Der gebremste Beschleuniger

23.12.2015 - 15:21 0 Kommentare

Er ist der dritte Chef am neuen Hauptstadtflughafen BER in wenigen Jahren und inzwischen hat er das gleiche Problem wie seine Vorgänger: Karsten Mühlenfeld läuft die Zeit davon.

Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld lässt sich auf der BER-Baustelle ablichten. - © © dpa - Patrick Pleul

Flughafen-Chef Karsten Mühlenfeld lässt sich auf der BER-Baustelle ablichten. © dpa /Patrick Pleul

Karsten Mühlenfeld ist nicht zu beneiden. Dem Chef des neuen Hauptstadtflughafens ging es dieses Jahr wie einem Radfahrer, der voller Elan in die Pedale steigt - und dabei springt die Kette ab. Das Rad rollt zwar noch ein paar Meter, aber schnell ist anders. Im März stieg der 52-Jährige als Nachfolger Hartmut Mehdorns auf den Sattel des Chefs der Berliner Flughäfen. Es folgten: die Pleite einer wichtigen Baufirma, Korruptionsfälle, ein vorübergehender Baustopp.

Schon rennt Mühlenfeld den von Mehdorn gesetzten Terminen hinterher, die Zeit bis zur Eröffnung 2017 wird knapp. Nun treten nach Planern, Überwachern, Steurern auch Baufirmen in den Zwei-Schicht-Betrieb und arbeiten auch Samstags. Die Kette muss wieder aufs Zahnrad.

Der Aufsichtsrat hat die "Beschleunigungsmaßnahmen" des früheren Rolls-Royce-Managers am Freitag zur Kenntnis genommen. Der Vorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), goutiert es mit der Bemerkung, "dass der Eröffnungstermin im zweiten Halbjahr 2017 zu schaffen ist". Mühlenfeld hält es "für sehr gut noch möglich" - weiter lehnt sich niemand mehr aus dem Fenster.

Das klang vor einem Jahr noch anders. Da zurrten Mehdorn und sein Technikchef Jörg Marks den Zeitplan zur Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 fest - sechs Jahre später als geplant. Vier Eröffnungstermine für den drittgrößten deutschen Flughafen waren da schon geplatzt - wegen Technikproblemen, Baupfusch und Managementfehlern.

Eine nationale Aufgabe

"Das schaffen wir, da gibt es keine irgendwie gearteten Pleiten mehr", versicherte Mehdorn, verkündete dann überraschend seinen Rücktritt und rief seinem Nachfolger öffentlich noch "toi, toi, toi" zu. Und den Flughafen-Mitarbeitern: "Das ist schon längst mehr als ein Job - das ist eine nationale Aufgabe. Sie schaffen das!"

Höher kann man die Latte kaum legen, über die ein Nachfolger springen muss. Mühlenfeld musste ein halbes Jahr nach Amtsantritt zugeben, dass er schon drei bis vier Monate hinter dem Mehdornschen Plan liegt. "Ich bin mir sicher, dass wir auch künftig auf Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen, die auf den ersten Blick unfassbar erscheinen." Das Projekt sei in einer schwierigen Phase.

Der Rückstand ist bis heute geblieben. Von sechs Monaten Zeitpuffer sind nach einem Jahr nur zwei geblieben, und das Wort "Beschleunigungsmaßnahmen" weckt unheilvolle Erinnerungen.

Vor der geplatzten Eröffnung 2012 hatte der Aufsichtsrat Millionen bewilligt, um das Projekt noch rechtzeitig über die Ziellinie zu bringen. Tausende Arbeiter schufteten in Schichten im Terminal - und mancher baute völlig ohne Plan. Der Murks macht bis heute Probleme.

Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup widerspricht dem Vergleich mit den "Beschleunigungsmaßnahmen" von damals. "Das sind nicht ähnliche Vokabeln." Doch auch die immer neuen Spekulationen kreisen seit Jahren um ähnliche Themen: Firmen, die aus der Notlage der Bauherren Kapital schlagen, kritische interne Gutachten, Machtkämpfe in der Geschäftsführung.

© dpa, Jörg Carstensen Lesen Sie auch: Betreiber planen sanfte BER-Inbetriebnahme

Aufsichtsratschef Müller will die wichtigsten Baufirmen nun ins Rote Rathaus bestellen, um sie einzunorden. "Es ist mir wichtig, auch noch mal den beteiligten Firmen zu vermitteln, in welch wichtiger Endphase dieses Fertigstellungsprozesses wir sind und dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen müssen." Zum Thema Machtkampf nur soviel: Der Termindruck sei groß, alle sehr belastet. "In so einer Situation muss auch mal Tacheles geredet werden."

Von: Von Burkhard Fraune, dpa
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