Analyse

Kranich-Konzern lässt andere Airline-Gruppen hinter sich

11.01.2018 - 12:54 0 Kommentare

Mehr Kapazität, mehr Passagiere: 2017 sind Lufthansa Group, Air France/KLM und IAG weiter gewachsen. Doch die Expansion der drei europäischen Luftfahrt-Giganten ist sehr unterschiedlich ausgefallen.

Lufthansa und British Airways am Flughafen Düsseldorf - © © AirTeamImages.com - Serge Bailleul

Lufthansa und British Airways am Flughafen Düsseldorf © AirTeamImages.com /Serge Bailleul

Die Verkehrszahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2017 war ein Jahr der Lufthansa-Expansion. Der deutsche Luftfahrtkonzern trumpft mit einem Passagierplus von 18,6 Prozent auf und lässt als passagierreichstes Unternehmen Europas mit über 130 Millionen Passagieren die konkurrierenden Airline-Gruppen IAG (knapp 105 Mio.) und Air France/KLM (knapp 99 Mio.) mit weitem Abstand hinter sich.

Dabei konnten auch diese beiden Konzerne Zuwächse verbuchen: Bei Air France/KLM stieg die Passagierzahl um 5,6 Prozent, die Kapazität in Sitzkilometern um 3,3 Prozent, die Zahl der verkauften Passagierkilometer um fünf Prozent. Die Gruppe hat damit die Jahre der Stagnation klar hinter sich gelassen.

Verkehrszahlen der drei großen Airline-Gruppen
Lufthansa Group IAG Air France/KLM
2013 104.60 67.2 87.3
2014 106.0 77.3 87.4
2015 107.7 88.3 89.8
2016 109.7 100.7 93.4
2017 130.0 104.8 98.7

Quelle: Unternehmensangaben

Auffällig ist: Das Wachstum zwischen den einzelnen Gesellschaften ist weiterhin ungleich verteilt. Air France trug mit einem Passagierplus von drei Prozent nach wie vor am wenigsten zur Dynamik bei, KLM legte um 7,5 Prozent zu, die Low-Cost-Ableger Transavia um über elf Prozent.

IAG ist das Schlusslicht beim Wachstum

Die IAG-Gruppe um British Airways und Iberia war 2017 das Schlusslicht in Sachen Verkehrswachstum. In den Vorjahren legte der Konzern durch die Integration von Aer Lingus und Vueling jeweils zweistellig zu. Nun ging es eher langsam voran: Um 4,1 Prozent stieg die Passagierzahl, um 2,6 Prozent das Angebot an Sitzkilometern und um 3,8 Prozent die verkaufte Kapazität.

Expandiert haben im vergangenen Jahr vor allem die Iren und die Spanier: Aer Lingus erweiterte die Kapazität um rund zwölf Prozent, Iberia um etwa fünf Prozent. British Airways blieb mit einem Plus um ein Prozent deutlich dahinter zurück.

Auch der Low-Cost-Carrier Vueling hat das stürmische und teilweise unkontrollierte Wachstum der vorherigen Jahre 2017 gedrosselt: Um nur 1,5 Prozent wurde die Kapazität erweitert. Nun könnte der spanische Billigflieger durch die Teilübernahme von Niki wieder expandieren.

© dpa, Angelika Warmuth Lesen Sie auch: IAG-Billigflieger Vueling kauft Air-Berlin-Tochter Niki

Ganz anders die Situation in der Lufthansa Group: Sie hat nach Jahren des gebremsten Wachstums 2017 ordentlich Gas gegeben. Mehr als 20 Millionen Passagiere gewann sie hinzu.

Den größten Anteil daran hatte zwar die Integration einer neuen Gesellschaft, nämlich Brussels Airlines. Sie trieb die Statistik um über neun Millionen Passagiere nach oben.

Doch die Dynamik in der Lufthansa Group hat mehrere Quellen: fünf Millionen zusätzliche Passagiere bei der Marke Eurowings, 3,8 Millionen bei Lufthansa, anderthalb Millionen bei Austrian Airlines, knapp eine Million bei Swiss.

Air-Berlin-Pleite als Wettbewerbsvorteil

Größter Wettbewerbsvorteil des Kranichkonzerns gegenüber Air France/KLM und IAG ist sicher der Niedergang von Air Berlin. Schon Anfang 2017 profitierte Eurowings von einem Wetlease mit dem kriselnden Carrier und konnte die Flotte um rund 30 Jets erweitern.

Nach der Insolvenz wurden Lufthansa und Eurowings zu den einzigen Airlines im innerdeutschen Verkehr und konnten hier in den letzten Monaten des Jahres gute Geschäfte mit ehemaligen Air-Berlin-Passagieren machen.

Das Ranking der großen Drei fällt etwas anders aus, wenn man die Kapazitäten betrachtet: Beim Angebot in Sitzplatzkilometern hat Lufthansa 2017 mit 323 Milliarden knapp die Führung vor Air France/KLM (315 Mrd.) und IAG (306 Mrd.) übernommen. Bei den verkauften Passagierkilometern liegt dagegen weiterhin Air France/KLM an erster Stelle - der Konzern hat traditionell einen höheren Anteil an Langstreckengästen.

Sitzplatzkapazitäten der großen Airline-Gruppen 2017
angebotene Kapazität (ASK) verkaufte Kapazität (RPK)
Lufthansa Group 322821 261156
IAG 306185 252819
Air France/KLM 314646 274269

Quelle: Unternehmensangaben

Bei allen Airline-Gruppen waren die Flugzeuge 2017 voller als im Vorjahr: Die Lufthansa Group konnte trotz deutlich gesteigertem Angebot einen neuen Rekordwert bei der Auslastung der Flugzeuge erreichen.

Allerdings liegt sie bei diesem Wert mit knapp 81 Prozent hinter den beiden großen Rivalinnen: Air France/KLM kam auf über 87 Prozent, 1,4 Prozentpunkte mehr, und IAG verbesserte sich um einen Prozentpunkt auf 82,6 Prozent.

Von: pra
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