Hintergrund

"Weißwurst mit Brezel toppt alles" im Frankfurter VIP-Bereich

13.07.2017 - 09:42 0 Kommentare

Prominent muss man nicht sein, um reinzukommen: der VIP-Bereich am Flughafen Frankfurt - entspanntes Warten und exklusives Boarding inklusive. Dabei sind die meisten Kundenwünsche gar nicht so extravagant.

Essen in der VIP-Lounge des Frankfurter Flughafen: Weißwürste und Brezeln.

Essen in der VIP-Lounge des Frankfurter Flughafen: Weißwürste und Brezeln.
© dpa - Arne Dedert

Die VIP-Lounge am Frankfurter Flughafen ist vor einem halben Jahr eröffnet worden.

Die VIP-Lounge am Frankfurter Flughafen ist vor einem halben Jahr eröffnet worden.
© dpa - Arne Dedert

Betriebsleiter Sebastian Thurau und VIP-Serivce-Leiterin Nicole Ebner am Eingang der VIP-Lounge am Flughafen Frankfurt.

Betriebsleiter Sebastian Thurau und VIP-Serivce-Leiterin Nicole Ebner am Eingang der VIP-Lounge am Flughafen Frankfurt.
© dpa - Arne Dedert

Von den Zimmern der Lounge hat man einen direkten Blick aufs Vorfeld.

Von den Zimmern der Lounge hat man einen direkten Blick aufs Vorfeld.
© dpa - Arne Desert

In der VIP-Lounge am Frankfurter Flughafen gibt es für Passagiere Champagner anstatt des üblichen Reisestresses.

In der VIP-Lounge am Frankfurter Flughafen gibt es für Passagiere Champagner anstatt des üblichen Reisestresses.
© dpa - Arne Dedert

Auch exklusive Kundenwünsche werden erfüllt, wie hier: Schokolade aus Kamelmilch.

Auch exklusive Kundenwünsche werden erfüllt, wie hier: Schokolade aus Kamelmilch.
© dpa - Arne Dedert

Essen in der VIP-Lounge: "Weißwurst mit Brezel toppt alles."

Essen in der VIP-Lounge: "Weißwurst mit Brezel toppt alles."
© dpa - Arne Dedert

Tor 13 am Terminal 1 des Frankfurter Flughafens wirkt eher funktional als einladend. Doch für Reisende, die sich an der Klingelsäule als Kunden der VIP-Services ausweisen, ist es gewissermaßen der letzte Blick auf glanzloses Ambiente. Etwa 100 Meter weiter ist bereits der rote Teppich ausgerollt.

Die Gäste des VIP-Services bekommen vom Reisestress im Terminal nichts mit. "Bei uns ist es so, dass man eigentlich keinerlei Terminalkontakt hat", sagt Nicole Ebner, Leiterin des Bereichs VIP-Services und Protokoll der Flughafen-Betreibergesellschaft Fraport.

Stattdessen können die Gäste im Loungesessel Zeitung lesen, Kaffee oder Champagner trinken, in Ruhe telefonieren. Mitarbeiter organisieren die Gepäckabgabe und Bordkarte, anschließend werden die Reisenden von einem Chauffeur in einer Limousine aus dem Fuhrpark der VIP-Services direkt zum Flieger gebracht.

Persönlicher Betreuer für jeden Gast

"Die Gäste können sich aussuchen, ob sie zuerst oder zuletzt einsteigen möchten", erklärt die Protokollchefin. "Manche wollen zuerst da sein und andere als letzte an Bord gehen." Die einen seien sehr diskret und reisten zwar mit VIP-Status, wollten das aber nicht offenkundig machen, andere legten Wert auf ihren großen Auftritt.

Jeder Kunde der vor etwa einem halben Jahr eröffneten VIP Lounge erhält einen persönlichen Betreuer, der im Hintergrund alles für den Gast erledigen. Nur durch die Sicherheitskontrolle muss der Passagier selbst gehen - wobei sogar Metalldetektor und Passkontrolle im VIP-Sektor sind.

