Interview

"Der Luftverkehr bewegt sich mit zwei Geschwindigkeiten"

01.06.2017 - 09:31 0 Kommentare

Im Gespräch mit airliners.de spricht Dave Bakker, als Sita-Präsident für Europa zuständig, über neue Technologien an deutschen Flughäfen, Schwierigkeiten bei der Umsetzung und den "Ansatz der vielen Wege".

Dave Bakker - © © Sita -

Dave Bakker © Sita

Von fahrbaren Check-In-Automaten bis zur Gesichtserkennung: Der Dienstleister Sita entwickelt unterschiedlichste Technologien. Einige davon sind kürzlich auf dem Air Transport IT Summit des Unternehmens in Brüssel vorgestellt worden. Auf der Veranstaltung traf sich airliners.de mit Dave Bakker. Er ist als Sita-Präsident für den europäischen Markt zuständig.

airliners.de: Wie innovativ sind deutsche Flughäfen und deutsche Fluggesellschaften aus Ihrer Sicht im Vergleich zu anderen Ländern, was neue Technologien angeht?

Dave Bakker: Ich sehe auf jeden Fall, dass es in der Bundesrepublik Innovationen gibt. Zum Beispiel am Flughafen Düsseldorf: Dort haben wir schon vor einer Weile einen parkenden Roboter installiert . In Deutschland gibt es einige erfolgreiche Projekte, und ich denke, es werden noch mehr kommen.

Welche denn?

Bakker: Es gibt derzeit eine ganze Reihe von Projekten, die laufen. Wir werden das bekannt geben, wenn die entsprechenden Verträge unterschrieben sind. Was ich aber sagen kann: Es gibt einige deutsche Flughäfen und Fluggesellschaften, die starkes Interesse an zwei Sita-Technologien haben. Bei der einen handelt es sich um die biometrische Gesichtserkennung, die für den Passagier eine leichtere Reise durch den Airport möglich macht. Bei der anderen handelt es sich um unseren neuen und selbstfahrenden Check-In-Kiosk Kate.

"Kate" kehrt automatisch zu ihrer Docking-Station zurück, sobald der Akku leer ist oder das Gerät neu mit Papier für Boardingpässe oder Gepäcketiketten befüllt werden muss. Foto: © airliners.de

Wie funktioniert das Gerät?

Bakker: Die Idee hinter Kate ist: Warum soll der Passagier den Kiosk suchen müssen, wenn der Check-In-Kiosk zu ihm kommen kann? Ein Flughafen ist nicht immer an allen Stellen gleich voll. Darum werden fest installierte Kiosks mal mehr, mal weniger genutzt. Kate fährt einfach an die Stellen, wo sie gerade gebraucht wird.

Haben Sie das Gefühl, dass Flughäfen und Fluggesellschaften generell mehr in Technologie investieren?

Bakker: Ich sehe eine Industrie, die sich mit zwei verschiedenen Geschwindigkeiten bewegt. Es gibt ganz klar eine Reihe von Flughäfen und Fluggesellschaften, die bei neuen Technologien ganz vorne mit dabei sind und es als Investition sehen. Es geht dabei beispielsweise auch um neue Terminals oder modernere Flugzeuge. Beispiel München, Frankfurt oder Düsseldorf: die dortigen Airports wollen ihre Kapazitäten erweitern und sind sehr auf das Thema Passenger Experience bedacht.
Eine größere Gruppe - die der mittelgroßen Flughäfen - steht finanziell nicht so gut da. Das ist ein Fakt in der europäischen Luftverkehrsindustrie. Für sie ist es schwieriger, zu investieren. Diese Airports haben Probleme, ihre Passagieraufkommen ohne lange Schlangen abzuwickeln. Es ist aber nicht nur eine Frage des Geldes. Denn es geht auch darum, wie die Beteiligten zusammenarbeiten. Ich habe Flughäfen gesehen, an denen der Airport, Fluggesellschaften und die Regierung zusammenarbeiten, um die Reisenden möglichst gut abzufertigen. Aber das ist nicht überall der Fall.

