Porträt Der "Deichgraf" wird wieder als Krisenmanager gebraucht

19.01.2016 - 15:49 0 Kommentare

Matthias Platzeck soll den Konflikt zwischen der Lufthansa und ihren Flugbegleitern entschärfen. Damit ist der 62-Jährige - dessen Name mit den unzähligen Pannen am bis heute nicht eröffneten Flughafen BER verbunden ist - zum zweiten Mal Schlichter in einem Tarifstreit.

War früher Brandenburgs Ministerpräsident: Matthias Platzeck. - © © dpa - Karlheinz Schindler

War früher Brandenburgs Ministerpräsident: Matthias Platzeck. © dpa /Karlheinz Schindler

Früher war er der Mann fürs Wasser, zuletzt der Mann für die Schiene - und jetzt wird er womöglich der Mann für die Luft: Der als erfolgreicher Krisenmanager bei der Oderflut 1997 zum "Deichgraf" und zur politischen Berühmtheit gewordene Matthias Platzeck soll nach seinem Erfolg als Schlichter bei der Deutschen Bahn nun auch den Streit zwischen der Lufthansa und deren Flugbegleitern lösen.

Manches dürfte dem 62-jährigen Platzeck bei diesem Tarifstreit bekannt vorkommen: von dem Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn, den er zusammen mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) im Sommer 2015 schlichtete. Wieder streitet eine kleine Gewerkschaft mit einem großen Konzern, die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat sogar noch weniger Mitglieder als die Lokführergewerkschaft GDL. Und wieder führte dies schon zu massiven Folgen für die Passagiere. Ufo bescherte der Lufthansa den größten Streik ihrer Unternehmensgeschichte mit 550.000 betroffenen Passagieren.

20 Jahre Geschicke Brandenburgs mitgeprägt

Platzeck hat quasi als politischer Frührentner die Zeit, sich in solche verfahrenen Situationen einzuarbeiten. Im Sommer 2013 beendete er seine politische Karriere frühzeitig. Gesundheitliche Probleme zwangen den SPD-Politiker, der mehr als 20 Jahre die Geschicke Brandenburgs mitgeprägt hatte, zum vorzeitigen Rückzug.

Hinter Platzeck lag damals eine wechselvolle Karriere. 1988 gehörte er zu DDR-Zeiten in Potsdam zu den Gründungsmitgliedern der oppositionellen Arbeitsgemeinschaft für Umweltschutz und Stadtgestaltung (Argus). Im Jahr darauf stieß er zur SED-Blockpartei LDPD, um im Herbst des gleichen Jahres für die Grüne Partei in die vorletzte DDR-Regierung unter Hans Modrow entsandt zu werden.

Schließlich holte ihn 1990 Brandenburgs erster Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) an den Kabinettstisch, den Platzeck nur für ein kurzes Zwischenspiel als Potsdamer Oberbürgermeister verließ. Er mauserte sich immer mehr zu einem Krisenmanager mit hohen Popularitätswerten. Legendär ist Platzecks Rolle als allgegenwärtiger "Deichgraf" bei der Oderflut von 1997. 2002 schließlich übernahm er Stolpes Nachfolge in der Potsdamer Staatskanzlei, die er erst elf Jahre später wieder verließ.

Einst größter Hoffnungsträger der SPD

Zwischenzeitlich galt Platzeck als größter Hoffnungsträger der deutschen Sozialdemokratie: 2005 wählte ihn die SPD mit einem Traumergebnis zum Bundesvorsitzenden. Doch nur ein halbes Jahr später musste er nach gesundheitlichen Problemen wieder zurücktreten.

© dpa, Nestor Bachmann Lesen Sie auch: Nachfolger für Platzeck als BER-Aufsichtsratschef gesucht

Das kurze Intermezzo ist bei vielen lange in Vergessenheit geraten. Stärker in Erinnerung ist, dass Platzeck zusammen mit dem damaligen Berliner Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) als der politische Kopf für die unzähligen Pannen am bis heute nicht eröffneten Flughafen BER steht. Zunächst als Aufsichtsratsmitglied und später als Aufsichtsratschef gelang auch ihm nicht, diese Krise zu managen.

Doch bei der Lufthansa, die große Hoffnungen auf Wachstumspotenziale durch den neuen Flughafen setzt, scheinen sie nicht nachtragend zu sein. Auch der Konzern setzt auf Platzeck als Schlichter.

Von: gk, AFP
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