Trotz Pleiten, Pech und Pannen weiter im Amt Der Berliner Flughafen-Chef Rainer Schwarz

02.01.2013 - 13:26 0 Kommentare

Kaum ein Manager hat im Jahr 2012 so viele Schlagzeilen gemacht wie Rainer Schwarz. Und kaum einer erwehrt sich mit einer so stoischen Ruhe aller Rücktrittsforderungen wie der Berliner Flughafenchef Rainer Schwarz. Ein Kurzportrait.

"Das ist die spannendste Aufgabe, die es in der Branche überhaupt gibt", sagte Rainer Schwarz am 9. Dezember 2005. Der erfahrene Flughafenmanager, Jahrgang 1956,  war gerade vom Aufsichtsrat zum neuen Chef der Berliner Flughäfen bestimmt worden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) war überzeugt, dass Schwarz den Bau des neuen Hauptstadtflughafens in Schönefeld "erfolgreich und kosteneffizient" vorantreiben wird.

Allerdings läuft der Bau des Flughafens weder "erfolgreich" noch "kosteneffizient". Und möglicherweise wird Aufsichtsratschef Wowereit doch ein zweites "Bauernopfer" bringen müssen, nachdem schon der ehemalige Technikchef seinen Stuhl räumen musste. Der Flughafen soll nun nach den aktuellen Plänen am 27. Oktober öffnen. Ob der bei Amtseintritt mit viel Lob bedachte Schwarz dann noch im Amt sein wird, bezweifeln viele.

Noch aber hält der Aufsichtsrat an Schwarz fest. Sein hoch dotierter Vertrag läuft bis 2016. Schwarz bekommt als Flughafenchef ein Grundgehalt von mehr als 300.000 Euro im Jahr. Das ist mehr als das Doppelte des Einkommens von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die Schwarz lautstark Versagen vorwerfen.

Bevor Schwarz Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughafengesellschaft wurde, hatte er zehn Jahre lang die Geschäfte der Flughäfen Nürnberg (1996 bis 2001) und Düsseldorf (2002 bis 2006) geführt. Davor war er acht Jahre Manager am Flughafen in München (1988 bis 1996) - erst als Abteilungsleiter der Hauptabteilung Finanz- und Rechnungswesen, dann als Abteilungsleiter innerhalb der Hauptabteilung Marketing und Vertrieb und schließlich als Bereichsleiter Marketing und Vertrieb.

Seine berufliche Laufbahn hatte Schwarz 1982 als Wirtschaftsprüfungsassistent bei der Warentreuhand AG in Berlin begonnen. Privat hat sich der verheiratete, zweifache Familienvater in Potsdam niedergelassen. Schwarz ist Betriebswirt, er studierte in Paderborn, Berlin und Connecticut/USA. 1988 promovierte Schwarz mit einer Arbeit zum Thema "Die Börseneinführungspublizität neuemittierender Unternehmen" in Bayreuth.

Im Jahr 2008 wurde Schwarz zudem zum Honorarprofessor für Luftfahrtlogistik an der Technischen Hochschule Wildau berufen. Auch mit dieser Nebentätigkeit machte er in den vergangenen Monaten Schlagzeilen. Kritiker warfen ihm vor, Vorträge zu halten, statt sich um den Flughafen zu kümmern, denn auch im Jahr 2012 war der Flughafen nach mehreren Verzögerungen noch immer nicht in Betrieb. Ebenfalls mehr als einmal wurden Rücktrittsforderungen laut.

Der 56 Jahre alte Schwarz aber lässt alle Kritik an sich abperlen. "Ich kneife nicht, wenn es schwierig wird", sagte er nicht nur einmal und schlug sogar die widerkehrenden Rücktrittsforderungen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in den Wind. Er sehe keine Veranlassung, aus der Verantwortung zu gehen, betont Schwarz gerne. Der Flughafen werde "am Ende des Tages" ein Erfolg sein. Den Beweis dafür blieb Schwarz bislang noch schuldig. Die Aufgabe bleibt also spannend.

Von: Susann Fischer, dapd (redigiert zum Portrait)
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