Betrieb sofort eingestellt: Deutsche Azur Air wird abgewickelt

26.09.2018 - 13:00 0 Kommentare

Es war bereits spekuliert worden, nun macht es die Airline offiziell: Mit sofortiger Wirkung stellt Azur Air Deutschland den Betrieb ein. Selbst geflogen ist die Airline schon seit längerem nicht mehr.

Flugzeug der Azur Air Germany. - © © FBB - Günter Wicker

Flugzeug der Azur Air Germany. © FBB /Günter Wicker

Die deutsche Azur Air stellt "mit sofortiger Wirkung" den eigenständigen Flugbetrieb ein. In einer Mitteilung der Airline-Spitze heißt es, man wolle den Betrieb nun abwickeln. Der noch junge Ferienflieger setzte seit bereits fast drei Wochen nur noch auf Subcharter.

Weiter heißt es von der Geschäftsführung, man bedauere es, die Operations nicht wieder auf "wirtschaftlich stabile Beine zu stellen". Insbesondere die Vielzahl an Flugunregelmäßigkeiten und Verspätungen habe zu hohen Kosten und entsprechenden Verlusten geführt. Hauptkundin Anex Tour wolle "seinen Kunden die permanenten Flugverschiebungen nicht mehr zumuten".

Das Fluggastrechteportal EU Claim hat exklusiv für airliners.de die Performance der Azur Air in diesem Sommer ausgewertet. Demnach hatten 57 Flüge von Azur Air zwischen Ende März und Mitte September bei Ankunft mehr als drei Stunden Verspätung. Dies sind 8,2 Prozent aller in diesem Zeitraum durchgeführten Verbindungen.

Azur-Air-Performance
Verspätete Flüge* Pünktliche Verbindungen
März** 2 23
April 4 80
Mai 4 120
Juni 7 120
Juli 26 170
August 12 140
September*** 2 92

Anmerkungen: * = mehr als drei Stunden bei der Ankunft verspätet; ** = 26. - 31. März 2018; *** = 1. - 25. September 2018. Quelle: EU Claim

Auffällig sei laut Portal, dass in allen 57 Fällen die Airline für eine Entschädigungszahlung haftbar gemacht werden kann. Den Berechnungen nach ergibt das eine gesamte, maximale Entschädigungssumme von rund 3,59 Millionen Euro.

Bis zuletzt sei laut Management versucht worden, mit einem neuen Investor einen Neustart der Gesellschaft zu ermöglichen. Die Versuche den AOC zu verkaufen sind gescheitert. Vor diesem Hintergrund ist das Unternehmen gezwungen, noch im September die verbliebenden Arbeitsverträge zu kündigen. "Wir wünschen allen, dass sie zeitnah eine neue Anstellung finden, und hoffen, dass sie uns in den nächsten Wochen und Monaten noch bei den anstehenden Abwicklungsaufgaben unterstützen", heißt es in der Mitteilung.

Mitarbeiter beklagen Informationspolitik

Die Betriebseinstellungen hatte sich bereits angekündigt, denn seit Anfang September ruhte bei Azur Air den eigenständige Flugbetrieb. Die letzte verbliebene Maschine, eine Boeing 737 mit der Kennung D-AZUG, war am 6. September nach Antalya geflogen worden. Seit dem setzte die deutsche Airline auf Subcharter - eine vorübergehende Maßnahme, wie man immer wieder auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte.

Mitarbeiter beklagten im Gespräch immer wieder, unzureichend informiert zu werden: "Mal hören wir etwas, mal nicht. Das ist sehr unbefriedigend." Mehrere Crew-Mitglieder berichten, dass zuletzt nur sehr kurzfristig mitgeteilt wurde, "ob wir fliegen müssen".

Langstreckengerät ausgeflottet

Ende Juli war bekannt geworden, dass Azur Air ab dem Winter nur noch mit einer Maschine, eben jener Boeing 737, fliegen wird. Gleichzeitig wird die Station in Berlin geschlossen - zahlreiche Mitarbeiter wurden gekündigt.

Und nicht nur die: Weil man auf die Boeing 767 (Kennung: D-AZUA) in der eigenen Flotte verzichtete, mussten rund 60 Flugbegleiter und alle Piloten gehen, die kein Rating für die verbliebene Uniform-Golf hätten. Ohne Boeing 767 kann die deutsche Airline keine Langstreckenverbindungen mehr anbieten wie noch im vergangenen Winter.

Das ist Azur Air

Azur Air Germany wurde 2016 als Bedarfsflieger für den neuen Reiseveranstalter Anex Tour gegründet und nahm im Sommer 2017 den Betrieb auf. Geplant war ein Wachstum auf bis zu sieben Flugzeuge in diesem Jahr mit einem zusätzlichen Langstreckenangebot Richtung Asien. Zuletzt hatte Anex Tour angekündigt, im Winter auch andere Charter-Carrier für sein Programm einzusetzen.

Erst in der vergangenen Woche kündigte die deutsche Small Planet die Insolvenz an. Dies entfachte eine Debatte über die Schwierigkeiten der deutschen Ferienflieger:

Montage © airliners.de, AirTeamImages.com, Daniela H. / Fotolia Lesen Sie auch: Airline-Pleite entfacht Charter-Debatte

Von: cs
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