Der Freischwimmer - Berlins Flughafenchef eckt an

27.02.2017 - 10:49 0 Kommentare

BER-Chef Karsten Mühlenfeld ist ein erfahrener Manager aus der Industrie - doch an der politisch kontrollierten Dauerbaustelle gelten andere Gesetze. Der Ingenieur ist kein Diplomat.

Berlins Flughafenchef Karsten Mühlenfeld - © © dpa - Bernd Settnik

Berlins Flughafenchef Karsten Mühlenfeld © dpa /Bernd Settnik

Karsten Mühlenfeld ist kein Mann des großen Auftritts. Macht er von seinem Büro aus einen Abstecher in das in die Jahre gekommene Terminal, streift der Flughafenchef durch die Gänge, ohne dass jemand sonderlich Notiz von ihm nimmt. Der Mittfünfziger mit dem Bürstenschnitt ist niemand, vor dem sich die Wogen teilen.

Der Ingenieur ist aber auch keiner, der gut Wogen glätten kann. Mühlenfeld ist kein Diplomat, und das hat ihn am politisch umkämpften Projekt neuer Hauptstadtflughafen in erhebliche Turbulenzen gebracht. Weil er auf der Baustelle den Bauleiter rauswarf, offenbar gegen den Wunsch der Eigentümer, steht Mühlenfeld mit dem Rücken zur Wand. Es ist nicht das erste Mal.

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"Ich habe nie gesagt, dass es leicht werden wird", sagte er einmal, nachdem er vor knapp zwei Jahren den Chefposten in Schönefeld übernommen hatte. Er war Werksleiter bei Rolls Royce im brandenburgischen Dahlewitz gewesen.

Auch in einem privaten Unternehmen redeten einem Gesellschafter und Aufsichtsräte rein, berichtete Mühlenfeld einmal. Aber in Schönefeld musste er schnell lernen, dass er dort noch weniger frei walten kann. Im Aufsichtsrat sitzen viele Politiker, Eigentümer sind zwei Länder und der Bund. "Irgendwo ist immer Wahlkampf", seufzte schon Mühlenfeld-Vorgänger Hartmut Mehdorn, wenn sich wieder Politiker auf Kosten des BER zu profilieren suchten.

Mühlenfeld verstört unfreiwillig

Mehdorn schaltete dann auf Attacke, Mühlenfeld setzt eher die Scheuklappen auf und zieht sein Ding durch. Einen Bauleiter für den neuen Flughafen einzustellen oder entlassen, das ist formal Sache der Geschäftsführung, nicht des Aufsichtsrats. Also hat der Flughafenchef es gemacht, Jörg Marks entlassen und Christoph Bretschneider angeheuert, ohne sich um Bedenken der Kontrolleure zu scheren.

Wo Mehdorn gezielt provozierte, verstört Mühlenfeld unfreiwillig. Bei öffentlichen Auftritten wirkt er unbekümmert, ja leichtfüßig. "In Berlin ist man immer so hypernervös", meint der 53-Jährige. Doch von nonchalant zu nassforsch ist der Weg bei ihm nicht weit - der Mann ist eben selbst Berliner.

Geboren 1963 im Westteil der Stadt, schloss Mühlenfeld auch Schule und Studium in seiner Heimatstadt ab. Dass er dann aus beruflichen Gründen in die Nähe von München zog, sei kein schweres Zugeständnis gewesen, betont Mühlenfeld - weil die Rückkehr absehbar war: der Umzug der Rolls-Royce-Entwicklungssparte nach Dahlewitz.

Mühlenfeld, der Mann vom Berliner Stadtrand, braucht den Gegensatz zwischen Metropole und ländlicher Abgeschiedenheit, wie der zweifache Vater einmal sagte. Menschenaufläufe seien nicht seine Sache. Der Mann braucht Bewegungsfreiheit.

Von der Politik in den Rücken gefallen

Am BER gibt es davon nicht viel. Da passiert es, dass der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), bei einer Parteiveranstaltung die Flughafen-Eröffnung 2017 abbläst - an der der Geschäftsführer bis dahin festhielt.

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Man kann die neue Personalie Marks/Bretschneider als einen weiteren Versuch sehen, sich freizuschwimmen. So wie auch vor einem Jahr beim Rauswurf seines Kommunikationschefs, den ihm Müller ins Haus gebracht hatte. Doch dieses Mal ist der Schaden groß, schon werden Gerüchte gestreut, es werde einen Nachfolger für Mühlenfeld gesucht.

Besonders scharf schießt der CDU/CSU-geführte Bund, der Mühlenfeld - den Kandidaten der SPD-regierten Länder Berlin und Brandenburg - von Anfang nicht unterstützt hat. Und der im Streit um das Regierungsterminal schon einmal eine Sondersitzung anstrengte, in der der Aufsichtsrat Mühlenfeld einnorden sollte. "Ich bekomme schon genug Prügel", stöhnt Mühlenfeld damals.

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Von: Von Burkhard Fraune, dpa
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