Überblick

Das sind die Positionen im Ryanair-Streit

09.08.2018 - 13:10 0 Kommentare

Ryanair steht erneut vor Streiks in mehreren Ländern. Dieses Mal betrifft es die Piloten. airliners.de stellt Behauptungen von Management und Gewerkschaften gegenüber.

Modell einer Ryanair-Maschine. - © © dpa - Henning Kaiser

Modell einer Ryanair-Maschine. © dpa /Henning Kaiser

Ryanair streitet in ganz Europa mit ihrem Personal. Was die Piloten angeht, werden die Diskurse in den Niederlanden und Spanien bereits gerichtlich geführt. airliners.de stellt einige konträre Punkte dar.

Ryanair: "Wir wollen sinnvolle Verhandlungen."
Pilotengewerkschaften in mehreren Ländern bestreiken den Low-Cost-Carrier inzwischen - für die irischen Flugzeugführer ist es bereits der fünfte Streiktag am Freitag. Selbst die deutsche Vereinigung Cockpit (VC) brach die Tarifverhandlungen mit den Iren ab und ließ ihre Mitglieder über Arbeitskampfmaßnahmen abstimmen. Seit Januar hatten die Gewerkschaft und Ryanair offizielle Tarifverhandlungen geführt - die ersten Monate sickerten kaum Informationen von der VC an die Öffentlichkeit; Ende Juni brachen die Verhandlungsführer jedoch die Gespräche ab: Das Airline-Management bewege sich keinen Millimeter. Die in der Öffentlichkeit von Ryanair kolportierte Verhandlungsbereitschaft kontert die VC jüngst damit, dass dies durch "schriftliche Angebote nicht zum Ausdruck" komme.

Ryanair: "Wir haben das Gehalt der Piloten am Jahresanfang um 20 Prozent erhöht."
Dem widerspricht die VC nicht, sagt aber: "Die freiwillige Vergütungserhöhung wurde vorgenommen, um uns den Wind aus den Segeln zu nehmen die Zahl der Abgänge zu minimieren." Denn: Piloten sind ein knappes Gut - aktuell mehr denn je, zumal alle Airlines massiv ihre Kapazitäten erhöhen, um sich nach dem Marktaustritt von Air Berlin in Stellung zu bringen. Dass Ryanair die Folgen des Personalmangels kennt, wurde im vergangenen Herbst klar, als der Low-Cost-Carrier wegen eines Planungsfehlers vielen Piloten kurzfristig Urlaub gewähren und zehntausende Verbindungen für den Winter streichen musste.

© AirTeamImages.com, Jesus Moreno Lesen Sie auch: Ryanair will keine Flugzeuge aus Deutschland abziehen

Ryanair: "Die Piloten wollen 62 Prozent mehr Gehalt."
Laut VC stimmt diese Zahl nicht. Zudem argumentiere Ryanair, dass man die Forderungen der Gewerkschaften nicht durchschaue. Zu dem Zweck hat die VC die Forderungen, die man seit Dezember habe, immer wieder vereinfacht dargestellt. Zuletzt habe man diese laut Arbeitnehmervertretern am 30. Juli schriftlich dem Management übermittelt. Die VC betont, dass in d en Gesprächen zu keinem Zeitpunkt auf die "Eckpfeiler unserer Forderungen" eingegangen sei.

Ryanair: "Wir haben am 3. August einen überarbeiteten Vorschlag für einen Tarifvertrag eingereicht."
Darum gab es viel Wirbel, auch weil es von der VC zuerst hieß, dabei handele es sich lediglich um ein Gesprächsangebot. Ryanair beharrte jedoch im Gespräch mit airliners.de auf der Formulierung, dass man einen neuen Entwurf vorgelegt habe. Die Gewerkschaft konterte mit dem Verweis, dass bis zur Frist am 6. August kein "substanzielles Angebot" eingegangen sei. Nun konkretisiert die VC: Im Angebot vom 3. August gäbe es keine "strukturellen Veränderungen des Bezahlsystems".

Ryanair: "Unsere Piloten in Deutschland genießen hervorragende Arbeitsbedingungen."
Dem widerspricht ein langjähriger Pilot, der nicht namentlich genannt werden möchte, im Interview mit dem "Stern" vehement: "Ryanair ist eine Diktatur mit Kim Jong O'Leary an der Spitze." So würde er zwar bis zu 110.000 Euro im Jahr verdienen, müsste allerdings sämtliche Kosten selbst tragen: für Uniform, für Transfers et cetera. Nicht selten käme es vor, dass sein Arbeitstag nicht an der Heimatbasis starte und er zunächst mit dem Zug auf eigene Kosten zu einem anderen Airport fahren müsse. Außerdem kritisiert der Flugzeugführer, der seit fünf Jahren für Ryanair fliegt, die Arbeitszeiten: Bei den jetzigen Einsatzstrukturen sei absehbar, dass viele Piloten schon im Oktober/November die maximal Anzahl an jährlichen Flugstunden absolviert hätten.

Ryanair: "Wir werden nicht unser Geschäftsmodell ändern."
Doch genau dies sei zentral bei Tarifverhandlungen, mahnt die VC an. Es brauche eine gleichhohe Gehaltsstruktur an allen Stationen. Ryanair hingegen schlägt eine Umverteilung vor, dass sich alle Basen am Lohnniveau der niedrigsten orientieren. Die VC schlägt auch ein Senioritätssystem geben, sodass Piloten mit mehr Berufserfahrung letztlich auch mehr verdienen als Kollegen, die neu eingestiegen sind. "Ryanair macht jedes Jahr Milliardengewinne, und das Durchschnittsticket kostet um die 40 Euro. Irgendwer muss dafür bezahlen. Das Personal wird es nicht mehr tun", so VC-Vizepräsident Markus Wahl.

Wie tief die Gräben zwischen VC und Ryanair in diesem Streit inzwischen sind, zeigt sich schon daran, dass auch nach sechsmonatigen Tarifverhandlungen keine gemeinsame Basis für einen Vergütungstarifvertrag gefunden wurde: VC möchte Ryanair an den Konditionen der Tuifly orientieren, die ebenfalls Boeing-737-Maschinen betreibt. Ryanair hingegen lehnt dies klar ab.

Von: cs
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