Die Born-Ansage (117)

Das Glashaus der grünen Vielflieger

15.08.2019 - 10:28 0 Kommentare

Grünen-Wähler und -Abgeordnete fliegen zwar gar nicht gern, dafür aber besonders viel. So lange es bei der friedlichen Koexistenz mit ihrem schlechten Umwelt-Gewissen bleibt, braucht sich die Luftverkehrsbranche keine ersthaften Sorgen zu machen, findet unser Kolumnist Karl Born.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. An dieses bekannte Sprichwort musste ich denken, als ich bei airliners.de die Headline "Grüne Bundestagsabgeordnete treten die meisten Flugreisen an" las.

Es ist schon "beeindruckend", wie unsere Bundestagsabgeordneten so fliegend unterwegs sind. Im Durchschnitt hat jeder Abgeordnete 20.600 Kilometer in der Luft zurückgelegt. Das ist schon eine ganze Menge. In diesen Zahlen sind auch Reisen enthalten, die Abgeordnete als Gruppe im parlamentarischen Auftrag unternahmen.

Darüber hinaus können Abgeordnete auch Einzel-Flugreisen buchen. Und da waren die Grünen spitze. Pro Kopf gerechnet ist niemand so viel geflogen, wie die Grünen-Abgeordneten. Natürlich gab es für diesen Flugeifer Begründungen wie "sich umfassend informieren", "Gespräche mit Fachleuten vor Ort führen" und so weiter.

Eigenartigerweise konnten die anderen Fraktionen diese Aufgaben mit weniger Flügen erfüllen. Das wäre eigentlich keine besondere Aufregung wert, wenn uns nicht ausgerechnet von den Grünen die größten "Steine" hinsichtlich Flugreisen um die Ohren fliegen würden.

© Bundesregierung, Lesen Sie auch: Grüne Bundestagsabgeordnete treten die meisten Flugreisen an

CO2-Kompensation als Ablasshandel

Ganz schlecht, wenn man im Glashaus sitzt, dann kommt schon mal - wie hier - ein Stein zurück. Denn fast jeder, der privat oder dienstlich fliegt, hat eine Begründung parat. Nur um das Klima zu ärgern fliegt niemand. Auch nicht innerdeutsch.

"Natürlich" wird für jede Dienstreise eine CO2-Kompensation vorgenommen. Das wirkt dann sehr beruhigend, auch wenn es eigentlich bedeutet "Fliege jetzt, auch wenn die Kompensation erst später wirkt". Es gibt Gedankengänge, die seit dem 15. Jahrhundert überdauert haben: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt".

Viel Fliegen mit schlechtem Gewissen

Eher zum Schmunzeln regte mich eine Umfrage der renommierten Forschungsgruppe Wahlen an. Demnach fliegen von allen Befragten die Grünen-Wähler am häufigsten, das wundert mich nicht unbedingt. Der Wähler und "sein" Abgeordneter.

Aber der lustigste Teil der Befragung war, dass die grünen Wähler wegen ihres Fliegens auch das "schlechteste" Gewissen (im Vergleich mit den Wählern der anderen Parteien) haben. Ach so, mit einem schlechten Gewissen kann man das auch erledigen.

Der Schriftsteller Henry Miller hat schon vor vielen Jahren treffend formuliert: "Sehr viele Menschen leben in friedlicher Koexistenz mit einem schlechten Gewissen." Ist das nicht schön, da muss sich die Flugbranche wirklich keine Sorgen um ihre Zukunft machen.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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