Das Condor-Wunder

29.03.2016 - 12:34 0 Kommentare

Mit 60 Jahren ist Condor trotz aller Konkurrenz beliebt wie eh und jeh. Das hat airliners.de-Herausgeber David Haße über die Feiertage selbst ermittelt. Ein österlicher Gedankenflug über eine Wunder-Marke samt wahrhaftiger Wiederauferstehung.

EIn Kind schaut auf ein Flugzeug der Condor. - © © Condor -

EIn Kind schaut auf ein Flugzeug der Condor. © Condor

Liebe Leserinnen und Leser!
Nachrichten aus der deutschen Luftverkehrsbranche bestimmen bei airliners.de das Tagesgeschäft. Doch abseits der harten News machen wir uns auch Gedanken über das nicht so Offensichtliche. Mit unseren "Gedankenflügen" wollen wir Sie daran teilhaben lassen und hoffen, die eine oder andere Anregung geben zu können.
Ihre airliners.de-Redaktion

Man kann dieser Tage viel über Condor lesen, und das nicht ohne Grund: Der Ferienflieger feiert 60. Geburtstag. Manche wundern sich zwar über den genauen Termin, aber das ist mir alles egal. Wirklich interessant ist doch, dass der Name Condor eigentlich schon beerdigt war.

Es war Anfang des Jahrtausends und die Billigflieger eroberten gerade den europäischen Kontinent. Überall in der Luftfahrt ging es darum, schnell zu wachsen und sich ein möglichst großes Stück vom europäischen Luftverkehrskuchen zu sichern.

In Deutschland wurde die Germanwings gegründet und Ryanair führte einen PR-Kampf mit Lufthansa. Auf der Insel tobte der Billigflieger-Krieg ebenfalls, vielleicht erinnern Sie sich: Der Ryanair-Chef fuhr damals sogar mit einem Panzer vor das Easyjet-Hauptquartier.

Auch in der Touristik waren das spannende Jahre. Die Preussag AG hatte sich in Tui AG umbenannt und viele Marken unter der neuen "World of Tui"-Marke versammelt. Da wollte Thomas Cook nicht hinten anstehen: Die große Touristik-Marke auf allen eigenen Airlines zu zeigen, erschien Tomas Cook da als geeignete Idee.

Umbenennung in Thomas Cook Airline

Aus der britischen Thomas-Cook-Fluggesellschaft JMC-Airlines (zuvor entstanden aus Flying Colours Airlines und Caledonian Airway) wurde die Thomas Cook Airlines. In Belgien wurde die Thomas Cook Airlines Belgium gegründet und in Deutschland, nun ja: Da wurde der Markenname Condor begraben. Kurz vor dem 50. Condor-Geburtstag bekamen die Condor-Flugzeuge frischen Lack im Thomas-Cook-Design.

Und da geschah das Wunder: Genau wie die Condor nach und nach von der Bildfläche verschwand, verschwanden auch die Passagiere. "Thomas Koch, wer ist das?", fragte sich wohl das klassische deutsche Ferienflieger-Klientel und hielt einen der führenden europäischen Touristik-Anbieter nur für einen weiteren neuen Billigflieger. Da stieg man lieber nicht ein. Für den deutschen Urlauber musste es schon die Condor sein.

Die Marke kam also wieder und das ist schon ein Phänomen. In der Tat hält sich der Markenname Condor auch heute noch extrem gut: "Marke des Jahres", "Kundenliebling 2015", "Beliebteste Airline der Deutschen" sind nur einige der Auszeichnungen, die der Ferienflieger selbst in Zeiten schwindender Markenloyalität im Airlinebereich für sich verbuchen darf.

© dpa, Caroline Seidel Lesen Sie auch: Fluggesellschaften sind aus Kundensicht komplett austauschbar

Ich habe über die Osterfeiertage meine eigene, höchst unrepräsentative Umfrage gestartet: "Condor, das ist wenigstens noch Qualität", sind sich meine Verwandten und Bekannten sicher. Dass es an Bord von Condor heute vielfach wie bei einem Billigflieger zugeht, finden nicht wenige schade. Aber die Schuld dafür geben sie nicht der Condor: "Das macht Condor nur, um gegen die Billigflieger anzukommen" so die vorherrschende Meinung - wobei Billigflieger allgemeinhin als böse gelten.

Aus Condor-Sicht haben die Befragten dabei sogar den richtigen Riecher. Zum 60. muss sich Condor aktuell tatsächlich gegen eine fast übermächtige neue Konkurrenz beweisen. Zum Geburtstag wünsche ich der Condor daher genau das, was schon mal geholfen hat: ein kleines Wunder, und zwar immer wenn es darauf ankommt.

© AirTeamImages.com, nustyR Lesen Sie auch: 60 Jahre nach ihrer Gründung steht Condor unter Druck

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
Interessant? Beitrag weiterempfehlen:

Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Nachrichtennewsletter.

Anzeige schalten »
Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten

Mehr Stellenangebote » Mehr Luftfahrt-Trainings »
Anzeige schalten »