Von der Lounge aus hat man einen direkten Blick aufs Vorfeld. Foto: © dpa, Arne Dedert

Das Grundangebot kostet so viel wie mancher Kurzurlaub: Betreuung, Lounge-Zugang und Limousine zum Flugzeug sind für 330 Euro für an- oder abfliegende Reisende zu haben. Transitpassagiere zahlen 340 Euro. Ein Aufenthalt in einer individuell gestalteten Privat-Suite kann hinzugebucht werden, ebenso Pauschalen mit Suitennutzung. Die Tagespauschale für eine Privatsuite liegt laut Listenpreis zwischen 500 und 2000 Euro - hinzu kommen Angebote auf Nachfrage.

"Einen eigenen Koch gibt es noch nicht", sagt Alexander Neuburger, der Geschäftsführer der Catering GmbH, die für die kulinarische Betreuung der VIP-Lounge-Gäste zuständig ist. Für besondere Veranstaltungen oder Wünsche könne aber in Zusammenarbeit mit verschiedenen Restaurants ein Koch organisiert werden.

Bodenständige Wünsche

Allerdings sei man im Sicherheitsbereich, sagt Neuburger. Lieferungen von außen müssten kontrolliert werden, Rücksprachen mit den Sicherheitsdiensten seien etwa notwendig, "wenn wir einen Koch mit Messern dabei haben".

Für zahlreiche VIP-Gäste braucht es gar keinen Kaviar oder andere besondere Spezialitäten, sie äußern eher bodenständige Wünsche. "Viele unserer Gäste freuen sich wirklich, wenn es was Einfaches gibt", sagt Sebastian Thurau, Betriebsleiter der VIP-Lounge. "Kartoffelsalat und Frankfurter Würstchen - das ist ein Kassenschlager." Ebner ergänzt: "Weißwurst mit Brezel toppt alles."

Essen in der VIP-Lounge: "Weißwurst mit Brezel toppt alles." Foto: © dpa, Arne Dedert

Wer nun neugierig auf weitere Informationen ist, wird enttäuscht - Diskretion ist für die Mitarbeiter der VIP-Lounge Ehrensache. "Ungefähr 25 Prozent unserer Kundschaft kommen aus dem sogenannten protokollarischen Bereich", sagt Ebner. "Das heißt, es sind Diplomaten, Minister, Staatsoberhäupter, königliche Hoheiten." Dass die Geschäfts- und Privatreisenden, unter denen auch Besucher aus China, den Golfstaaten, Russland und Zentralasien stark vertreten sind, eher betucht sind, versteht sich von selbst.

Auch wenn die Mitarbeiter des VIP-Service äußerst zurückhaltend mit Angaben zu Kunden sind - in den Büroräumen liegen Lifestyle- und Promi-Magazine aus. Sie sind gewissermaßen Bildungslektüre, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Wenn jemand gerade frisch getrennt ist, kann man ja nicht fragen: Wie geht es Ihrer Frau?

Nicole Ebner, Leiterin des Bereichs VIP-Services und Protokoll

Die VIP-Betreuer haben vor ihrem ersten Einsatz in der Regel eine dreimonatige Schulung durchlaufen. Viele von ihnen haben vorher in einem Hotel, in der Gastronomie oder bei einer Airline gearbeitet.

Sprachkenntnisse sind ganz wichtig

Bei Bewerbungsgesprächen werde auf eine offene und kontaktfreudige Art Wert gelegt, sagt Ebner. "Und da wir hier auch viele prominente Gäste haben, ist es wichtig, dass man ein gewisses Selbstbewusstsein hat." Kein VIP-Betreuer dürfe beim Anblick eines Stars nervös werden.

Ganz wichtig seien Sprachkenntnisse - gerade mit Arabisch, Chinesisch oder Russisch lasse sich punkten, sagt Ebner. Zudem müssten die besondere Flughafen-Sprache und die Prozesse am Airport bekannt sein. Und gelegentlich ist Nervenstärke gefragt, denn mit der Pünktlichkeit nehmen es nicht alle Kunden genau. Sie sollten eigentlich eine Stunde vorher eintreffen, weil sie noch durch die Sicherheitskontrolle müssen. "Wir haben aber auch Gäste, die pokern da ziemlich hoch und kommen eine Viertelstunde vor Abflug."

Von: Eva Krafczyk , dpa, cs
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