DBB/Komba übernimmt Verdi-Tarifeinigung am Hamburger Flughafen

17.04.2019 - 16:26 0 Kommentare

Mit großer Härte führen mit Verdi und DBB/Komba zwei Gewerkschaften getrennt den Tarifstreit für die Bodenverkehrsdienste in Hamburg. Jetzt gilt das bessere Ergebnis für beide. Die Warnstreiks zu Ostern sind abgesagt.

Warnstreik am Flughafen Hamburg. - © © dpa - Georg Wendt

Warnstreik am Flughafen Hamburg. © dpa /Georg Wendt

Die Gewerkschaft DBB/Komba kann die in der vergangenen Nacht erzielte Einigung zwischen Verdi und den Betreibern der Bodenverkehrsdienste am Hamburger Flughafen über die künftige Ausgestaltung des Tarifvertrags übernehmen, wie eine Sprecherin des Hamburger Flughafens gegenüber airliners.de bestätigte.

Damit bleibt die gesetzlich vorgeschriebene Tarifeinheit erhalten, ohne dass gerichtlich abgeklärt werden muss, welche der Gewerkschaften aufgrund ihrer Mitgliederzahl das stärkere Mandat hat. Die Gewerkschaften hatten im März in einer fünften Verhandlungsrunde im Tarifstreit eine erste Einigung mit der HAM Ground Handling als Arbeitgeber erreicht.

Verdi legte diese ihren Mitgliedern vor, die sie prompt ablehnten. Die Mitglieder hatten unter anderem die vorgesehene zeitliche Staffelung der Tarifanhebungen kritisiert. Die DBB/Komba hingegen akzeptierte die Einigung und unterschrieb.

Verdi drohte daraufhin mit Streiks im ohnehin sensiblen Osterreiseverkehr, woraufhin sich der Geschäftsführer der HAM Ground Handling, Christian Noack, in einem offenen Brief an die Gewerkschaft wandte.

Nachtsitzung bringt Durchbruch

In einer am Dienstag kurzfristig angesetzten Verhandlungsrunde, die bis in die Morgenstunde dauerte, erzielten beide Seiten dann einen Durchbruch und einigten sich auf die Eckpunkte eines Tarifvertrages, der die Angestellten in Teilen noch einmal besser stellt als bei der ersten Einigung mit DBB/Komba.

Verdi hatte schnellere Gehaltssteigerungen in weniger Schritten verlangt, als sie die erste Einigung vorgesehen hatte. Das ist bei der neuen Vereinbarung gelungen, die für 20 Monate gilt. Die Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste erhalten in zwei Schritten zunächst 3,2 Prozent mehr Geld in diesem und weitere 3,8 Prozent im nächsten Jahr. Alle Beschäftigten erreichen demnach einen von Verdi angestrebten Minimal-Lohn von zwölf Euro innerhalb der Tariflaufzeit - Beschäftigte mit zusätzlichen Aufgaben darüber hinaus einen Zuschlag.

Die Einigung erforderte Kompromissbereitschaft, wie die Statements beider Seiten deutlich machen. So sagte Natale Fontana, Fachbereichsleiterin bei Verdi Hamburg, dass man mit dem Ergebnis zufrieden sei, aber nicht begeistert. Es sei nicht gelungen, die zwölf Euro zum 1.1.2020 durchzusetzen, zähneknirschend hätte man den 1.7.2020 akzeptieren müssen. Jedoch sei man bei der Tarifvertragssystematik erfolgreich gewesen.

Flughafen versucht, Kosten nicht 1:1 auf Kunden umzulegen

Bodendienste-Chef Noack wies auf die zusätzlichen Belastungen für den Flughafen hin: "Um diese Einigung erzielen zu können, mussten wir noch weiter über die wirtschaftliche Grenze der Bodenverkehrsdienstgesellschaften gehen."

© dpa, Georg Wendt Lesen Sie auch: Flughafen Hamburg: Einigung mit Verdi-Konkurrenzgewerkschaft

Nun gelte es, nach vorne zu schauen: "Im derzeitigen Umfeld der Luftverkehrswirtschaft bedeutet diese Tarifeinigung allerdings auch, dass wir ein umfangreiches Maßnahmenpaket erarbeiten müssen, um diese finanziellen Mehrbelastungen dauerhaft tragen zu können. Diese Kosten sind nicht 1:1 auf die Airline-Kunden übertragbar."

Bis zu 50.000 Passagiere wären von Streik betroffen gewesen

Mit der Einigung ist die Gefahr von Streiks zu Ostern am Hamburger Flughafen gebannt. Im Falle eines Warnstreiks wären im Osterreiseverkehr bis zu 50.000 Fluggäste an einem der verkehrsreichen Tage betroffen gewesen.

Der Tarifkonflikt für die rund 950 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste am Airport der Hansestadt war seit Monaten mit großer Härte ausgetragen worden und hatte an zwei Tagen zu Warnstreiks, Flugausfällen und Verspätungen geführt.

Von: dk
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