Auf dem Air Transport IT Summit in Brüssel stellten zahlreiche Unternehmen ihre Technologien vor. Foto: © airliners.de

Welche Schwierigkeiten hat Sita bei der Einführung von neuen Technologien? Und wie werden diese gelöst?

Bakker: Fast jede Technologie erzeugt Daten. Wenn ich einen Punkt für Europa hervorheben müsste, dann diesen: Es gibt innerhalb Europas sehr viele verschiedene Gesetze, die vorgeben, wie wir Daten nutzen können und dürfen. Ich appelliere an Flughäfen, Fluggesellschaften und Regierungen, enger zusammenzuarbeiten, damit es einen einheitlicheren Weg gibt, wie wir mit Daten umgehen können.
Für viele Regierungen ist das ein schwieriges Thema. Ich verstehe das und sehe ein, dass wir mit persönlichen Daten sehr sorgfältig umgehen müssen. Aber ich verstehe nicht, warum es mit den einzelnen Ländern so schwierig ist. Wir haben alle die gleichen Ansprüche. Wenn es ein Thema gibt, bei der die Europäische Union eine führende Rolle spielen könnte und sollte, dann bei der Festlegung von einheitlichen Daten-Standards innerhalb der EU.

Und dann wäre es geschafft?

Bakker: Es gibt dann noch weitere Veränderungen, die wir angehen müssten. Es gibt immer noch Flughäfen, an denen ein Mitarbeiter den Boarding Pass abstempeln muss. Ich kann das Ticket also nicht auf meinem Smartphone nutzen. In Russland beispielsweise ist das noch der Fall. Da hat auch schon die Iata der Regierung klargemacht, dass man sich da verbessern muss.

In welchen Ländern wird am meisten Sita-Technologie eingesetzt?

Bakker: Ich finde, das ist schwer zu messen. Natürlich sind die USA einer der größten Luftverkehrsmärkte, gemessen an der Zahl der Passagiere. Aber ich kann nicht sagen, dass Amerika deswegen mehr Sita-Technologie nutzt. Es hängt immer auch davon ab, ob es Point-to-Point- oder Hub-Flüge sind. Umsteigeverbindungen sind komplexer und der Bedarf für Technologie ist höher.
Es geht einfach darum: Jeder Passagier hat ein Smartphone, mit dem er sein Leben regelt. Warum soll das am Airport oder an Bord eines Flugzeugs anders sein? Wenn mein Flug ausfällt, warum soll ich in einer Schlange anstehen, um beim Airline-Mitarbeiter am Schalter einen neuen Flug zu buchen? Ich sollte eine App nutzen können, oder noch besser: Die Airline schickt mir eine Nachricht: "Wir entschuldigen uns für den Flugausfall. Hier haben Sie ein neues Ticket", und dazu einen Kaffee-Gutschein, um die Wartezeit zu überbrücken.

In ihrem Beispiel mit dem Schalter könnte die Technologie sogar den Airline-Mitarbeiter am Schalter ersetzen.

Bakker: Wir glauben bei Sita an den "Ansatz der vielen Wege". Die Passagiere haben unterschiedliche Reisegewohnheiten und Erwartungen. Mein 76-jähriger Vater beispielsweise wird niemals einen Boarding Pass auf dem Smartphone haben. Er redet einfach viel lieber mit der netten Dame am Check-In-Schalter. Das gehört für ihn zu einer Reise dazu. Ein Geschäftsmann dagegen will einfach nur so schnell wie möglich durch den Flughafen und in seine Lounge, um die Mails zu checken. Die Annahme, dass jeder Passagier die gleichen Erwartungen an einen Flughafen hat, ist grundsätzlich falsch. Darum der "Ansatz der vielen Wege".

Von: ch
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