Ethiopian-Zwischenbericht bringt Boeing in Erklärungsnot

05.04.2019 - 09:16 0 Kommentare

Die äthiopische Luftfahrtbehörde hat am Freitag den Zwischenbericht zum Absturz der Ethiopian Boeing 737 Max veröffenticht. Die Daten zeigen ein MCAS-Versagen. Das gesteht nun auch Boeing ein - und findet ein weiteres Problem.

Seite aus dem ersten Zwischenbericht zum Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines. - © © ECAA -

Seite aus dem ersten Zwischenbericht zum Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines. © ECAA

Die äthiopische Civil Aviation Authority (ECAA) hat den Zwischenbericht zum Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines veröffentlicht. Nachdem das Verkehrsministerium am Donnerstag bereits die wesentlichen Erkenntnisse daraus präsentiert hat, sind die vorläufigen Ergebnisse der Flugunfalluntersuchungen nun in Gänze online abrufbar.

Demnach wich der Wert des linken Angle-of-Attac-Sensors kurz nach dem Abheben von den Werten des rechten Sensors ab und erreichte 74,5 Grad. Auf Strömngsabriss-Warnhinweise hin deaktivierten die Piloten den Autopiloten und gingen Checklisten durch. Dennoch zeichnete der Flugdatenrekorder vier weitere automatische Trimmbefehle auf - obwohl die Besatzung wie von Boeing vorgegeben den elektrischen manuellen Trimm als Gegenmaßnahme für die automatische Trimmung verwendete.

Eine Grafik in dem 33-seitigen Dokument zeigt die automatischen und die manuellen Trimmvorgänge während des kurzen Unglücksflugs sowie manuelle Steuerversuche der Crew :

Daten des Flightrecorders aus dem abgestürzten Ethiopian-Airlines-Flugzeug zeigen die Trimmprobleme bei der Boeing 737 Max 8, nachdem ein "Angle of Attac"-Sensor falsche Daten liefert. (Hier zur Großversion) Foto: © ECAA

FAA und Boeing arbeiten an weiterem Software-Problem

Nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts zum Boeing-Absturz in Äthiopien hat der US-Flugzeugbauer Boeing einen weiteren Softwarefehler im Flugzeugtyp 737 Max eingeräumt.

Es handle sich um ein "Element der Software, das korrigiert werden muss", sagte am Donnerstag ein Sprecher des Flugzeugbauers. Es bestehe keinerlei Verbindung zum Trimmsystem MCAS, versicherte der Sprecher. Boeing habe bereits "die Lösung" gefunden.

Das Trimmsystem MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) steht im Verdacht, für den Absturz in Äthiopien und den im Oktober in Indonesien verantwortlich zu sein.

Am 10. März war eine 737 Max 8 der Ethiopian Airlines kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt, alle 157 Menschen an Bord kamen ums Leben. Im Oktober verunglückte eine Lion-Air-Maschine des gleichen Typs vor der indonesischen Insel Java, alle 189 Insassen starben.

Nach diesen beiden Abstürzen müssen die Maschinen des Typs am Boden bleiben. Boeing arbeitet an einem Softwareupdate, das die US-Luftfahrtbehörde FAA genehmigen muss. Sie hatte vor wenigen Tagen erst Nachbesserungen an einem ersten Update gefordert.

© dpa, Mulugeta Ayene/AP Lesen Sie auch: FAA nimmt 737-Max-Softwareupdate nicht ab

Zuvor hatte die "Washington Post" berichtet, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA das neue Problem beanstandet habe. Solange es nicht gelöst sei, werde das Startverbot für Boeings Unglücksflieger der 737-Max-Serie nicht aufgehoben.

Die Zeitung schrieb unter Berufung auf zwei mit der FAA-Untersuchung vertraute Quellen, dass das Problem als entscheidend für die Flugsicherheit eingestuft werde. Boeing bezeichnete es indes als "relativ geringfügige Angelegenheit", die zusammen mit dem MCAS-Update adressiert werde.

Boeing-Chef bestätigt MCAS-Fehler

Zuvor hatte Boeing-Vorstandschef Dennis Muilenburg so deutlich wie noch nie Probleme mit der Steuerungssoftware MCAS eingeräumt. Es scheine nach dem vorläufigen Ermittlungsbericht zum Absturz in Äthiopien, als ob das Programm durch falsche Sensordaten unnötigerweise eingeschaltet worden sei, sagte Muilenburg am Donnerstag in einer Videobotschaft. Damit wird die Theorie, dass ein Softwarefehler die Maschine Richtung Boden lenkte, von oberster Konzernstelle gestützt.

Von: dh mit AFP, dpa
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