Interview

"Der Luftverkehr stößt an Grenzen der Infrastruktur"

30.08.2018 - 07:03 0 Kommentare

BDL-Hauptgeschäftsführer von Randow verlängert seinen Vertrag bis 2024. Im airliners.de-Interview spricht er über seine Ziele, formuliert Forderungen an die Politik und erklärt, warum es richtig war den BDL zu gründen.

Matthias von Randow - © © dpa - Stephanie Pilick

Matthias von Randow © dpa /Stephanie Pilick

Mathias von Randow steht seit 2011 als Hauptgeschäftsführer an der Spitze des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Vergangene Woche wurde bekannt, dass sein Vertrag vorzeitig verlängert wurde - bis Juni 2024. airliners.de hat mit dem früheren Staatssekretär im Verkehrsministerium über die Entwicklung des BDL in den letzten Jahren, die Themen der Zukunft und seine Ziele gesprochen.

airliners.de: Herr von Randow, Sie sind seit 2011 beim BDL. Was hat der Verband in dieser Zeit für die Branche erreicht?
Es war eine gute Idee, dass die Unternehmen des deutschen Luftverkehrs 2010 beschlossen haben, mit Gründung des BDL im politisch-öffentlichen Raum künftig gemeinsam aufzutreten und für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen der Luftverkehrswirtschaft zu werben. Das war dringend erforderlich.

Warum?
Die Politik hatte zwar in den 90er Jahren die völlig richtige Entscheidung getroffen, den Luftverkehr in einen echten Wettbewerbsmarkt zu überführen. Aber das Problem war: Man hat dann versäumt, eine ganz entscheidende Schlussfolgerung zu ziehen: nämlich, wenn man Unternehmen in einen internationalen Wettbewerbsmarkt überführt, dass man sich dann bei gesetzlichen Auflagen vor nationalen und europäischen Alleingängen hüten muss. Ansonsten beschädigt man massiv die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Unternehmen.

Und daran haben Sie etwas geändert?
Genau da sehe ich den bisher größten Erfolg des BDL: Es ist gelungen, genau diesen Zusammenhang einem sehr viel größeren Kreis von politischen Entscheidern nahe zu bringen. Da ging es darum, vor allem plausibel zu erklären, wie internationaler Luftverkehr eigentlich funktioniert, und das mit nachvollziehbaren Fakten, schlüssigen Argumenten und mit einer gemeinsam getragenen Kommunikation.

Der Verband

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) vertritt seit seiner Gründung 2010 die Interessen der deutschen Luftverkehrswirtschaft nach außen. Der Verband sitzt in Berlin. Mitglieder sind unter anderem Airlines wie Condor, Lufthansa, Tuifly, DHL, sowie zahlreiche deutsche Airports, wie Köln/Bonn, Berlin und Frankfurt.

Auslöser der BDL-Gründung war ja die Luftverkehrsteuer. Trotzdem ist sie nach über sieben Jahren immer noch da. Sehen Sie bei dem Thema trotzdem Fortschritte?
Ja. 2010 hatte die damalige Regierungskoalition noch die ökonomisch und ordnungspolitisch schädliche Einführung der Luftverkehrsteuer beschlossen. Aber bereits in der letzten Legislatur hat sich die Bundesregierung an den Abbau nationaler Sonderlasten gemacht: mit einer strukturellen Übernahme von Kostenbestandteilen der Flugsicherung in die staatliche Finanzierung. Das waren im Jahr 2017 immerhin 200 Millionen Euro. Und im neuen Koalitionsvertrag heißt es wörtlich, dass faire Rahmenbedingungen durch die Entlastung unserer Flughäfen und Fluggesellschaften von einseitigen nationalen Kosten erreicht werden sollen. Insofern sehe ich Fortschritte.

Wie offen ist die aktuelle Bundesregierung für die Belange der Luftfahrt-Branche? Bei welchen Themen zeichnet sich Bewegung ab?
Für uns alle, die wir in der Interessenvertretung von Wirtschaftsunternehmen stehen, ist es immer gut, sich nicht als Nabel der Welt zu begreifen. Umso mehr freuen wir uns aber natürlich, dass wir in Regierung und Parlament stets ein offenes Ohr finden. Und weil Sie nach Erfolgsaussichten unserer Anliegen fragen: Im Koalitionsvertrag sind viele der wichtigen und wünschenswerten Vorhaben festgelegt. Ich nenne nur die Themen effizientere Sicherheitskontrollen, Abbau nationaler Sonderlasten, Unterstützung des internationalen Klimaschutzinstruments Corsia. Wenn diese Absichtserklärungen von der Koalition auch tatsächlich umgesetzt werden, dann ist das ein großer Fortschritt.

Welche anderen Themen stehen für den BDL derzeit im Fokus?
Das erste Halbjahr 2018 hat einer breiten Öffentlichkeit vor Augen geführt, was schon länger absehbar ist: Der Luftverkehr stößt im Zuge des Wachstums an strukturelle Grenzen der Luftverkehrsinfrastruktur - und zwar boden- und luftseitig. Klar: Für Verspätungen und gecancelte Flüge gab es auch saisonale Gründe - etwa Streiks, Schlechtwetterlagen und die enorme Herausforderung, die mit der Airberlin-Insolvenz weggebrochene Kapazität rasch wieder aufzubauen. Aber es gibt eben auch die strukturellen Herausforderungen: Das ist zum einen der inzwischen massive Kapazitätsengpass im europäischen Flugsicherungsraum. Hier muss die Zersplitterung überwunden werden und es müssen auch viel mehr der heute möglichen technischen Innovationen zum Einsatz kommen. Darüber hinaus sollte Flughafeninfrastruktur bedarfsgerecht ausgebaut werden. Ein weiterer Engpass sind die wichtigen und notwendigen Luftsicherheitskontrollen. Hier muss vor allem Deutschland viel mehr tun, um eine effizientere Abwicklung zu ermöglichen. Im europäischen Ausland ist man da bereits viel weiter.

In der Diskussion um Flugstreichungen und Kapazitätsengpässe wurde auch kritisiert, dass der zunehmende Flugverkehr die Umwelt immer stärker belastet. Lassen sich Luftverkehrswachstum und Klima- und Lärmschutz miteinander vereinbaren?
Wenn man einmal davon absieht, dass Sicherheit beim Fliegen für uns alle die allerhöchste Priorität hat, dann sind Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit die beiden größten Herausforderungen für den Luftverkehr. Den heute größten Hebel beim Klima- und Lärmschutz bilden Investitionen in moderne Flugzeuge, die bis zu 25 Prozent Kerosin einsparen und auch deutlich leiser fliegen. Dazu brauchen die Unternehmen keinen Gesetzgeber, denn diese Innovationen erwachsen auch aus einem ureigenen wirtschaftlichen Interesse: Treibstoffkosten machen rund ein Drittel der Betriebskosten einer Fluggesellschaft aus, das heißt jede Steigerung der Energieeffizienz rechnet sich unmittelbar für das Unternehmen.

Jetzt wurde ihr Vertrag vorzeitig bis 2024 verlängert. Was wollen Sie in dieser Zeit erreichen?
Meine Shareholder haben eine klare Erwartung an mich: den Laden zusammenhalten und für eine glaubwürdige und überzeugende Kommunikation unserer Anliegen im politisch-öffentlichen Raum sorgen. Dafür stehe ich. Dafür bekomme ich viel Unterstützung meines Präsidiums. Deswegen erreichen wir auch Ziele. Und deswegen macht die Aufgabe auch Freude!

Herr von Randow, vielen Dank für das Gespräch.

Von: br
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