte der erste 24-stündige Ausstand der deutschen Ryanair-Piloten - zusammen mit dem Cockpit-Personal aus weiteren europäischen Ländern.

Ryanair legte daraufhin laut VC allerdings kein substanziell neues Angebot vor - obwohl die Iren dies angekündigt hatten. Vergangenen Freitag setzte die Gewerkschaft den Iren ein neues Ultimatum und drohte mit einem neuerlichen Streik.

Trotz des deutlichen Zeichens durch den Streik Anfang August, herrscht immer noch Stillstand am Tariftisch.

Ingolf Schumacher, VC-Vorsitzender Tarifpolitik

Zuletzt habe die VC Ryanair eine Schlichtung des Tarifkonflikts vorgeschlagen. Doch diese Anfrage blieb unbeantwortet, heißt es von der Gewerkschaft. "Die Geschäftsleitung versucht, durch unkonkrete und inhaltslose Aussagen auf Zeit zu spielen und ist offenbar weiterhin nicht einmal ansatzweise an einer Lösung interessiert."

Für eine Schlichtung hatte die VC nach eigener Aussage mehrere Personen vorgeschlagen, die von Ryanair aber alle abgelehnt worden seien. Das Management beharre auf einem irischen Mediator, der "die benötigten Rechtskenntnisse für Deutschland nicht haben kann und schon allein deswegen nicht als Schlichter infrage kommt".

Angebot "völlig indiskutabel"

Bei Verdi hingegen verhält sich die Sache grundlegend anders. Nach dem Verhandlungstermin im August zeigte sich die Gewerkschaft noch positiv. Immerhin rang sie dem Billigflieger das Zugeständnis ab, nationales Arbeitsrecht als Grundlage für einen Tarifvertrag für die rund 1000 deutschen Flugbegleiter zu machen.

Allerdings zeigte sich Verdi nach der zweiten Verhandlungsrunde mit dem Airline-Management vergangene Woche "ausgesprochen unzufrieden". Das vorliegende Entgeltangebot sei "völlig indiskutabel", heißt es nun in einer Mitteilung.

Es sehe für 2018 und 2021 keine Erhöhungen vor, für 2019 die Umwandlung einer bestehenden Leistungsprämie sowie eine Erhöhung pro Flugstunde "um lediglich 50 Cent" und eine Erhöhung der Entgelte in 2020 um 41 Euro pro Monat. "Nationale Verträge will Ryanair zudem erst zum Jahr 2022 abschließen", so Verdi.

Verdi-Kurs verwundert Beobachter

"Die Gehälter der Flugbegleiter bei Ryanair sind so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um einen auskömmlichen Lebensstandard zu sichern", kritisiert Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Dazu kämen schlechte Arbeitsbedingungen und "ein massiver Druck auf die Beschäftigten". "Die Haltung der Arbeitgeber ist verantwortungslos."

Dennoch überrascht Beobachter die jetzige Streikankündigung von Verdi. Immerhin habe sich die Gewerkschaft nach der ersten Runde noch positiv geäußert - "nach der zweiten Runde sprach Verdi dann davon, dass die Gespräche 'erneut' schlecht waren - das wirkt schon ein bisschen seltsam", sagt ein langjähriger Gewerkschafter.

Tarifverträge in Irland und Italien

Der Billigflieger kämpft in mehreren Ländern mit Gewerkschaften - sowohl für seine Piloten, als auch für seine Flugbegleiter. Doch die Gespräche kommen überwiegend nur schleppend voran.

In Irland und Italien einigte sich das Airline-Management jüngst mit den Cockpit-Crews auf Tarifverträge. Diese könnten laut VC jedoch "nicht als Blaupause für eine Lösung in Deutschland dienen". Den dortigen Vereinbarungen fehlten wesentliche Aspekte, die für eine Gesamtlösung hier nötig wären. Anfangs äußerte sich die VC hier noch abwartend.

Allerdings wäre in Irland noch keine Vereinbarung über Vergütung und allgemeine Arbeitsbedingungen geschlossen. Streiks seien dort damit noch nicht ausgeschlossen worden. In Italien wären hingegen strukturelle Fragen bei Arbeitszeit und Vergütung "für uns unzureichend geregelt".

Es drohen neue Kabinen-Streiks

Auch die Gewerkschaften in fünf anderen Ländern hatten jüngst neue Streiks der Ryanair-Flugbegleiter in Italien, Portugal, Belgien, Spanien und den Niederlanden angekündigt. Sie setzten dem Billigflieger bis Ende der Woche eine letzte Frist für ein neues Angebot.

© dpa, Francisco Seco/AP Lesen Sie auch: Ryanair-Flugbegleiter drohen mit Streik

Von: cs
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