Überblick

Das sind die Player im Poker um Niki

20.12.2017 - 15:22 0 Kommentare

Der insolvente Ferienflieger lockt immer mehr Kaufinteressenten. Neben Niki-Gründer Lauda und Condor haben auch das Logistik-Konsortium aus Zeitfracht sowie Nayak und Ryanair Interesse bekundet. Eine Übersicht.

A320 von Niki: Wer übernimmt den insolventen Ferienflieger?Foto: © Niki

Insolvenzverwalter Lucas Flöther hat für den Schnellverkauf ("Fire Sale") der österreichischen Air Berlin Niki eine Frist gesetzt: Angebote für den Ferienflieger können bis Donnerstag (21. Dezember) um 12 Uhr mittags eingereicht werden, sagte ein Sprecher Flitters im Gespräch mit airliners.de. Allerdings sei dies keine fixe Frist - "wer ein paar Stunden später kommt, ist natürlich auch noch im Rennen". Zu potenziellen Käufern macht das Büro von Flöther keine Angaben. airliners.de gibt einen Überblick über diejenigen, die bislang Interesse bekundet haben:

Als erstes seinen Hut in den Ring geworfen hat Airline-Gründer Niki Lauda. Der ehemalige Formel-1-Fahrer spekulierte bereits bei der Insolvenz der Air Berlin im Sommer auf eine Übernahme Nikis. Nun wurde er auch schon beim Generalbevollmächtigten Frank Kebekus vorstellig und will laut eines Interviews am Mittwoch ein Angebot vorlegen.

Allerdings beklagt Lauda, dass Lufthansa die Flotte Nikis ausgehöhlt hätte. "Die Lufthansa hat sich heimlich fast die gesamte Flotte geholt", zitiert der "Kurrier" und rechnet vor, dass Niki zuletzt 21 Flugzeuge selbst flog sowie sieben Boeing-Maschinen von Tuifly betrieben wurden. Einen Teil der Niki-Flotte habe Lufthansa inzwischen gekauft, für den Rest seien mit den Leasing-Gebern neue Mietverträge ausverhandelt worden.

© dpa, Barbara Gindl Lesen Sie auch: Niki-Übernahme: Lauda attackiert Lufthansa

Es sei derzeit nicht möglich, am Markt in kurzer Zeit Ersatz-Flugzeuge zu bekommen, so Lauda. "Wenn die Flugzeuge weg sind, müssen die Slots zurückgegeben werden." Die EU-Kommission machte für die Prüfung der LGW- und Niki-Übernahme die Auflage, dass Lufthansa die Maschinen "zu marktüblichen Konditionen verleasen" muss, sofern sie beispielsweise auf die Übernahme der Niki verzichtet - wie vergangene Woche geschehen. Lufthansa hatte den Konditionen Ende Oktober zugestimmt.

Ebenfalls an Niki interessiert, ist der Reisekonzern Thomas Cook. Dass dessen deutsche Tochter Condor gemeinsame Sache mit Lauda machen könnte, wurde via Medienbericht von einem Unternehmenskenner bereits dementiert. Allerdings heißt es beim Konzern auf Anfrage von airliners.de: "Thomas Cook prüft den Erwerb eines Teils von Niki."

Bei Condor wird aktuell ein Sonderflugplan mit sieben Jets geflogen, um die Urlauber insbesondere von den spanischen Inseln und aus Ägypten nach Hause zu bringen. Dieses Angebot richtet sich zunächst an die Reiseveranstalter, die für ihre Pauschalgäste Ersatzflüge anbieten müssen.

Bereits den Datenraum der Niki prüft ein Konsortium aus Zeitfracht und Nayak. Dies sagte ein Sprecher von Zeitfracht zu airliners.de. Beide Dienstleister haben bereits Air Berlin Technik übernommen. Zeitfracht will Niki in den Plan, mittelfristig eine Airline für Expressluftfracht aufzubauen, integrieren und dafür Cargo- und Charter-Geschäft der Air-Berlin-Tochter nutzen. Wartungsspezialist Nayak hingegen ist an Niki Technik interessiert.

Zeitfracht hat sich durch die Übernahme der WDL Aviation ein AOC gesichert, dass vor wenigen Wochen auch auf die Berliner umgeschrieben wurde. Gleichzeitig ist das Konsortium nach wie vor an der Regionalfluggesellschaft LGW interessiert. Sollte die EU-Kommission die Übernahme durch Lufthansa stoppen oder das Bundeskartellamt nachfolgend erhebliche Bedenken äußern, stehe man zum Kauf bereit.

Die Schweizer Privat Air hat ebenfalls offiziell Interesse angemeldet. "Ja wir wollen Niki ganz übernehmen und möglichst alle Arbeitsplätze erhalten", sagte Airline-Chef Thomas Limberger der österreichischen Zeitung "Die Presse". Er wisse um den enormen Zeitdruck und die damit verbundene Schwierigkeit, sich ein Bild von der Airline zu machen und die nötige Finanzierung aufzustellen. "Aber wir wollen es versuchen." Privat Air bedient aktuell einige Strecken im Wet-Lease für Eurowings.

Auch Billigflieger Ryanair hat offiziell Interesse an Niki bekundet und sich laut Mitteilung "mit den Verwaltern der Niki bezüglich des Insolvenzverfahrens und des möglichen Erwerbs der verbliebenen Niki-Vermögenswerte in Verbindung gesetzt hat". Allerdings hatten die Iren auch angekündigt, Air Berlin kaufen zu wollen und kurze Zeit später einen Rückzieher gemacht.

© airliners.de, Lesen Sie auch: Nach der Airline-Insolvenz: Drei Retter für Niki?

Auch die zum Reisekonzern Tui gehörende Airline Tuifly bekundete indirekt Interesse an Niki. Zwar habe man sich gegen ein Gebot entschieden, aber auf die Slots der österreichischen Air-Berlin-Tochter habe man ein Auge geworfen. "Bei der nächsten Slot-Vergabe werden wir sehr genau schauen, wie wir unsere Position verbessern werden", zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus einem Mitarbeiterschreiben von Airline-Chef Roland Keppler.

Bereits vor einigen Wochen aus dem Poker um Niki ausgestiegen war der Airline-Konzern IAG. Die Absage kam allerdings vor der Niki-Pleite. Damals hatte die British-Airways-Mutter noch bemängelt, dass der Lease der teuren Tuifly-Flugzeuge weiterläuft - dies ist nun nicht mehr der Fall, weswegen Branchenkenner erwarten, dass auch IAG wieder ins Rennen um Niki einsteigen wird.

Nötig wird der Schnellverkauf von Niki, da Lufthansa in der vergangenen Woche ihren Verzicht auf die österreichische Air-Berlin-Tochter erklärt hatte. Daraufhin musste die Airline unverzüglich Insolvenz anmelden und den Flugverkehr einstellen. Die letzte Niki-Maschine landete am 14. Dezember in Wien. Lufthansa hatte den Ferienflieger mit wöchentlichen Zahlungen von rund rund zehn Millionen Euro in der Luft gehalten.

Von: cs, br
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