Porträt Vom Deichgrafen zum Superschlichter: Platzeck befriedet Lufthansa

06.07.2016 - 13:05 0 Kommentare

Matthias Platzeck hat in seiner Politkarriere viele Höhen und Tiefen erlebt. Als Schlichter agiert der Brandenburger aber ausnahmslos erfolgreich. Nach der Bahn hat er nun auch die Lufthansa befriedet - dort gäbe es auch noch einen weiteren Job für Platzeck.

War früher Brandenburgs Ministerpräsident: Matthias Platzeck. - © © dpa - Karlheinz Schindler

War früher Brandenburgs Ministerpräsident: Matthias Platzeck. © dpa /Karlheinz Schindler

Seine Expertise zu Flughäfen mag umstritten sein, doch bei der Lufthansa hat Matthias Platzeck als Schlichter eine Punktlandung hingelegt. Der frühere SPD-Chef und Ministerpräsident von Brandenburg hat es nach einem halben Jahr harter Arbeit geschafft, den extrem kleinteiligen Tarifstreit zwischen Unternehmen und Kabinengewerkschaft Ufo beizulegen.

Beide Seiten überschütteten ihren Vermittler mit Lob: "Platzeck ist der Kunstgriff gelungen, unsere unterschiedlichen Interessen auf bestmögliche Art zu verheiraten: Lufthansa bekommt wirtschaftliche und politische Sicherheit, ohne dem einzelnen Mitarbeiter an irgendeiner Stelle etwas wegzunehmen", betonte Ufo-Verhandlungsführer Nicoley Baublies. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte den Kompromiss gelobt, dem beide Seiten die Schulnote "befriedigend" geben könnten. "Platzeck wusste, dass er sehr genau die Mitte ansteuern musste, und hat es klug getan."

Auch bei der Bahn erfolgreich

Der frühere "Deichgraf" der Oderflut 1997 und eher glücklose Ex-Chefaufseher des Berlin-Brandenburger Flughafens ist damit im Alter von 62 Jahren zum Superschlichter aufgestiegen. Platzeck gefällt die Rolle sichtlich: "Wenn man so was macht, muss man Freude an ein bisschen Spannung haben, und Freude am Problem, und wenn man das hat, ist das auch 'ne schöne Sache, dabei zu sein." Im vergangenen Jahr hatte er bereits gemeinsam mit dem Linken-Politiker Bodo Ramelow den ebenso tiefsitzenden Zwist zwischen der Bahn und ihrer Lokführergewerkschaft GDL beendet.

Es sei sehr typisch für Platzeck, die jeweiligen Interessenlagen der Tarifpartner sehr genau herauszuarbeiten, sagt Ufo-Gewerkschafter Baublies. "Er hört sehr gut zu und erklärt dann der Gegenseite die Interessenlage, ohne sie sich zu eigen zu machen." Platzeck sei in der Lufthansa-Schlichtung nie als Ober-Experte aufgetreten, habe sich vielmehr zurückgenommen und zunächst vor allem für klare Strukturen und Disziplin gesorgt. Die Lösungen für die zahlreichen Probleme hätten Lufthansa und Ufo dann unter Platzecks Druck letztlich selbst erarbeitet.

Konflikt zwischen Lufthansa und Piloten ist noch offen

Die Fronten im Lufthansa-Konflikt waren zu Beginn der Platzeck- Schlichtung im Januar extrem verhärtet. Schließlich hatte die einstmals als zahnlos geltende Ufo im November 2015 den härtesten Einzelstreik in der Geschichte der Lufthansa organisiert. Rund 4700 Flüge fielen aus und der Kranich-Linie entstand ein Millionen-Schaden.

Beim Lokführerstreik im vergangenen Jahr hatten der hitzige GDL-Chef Claus Weselsky und sein Bahn-Gegenüber Ulrich Weber bereits etliche Verhandlungs- und Streikrunden hinter sich, als die Schlichter eingriffen. "Wenn sie über den Tisch eine Glühbirne zwischen die Verhandlungspartner gehängt hätten, die hätte geleuchtet", hatte Platzeck über die Gespräche berichtet.

© dpa, Britta Pedersen Lesen Sie auch: Lufthansa-Flugbegleiter bekommen mehr Geld und Extra-Ausbildung

Im Kern ging es darum, dass die GDL eigene Tarifverträge für das gesamte Zugpersonal verlangte und letztlich auch erhielt. Doch auch die Bahn erreichte ihr Ziel, dass die neuen Verträge inhaltsgleich zu denen mit der Konkurrenzgewerkschaft EVG gestaltet wurden. Nur so konnte sie einen gewerkschaftlichen Überbietungskampf um die besseren Arbeitsbedingungen und Gehälter im Unternehmen verhindern.

Das nächste Mandat für den Superschlichter Platzeck könnte noch einmal bei der Lufthansa warten, die auch nach 13 Streikrunden immer noch mit ihren Piloten über den Konzerntarifvertrag und die unternehmerische Zukunft des Konzerns streitet. Bis Ende Juli wird mit der Vereinigung Cockpit (VC) sondiert, danach soll es laut Spohr wieder in den Verhandlungsmodus gehen.

Von: ch, dpa
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