Die Born-Ansage (74) Das seltsame Fünf-Sterne-Lächeln des Carsten Spohr

Der Lufthansa-Chef kommt von dem Lächeln nicht mehr ab: Der Air-Berlin-Deal hakt und das Kartellamt fletscht schon mit den Zähnen, aber Skytrax vergibt den fünften Stern. Karl Born wundert sich.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Fast möchte man Lufthansa-Konzernboss Carsten Spohr eine Zitrone zum Reinbeißen reichen, damit das permanente Strahlen auf seinem Gesicht mal wieder auf "normal" umschaltet. Aber es läuft zurzeit auch einfach zu gut für ihn.

  • Der Air Berlin-Deal ist weitgehend unfallfrei (sprich ohne Betriebsübergang) gemeistert.
  • Ex-Verkehrsonkel Dobrindt und Wirtschaftsministerin Zypries haben den "nationalen Champion" nicht nur ausgerufen, sondern helfen auch fleißig bei der Erschaffung.
  • Das "Manager Magazin" hat Spohr zum "Manager des Jahres" ernannt.
  • Und jetzt kommt noch Skytrax um die Ecke und bringt die "Five Star"-Plakette mit.

Wer aber konkret sehen will, wie sich ein so tolles Ergebnis zusammensetzt, hat Pech. Weder über die Homepage von Skytrax noch über andere Quellen kann man die Bewertungsmaßstäbe erfahren. Nirgends werden die Regeln und die ermittelten Ergebnisse transparent gemacht. Und auch über Skytrax selbst erfährt man wenig: "Wir sind das renommierte (selbsternannte) Prüfungsinstitut – basta".

Verfrühtes Lob

Skytrax-CEO Edward Plaisted plauderte bei der Preisverleihung Anfang der Woche dann doch ein paar Details aus. Dabei lobte er besonders die neue Business Class der Lufthansa. Wie bitte? Die neue Business Class der Lufthansa kommt doch erst ab 2020 mit der Boeing 777-9 - und die Umstellung wird dann auch noch mal längere Zeit dauern.

Airline-Chef Carsten Spohr (li.) nimmt am Montag die Skytrax-Auszeichnung entgegen. Foto: © Lufthansa

Und war nicht die gegenwärtige Business Class bekanntlich einer der Gründe, der einer früheren Ernennung zum "Five Star"-Champion im Weg stand? Scheinbar sind Zeitreisen doch möglich ... Oder haben die kritischen Stimmen Recht, die sagen solche gigantischen Auszeichnungen seien immer ein Gemeinschaftswerk von CEO und Marketingabteilung?

Hinzu kommt der Pilotenstreit, der mit seinen 14 Streikrunden in schöner Regelmäßigkeit die Zuverlässigkeit des Kranichs kaputt machte, wie Skytrax in der Vergangenheit immer monierte. Zwar legten Lufthansa und Vereinigung Cockpit (VC) den Zwist im Frühjahr im Grundsatz bei, doch die Gewerkschaftsmitglieder stimmen erst kommende Woche final über den neuen Konzerntarifvertrag ab. Dass Vorschusslorbeeren bei Tarif"einigungen" mit Vorsicht zu genießen sein sollten, hat jüngst erst eben jene VC mit ihrem Last-Minute-Veto beim Eurowings-Kontrakt gezeigt.

Auszeichnungen sind heikel

Die Verleihung des "Manager des Jahres" sollte sich ein Manager im Übrigen direkt verbieten, denn mit statistisch nachweisbarer Wahrscheinlichkeit verblasst der Glanz später an der Wirklichkeit. Ein glorreicher Air Berlin-Deal (glorreich zumindest aus Sicht der Lufthansa) kann schnell durch die EU zerschossen werden. Und wenn man nicht genau weiß, wie man sich den Skytrax-Preis verdient hat, wird es auch schwer, ihn zu halten. Das weiß man von den Sterne-Köchen, die sich an einem Tag riesig über den Stern freuen und dann ein Jahr in Angst leben, dass sie ihre Auszeichnung wieder verlieren könnten.

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Aber den Druck kann man auch einfach weglächeln und sich über die Gratulanten freuen. Erstaunlich schnell war der (neue?) Lufthansa-Lieblingsflughafen München zur Stelle. Wie schon vor Kurzem bei der Verleihung des Skytrax-Preises "Beste Airline Europas" gratulierte München wieder gefühlt während der Verleihung. Macht dort wohl diebisch Spaß immer schneller als Fraport zu sein. Apropos - wo wart ihr, Frankfurt?

Bleibt noch die Frage, ob man sich so eine Auszeichnung kaufen kann? Laut Auskunft von Skytrax muss die Airline nur zahlen, damit sie mitmachen darf, also eine Art Startgeld für die sogenannten Audits. Es soll zwischen 15.000 und 25.000 Euro pro Jahr liegen. Für die Summe würde selbst ein Lufthansa-Vorstand morgens nicht aufstehen.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de

Datum: 07.12.2017 - 09:14

Adresse: http://www.airliners.de/das-fuenf-sterne-laecheln-carsten-spohr-die-born-ansage/43076