Der Check-in gehört komplett abgeschafft

07.12.2015 - 10:15 0 Kommentare

Air Berlin schafft ihre Check-in-Automaten ab. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, meint airliners.de-Chefredakteur David Haße. Selbst den Online-Check-in braucht keiner - oder? Ein Gedankenflug.

Apple Passbook mit Bordkarten der Lufthansa und Air Berlin auf einem iPhone. - © © airliners.de - PlaceIt by Breezi

Apple Passbook mit Bordkarten der Lufthansa und Air Berlin auf einem iPhone. © airliners.de /PlaceIt by Breezi

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Wer braucht schon Check-in-Automaten am Flughafen? Niemand. Das weiß auch Air Berlin und schafft die Dinger jetzt ab. Das ist lobenswert, aber warum nicht gleich den gesamten Prozess innovativ und neu denken?

Als ich neulich zwei frische Ausdrucke von online gebuchten Flugtickets und Theaterkarten aus dem Drucker holte, fiel es mir auf: Anders als auf dem Flugticket stehen auf der Theaterkarte schon die Sitzplätze drauf.

Eigentlich ist das so ja auch logisch: Ich habe mich bei der Buchung für ein bestimmtes Theaterstück an einem bestimmten Tag entschieden. Warum sollte ich ein paar Tage vor der Veranstaltung nochmal auf die Theaterwebseite gehen, um eine Platzkarte zu generieren? Genau das wird aber in der Luftfahrt von so gut wie jedem Passagier verlangt. Selbst wenn man bei der Buchung schon einen Sitzplatz ausgewählt hat. Was für ein Theater…

Aus Passagiersicht nur nervig

Dabei wäre es doch so einfach: Man könnte wie heute schon optional direkt bei jeder nicht flexiblen Buchung einen Sitzplatz auswählen lassen (meinetwegen gegen Gebühr) oder einfach nach irgendeinem System automatisch vergeben. Dann kommt mit der Buchungsbestätigung und dem Ticket auch gleich die Bordkarte. Ohne Check-in, fertig, los.

Der Verzicht auf den Check-in würde damit einen "Pain-Point" im ohnehin unnötig nervigen "Passengerjourney" eliminieren, um es mal in der Sprache der Luftfahrt-Marketingstrategen zu formulieren. Zumindest die große Masse der ganz normalen Passagiere müssten sich mehr mühen - oder könnte gar vergessen - sich rechtzeitig einzuchecken.

Seit meiner Check-in-Eingebung am Drucker grüble ich nun also nach: Warum bestehen eigentlich so gut wie alle Airlines auf die Rückbestätigung? Um zu sehen, wer wirklich zum Gate kommen wird?

Klar, in analogen Zeiten waren Tickets generell ein Jahr gültig und die Fluggesellschaften mussten vor einem Flug wissen, wer kommt. Aber heutzutage sind die allermeisten Tickets nur noch für einen bestimmten Flug an einem bestimmten Tag gültig... Und der Check-in kann meist online etliche Tage im Voraus erledigt werden. Damit ist er per se ungeeignet dafür, herauszufinden, wer wirklich fliegen wird...

Könnte der Check-in-Zwang also vielleicht mit Überbuchungen zu tun haben? Oder mit kurzfristigen Flugzeugwechseln? Beides gibt es im Theater wohl eher selten.

Der Online-Check-in als Verkäufer

Da dämmert es mir: Ist der Online-Check-in womöglich eine reine Verkaufsveranstaltung? Ein wichtiger Kunden-Kontaktpunkt für den Verkauf von Hotelübernachtungen und Mietwagen kurz vor der Reise? Müssen die Check-in-Automaten bei Air Berlin am Ende vielleicht sogar darum dran glauben, weil sie einfach die schlechteren Verkäufer sind?

Wir werden es wissen, sobald auch die Theater anfangen, Check-in-Verkaufsprozesse einzugliedern: "Sie haben einen zufälligen Platz im Rang ganz hinten links zugeteilt bekommen. Wie wäre es mit einem XL-Sitz in der Loge? Und haben Sie eigentlich schon ein Hotel?" Und so ist die Luftfahrt am Ende möglicherweise doch innovativer, als man auf den ersten Blick erkennt.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 wagte er mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de den Schritt in die Selbständigkeit. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: David Haße
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