Das sind die Reaktionen auf die Beschlüsse des Gipfels

08.10.2018 - 13:15 0 Kommentare

Die Teilnehmer des Luftfahrtgipfels loben die vereinbarten Maßnahmen, warnen aber auch davor, dass sich die Wirkung in einigen Punkten erst mittelfristig zeigen könnte. Die Nichteingeladenen üben Kritik.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, links). - © © BMVI -

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU, links). © BMVI

Auch an Tag drei nach dem Spitzentreffen zwischen Luftverkehrsbranche und Politik reißt die Diskussion über die Ergebnisse nicht ab. "Das Treffen war gut, denn es war geprägt von einem Geist gemeinsamen Vorgehens", sagt Luftfahrtkoordinator Thomas Jarzombek im Gespräch mit airliners.de. Jeder hätte nun "ein Paket Hausaufgaben zu erledigen".

Allerdings, schränkt Jarzombek ein: "Realistisch muss man aber auch sagen, dass die Lage im nächsten Sommer kaum besser werden wird, denn viele dieser Vorhaben brauchen einfach einen Vorlauf, wie beispielsweise die Ausbildung neuer Fluglotsen." Es sei richtig, dass jetzt entschlossen begonnen werde, "damit perspektivisch wieder die Zuverlässigkeit erreicht wird, die die Fluggäste zu recht erwarten".

Branche und Politik hatten am Freitag bei einem Spitzengespräch in Hamburg 24 Maßnahmen vereinbart, dass sich die hohe Zahl an Verspätungen und Ausfällen aus diesem Sommer nicht wiederholt.

Foto: © BMVI

"Sehr guter erster Schritt"

Viele andere Teilnehmer sind voll des Lobes über die ausgearbeiteten Aspekte. Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler sagte unserer Redaktion, dass in "intensiven Diskussionen auch wunde Punkte angesprochen wurden". Luftverkehr sei immer eine Gemeinschaftsleistung. "So ist es zu begrüßen, dass sich nun auch die Verkehrsministerkonferenz aktiv mit diesem Themenkomplex befasst."

Und auch Düsseldorfs Airport-Chef Thomas Schnalke pflichtet dem bei: Das Gespräch wäre "ein sehr guter erster Schritt" gewesen. "Allen Teilnehmern des heutigen Treffens ist bewusst, dass es hierzu einer gemeinsamen Kraftanstrengung bedarf, um vor allem die strukturellen Engpässe in der Luft und auf dem Boden aufzulösen."

GdF spricht von "Alibi-Veranstaltung"

Die Verbraucherzentrale hingegen äußert die Einschätzung, dass der Gipfel im Bezug auf die von Ausfällen und Verspätungen geplagten Fluggästen recht wenig gebracht hat. "Erst mal hört sich das nur nach guten Absichten an. Konkrete Maßnahmen müssen folgen", sagte Klaus Müller vom Verbraucherzentrale Bundesverband der "Passauer Neuen Presse". Für Verbraucher sei wichtig, dass ihre Rechte auf dem Papier in der Realität besser durchgesetzt werden könnten. "Hierzu fehlen Vorschläge wie etwa, dass bessere Informationen über Passagierrechte und die zuständige Schlichtungsstelle schon im Flugzeug ausgegeben werden."

Auch die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) kritisiert das Treffen. "Die Veranstaltung in Hamburg halten wir für eine Alibi-Veranstaltung", so Sprecher Jan Janocha zu airliners.de. Beispielweise sei von freiwilliger Mehrarbeit in der Abschlusserklärung die Rede, "doch das ist bei uns alles tariflich geregelt - solche Vorsetze gelängen also nur mit dem Tarifpartner, und die GdF (wie übrigens auch alle anderen Gewerkschaften) war in Hamburg nicht eingeladen".

Zweiter Gipfel bereits terminiert

Ebenfalls nicht beim Treffen in Hamburg vertreten waren Vertreter der großen Billigflieger Easyjet und Ryanair. "Auf Anfrage teilte das Ministerium mit, dass nur deutsche Fluggesellschaften eingeladen wurden", so Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely zu airliners.de. "Seit 1987 bestätigen europäische Vorschriften, dass es so etwas wie eine 'ausländische EU-Fluggesellschaft' nicht gibt." Der Ausschluss von Ryanair sei "auf dieser Grundlage eindeutig diskriminierend und wettbewerbswidrig".

© airliners.de, Lesen Sie auch: Das wurde auf dem Luftfahrtgipfel beschlossen Überblick

Doch eventuell bekommt das Management der Iren schon sehr bald in genau dieser Angelegenheit die Chance mitzudiskutieren. Denn Branche und Politik terminierten einen zweiten Gipfel im März vor Beginn des Sommerflugplans. "Das zeigt die Ernsthaftigkeit mit der die Akteure die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit für Flugreisende gemeinsam erhöhen und die Systempartnerschaft stärken wollen", so Tuifly-Aufsichtsratsmitglied und Gipfelteilnehmer Thomas Ellerbeck zu airliners.de.

"Für den Sommer 2018 kann sich die Branche nur bei den Fluggästen entschuldigen. Einige der in Hamburg diskutierten Maßnahmen können kurzfristig wirken - strukturelle Herausforderungen wirken aber leider erst mittelfristig."

Von: cs
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