Das steht in der Bilanz der Berliner Airports

03.07.2018 - 07:15 0 Kommentare

Jahresbilanz der FBB: Das Gesamtminus der Berliner Flughäfen wird kleiner, aber die Prognose ist schlecht. Einzig der Flughafen, den man schließen will, glänzt.

FBB-Schild über dem Verwaltungsgebäude des Flughafens Tegel - © © dpa - Soeren Stache

FBB-Schild über dem Verwaltungsgebäude des Flughafens Tegel © dpa /Soeren Stache

Die Berliner Flughäfen haben im Geschäftsjahr 2017 ihr Minus verringert: Der Konzernfehlbetrag sank um 17,6 Prozent von -101,4 auf -83,6 Millionen Euro. Dies geht aus dem Geschäftsbericht der Flughafengesellschaft Berlin/Brandenburg (FBB) hervor.

Der Umsatz hingegen stieg im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf über 392,4 Millionen Euro an. Den größten Anteil daran macht neben dem Aviation-Geschäft der Bereich Commercial aus, wobei dessen Effekt auf den Gesamtumsatz rückläufig ist:

Aufteilung der FBB-Umsatzerlöse 2016 und 2017 nach Segmenten. Quelle: FBB, Darstellung: airliners.de

Die Eigenkapitalquote erhöhte sich 2017 um über drei Punkte auf 26,7 Prozent. Das Eigenkapital stieg um knapp 21 Prozent auf über 1,2 Milliarden Euro. Hingegen nahm der Mittelzufluss aus dem laufenden Geschäft (operativer Cash-Flow) um 21,2 Prozent auf 86.546 Euro ab.

Air-Berlin-Insolvenz drückt Tegel-Einnahmen

Dass der Umsatz im Non-Aviation-Bereich insgesamt gestiegen ist, mag auch an der Entwicklung des Cityairports Tegel liegen. Dieser wird von der BFG, einer hundertprozentigen Tochter der FBB betrieben. So ist dort mit einem Ergebnis unterm Strich von rund 112 Millionen Euro zwar nicht das Niveau aus 2016 erreicht worden, dennoch konnte das Retail- und Gastronomieangebot "weiter optimiert" werden.

Allerdings wurden die daraus resultierenden Erlöse von der Air-Berlin-Insolvenz wettgemacht. Besonders stark sei die Pleite in den Bereichen Duty Free und Parken zu spüren gewesen. Bei Letzterem konnte trotz erhöhter Gebühren beispielsweise nicht der Vorjahreswert erreicht werden.

Schönefeld punktet mit Parken

Der Airport Schönefeld hingegen konnte in fast allen Bereichen deutlich zulegen. Insbesondere das Parken und der Einzelhandel trugen maßgeblich zur Ertragssteigerung bei. Die Parkerlöse stiegen über 20 Prozent, was die FBB vor allem auf die Eröffnung des Parkhauses P4 und den Ausbau der Online-Vorausbuchungsplattform zurückführt.

Pünktlichkeit

Beide Berliner Airports lagen im vergangenen Jahr hinsichtlich der Pünktlichkeit unter dem Durchschnittswert deutscher Airports (75,8 Prozent). Schönefeld verpasste diesen Wert mit über zwei Punkten verschlechterten 75,4 Prozent nur knapp. Tegel hingegen rutschte gar um fast sieben Punkte im Vorjahresvergleich ab: Hier lag der Wert nur noch bei 72,9 Prozent. Maßgeblich dafür verantwortlich sei laut FBB der Abfertigerwechsel der Air Berlin im März. Statt auf die Dienste von Wisag setzte der Carrier dann auf Aeroground und kämpfte mit massiven Problemen. Erst nach dem Marktaustritt der insolventen Airline Ende Oktober habe sich die Situation in Tegel wieder erholt.

Quelle: FBB, Darstellung: airliners.de

Langfristig sollen Schönefeld und Tegel durch den neuen Hauptstadtflughafen BER ersetzt werden. Dessen Eröffnung ist abermals verschoben worden und nun für Herbst 2020 geplant. Durch die erneute Verschiebung des Eröffnungstermins ergeben sich insgesamt Rückstellungen in Höhe von 51,4 Millionen Euro.

Termin für Tegel-Schließung

Sechs Monate nach Inbetriebnahme beider Bahnen am BER muss Tegel geschlossen werden. Dies soll spätestens am 30. April 2021 geschehen. Das Terminal 1 des Flughafen Schönefelds soll bis 2025 parallel zum BER im sogenannten "Double-Roof-Betrieb" weiter existieren.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Rückstellungen zwischen den Jahren 2010 und 2017; die Pfeile markieren jeweils die Termine, an denen der anvisierte BER-Eröffnungstermin verschoben wurde. Quelle: FBB, Darstellung: airliners.de

Für Tegel hat die FBB im vergangenen Jahr 9,1 Millionen Euro zurückgestellt. Allerdings schließt sie nicht aus, dass noch weitere Belastungen entstehen. Denn mit der Schließung des Cityairports könnten "Kosten für die Beseitigung von Gebäudeschadstoffen sowie für die Sanierung von Bodenaltlasten entstehen". Deren Umfang könnte man erst nach entsprechenden Gutachten abschließend feststellen.

Wirtschaftliche Prognose ist pessimistisch

Bei der Prognose ist die FBB wenig optimistisch. So erwartet sie insgesamt für den Standort Berlin im laufenden Jahr zwar eine Steigerung der Fluggastzahlen um rund 5,5 Prozent auf dann 35,2 Millionen. Beim Wachstum liege der "Schwerpunkt auf dem Bestandsflughafen Schönefeld". Allerdings erwartet die FBB ein Gesamtergebnis von minus 117 Millionen Euro - das wäre eine Verluststeigerung von fast 40 Prozent.

Von: cs
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Maschine beim Landeanflung am Airport Berlin-Tegel Mehr Schallschutz für Tegel erst ab 2020

    In Berlin-Tegel bekommen die Anwohner mit zehnjähriger Verspätung mehr Schallschutz - womöglich kurz vor der Airport-Schließung. Das wird auf jeden Fall Millionen kosten, die Schätzungen gehen in die Milliarden.

    Vom 23.10.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Flughafen BER Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »