Hintergrund Der Kampf um die Amerika-Strecken

New York, San Francisco, Havanna oder Cu­ra­çao: Bei ihren Langstrecken bauen Air Berlin, Condor und Eurowings auf touristische Ziele auf dem amerikanischen Kontinent - genau wie die Konkurrenz.

Amerika-Ziele liegen im Trend - zum Beispiel auch San Francisco.  (Foto:

Amerika-Ziele liegen im Trend - zum Beispiel auch San Francisco. (Foto: <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/zz1029/15696209461/">"Golden Gate Bridge"</a> von <a target="_blank" href="https://www.flickr.com/photos/zz1029/">Zheng Zeng</a>, Lizenz: <a target="_blank" href="https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/">CC BY 2.0</a>) © Zheng Zeng

Amerika-Destinationen liegen im Trend - zum Beispiel bei den deutschen Fluggesellschaften Air Berlin, Condor und Eurowings. Das zeigen zahlreiche Mitteilungen der genannten Unternehmen, die sich auf die Netzwerkplanung beziehen. Warum ist der amerikanische Kontinent aus Airline-Sicht so interessant?

"Das LTU-Erbe über den Atlantik ist etwas, worauf wir bauen können", sagt Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Dazu kommt: "Der am stärksten umkämpfte Markt im Langstreckenverkehr ist der zwischen Europa und Südostasien." Auf diesen Strecken "ist der Preiskampf mit den Zielgebietscarriern, Turkish Airlines und den Golf-Carriern knallhart", so der Manager.

Strecken mit Wachstumspotential

Eine Alternative wäre Afrika. Aber auch dort hätten sich bereits die Golf-Airlines breitgemacht, sagt Luftfahrt-Professor Christoph Brützel im Gespräch mit airliners.de. Bleibt also Amerika.

Der Run auf die Nordatlantikstrecken beziehe sich auf touristische Ziele, also Destinationen, die nicht von Netzcarriern bedient würden, so Brützel. "Die Netzcarrier haben sich auf Flughäfen konzentriert, an denen ebenfalls Netzcarrier beheimatet waren", um Umsteigeflüge zu ermöglichen.

Marktanteile bei Flügen von Deutschland nach Nordamerika
in Prozent
Lufthansa 45
United 13
Air Berlin 13
Condor 8
Air Canada 7
Delta 6
American 4
Eurowings 3
Singapore 1

Marktanteile von Airlines bei Flügen von Deutschland nach Nordamerika. Als Referenz dienen die angebotenen Sitzplatzkapazitäten. Angaben gerundet. Quelle: CH Aviation, Stand 20. Juli 2017

"Auf den touristischen Strecken gab es eine Lücke für Ferienflieger", so der Professor. Insbesondere Condor habe damit bisher gut leben können, da kaum Konkurrenz drohte. Auf den klassischen Nordatlantikrouten der Netzcarrier gibt es laut Brützel inzwischen Überkapazitäten und es herrscht ein harter Wettbewerb. "Die touristischen Warmwassermärkte bieten noch Wachstumspotential."

Amerika-Strecken als Teil der Neu-Ausrichtung

Ein Potential, dass offensichtlich mehrere Unternehmen erkannt haben - zum Beispiel die Lufthansa Group. Für deren Billigtochter Eurowings machen schon jetzt die Amerika-Strecken mehr als zwei Drittel des Langstreckengeschäftes aus. Vor Kurzem hat die Airline ihr Amerika-Programm ab Köln/Bonn erweitert - und im kommenden Sommer soll auch die neue Langstreckenbasis in München mit Destinationen aus diesem Gebiet verbunden werden.

Aber auch Air Berlin setzt auf dieses Zielgebiet. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Umbaumaßnahmen, mit der die finanziell angeschlagene Fluglinie wieder auf Kurs kommen möchte. Darum wurden auch schon in diesem Jahr mehrere Strecken aufgenommen. Einige dieser Verbindungen sollen auch im kommenden Winterflugplan angeboten werden, außerdem hat die Airline Frequenzerweiterungen angekündigt und kürzlich einen neuen US-Partner gefunden.

Amerika-Trend macht sich in Düsseldorf bemerkbar

Der Flughafen Düsseldorf beobachtet einen Trend zu Nordamerika-Flügen. Dies gelte sowohl bei Geschäftsleuten als auch bei Urlaubern, so der Airport. "Bereits 2016 flogen mit fast 1,3 Millionen Menschen so viele Passagiere von Düsseldorf von und nach Amerika wie nie zuvor. Dies ist eine Wachstumsrate von rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr", heißt es in einer Mitteilung. Der Airport Düsseldorf ist eines von zwei Drehkreuzen der Air Berlin.

Am Flughafen Düsseldorf stehen Maschinen verschiedener Fluggesellschaften. Foto: © dpa, Federico Gambarini

Neben Air Berlin und Eurowings spielt aus deutscher Sicht auch die bereits erwähnte Condor mit. Die Fluggesellschaft hat erst kürzlich wieder neue Amerika-Strecken ab Frankfurt und München gestartet und bereits neue Ziele für den kommenden Sommer angekündigt.

Mit Wow Air über Island nach Amerika

Aber auch andere europäische Konkurrenten setzen auf den amerikanischen Markt: Zum Beispiel Level, der neue Billigflieger der International Airlines Group (IAG). Oder Wow Air. Die Airline bringt deutsche Passagiere über den Airport Reykjavik/Keflavík nach Amerika. Wow Air nutzt auf diesen Langstrecken aber keine klassische Langstreckenflugzeuge, sondern aufgerüstete Mittelstreckenjets des Typs Airbus A321.

Norwegian hat eine ähnliche Strategie: Der Low-Cost-Carrier schickt bei Amerika-Flügen aus Irland, Großbritannien und Norwegen auch Maschinen des Typs Boeing 737 und 737 MAX auf die Reise. Der Vorteil: kleinere Maschinen sind leichter vollzubekommen.

© Romtomtom, Lesen Sie auch: Deutsche Airlines setzen auf Kuba

Luftfahrt-Professor Christoph Brützel ist sich sicher: "Bei dem aktuellen Run auf der touristischen Amerika-Langstrecke werden die Preise sehr schnell in den Keller purzeln." Dies werde vor allem Condor treffen. Denn die die touristischen Langstreckenziele gehörten zu den besten Märkten der Airline, so Brützel.

Von: ch

Datum: 09.08.2017 - 11:50

Adresse: http://www.airliners.de/der-kampf-amerika-strecken-hintergrund/41993