Hintergrund

Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist im Sparmodus

17.06.2016 - 11:16 0 Kommentare

Der Verlust seiner Finanzchefin ist nicht die einzige Baustelle für Lufthansa-Chef Carsten Spohr. In einer erfolgreichen Phase des Geschäftsverlaufs muss er die Kosten in den Griff bekommen.

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. - © © dpa - Arne Dedert

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. © dpa /Arne Dedert

Trotz des Rekordgewinns im vergangenen Jahr zieht die Lufthansa in allen Bereichen die Kostenbremse an. Die vom Billig-Kerosin gestützte Luftverkehrs-Konjunktur kann sich schnell abkühlen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich bis dahin viel vorgenommen, um Europas größten Luftverkehrskonzern neu aufzustellen.

Lufthansa Cargo
Die Frachtsparte der Lufthansa leidet unter den vom Billigkerosin angeheizten Überkapazitäten am Markt. Reine Frachtflugzeuge voll zu bekommen, wird immer schwieriger, weswegen Lufthansa Cargo nun 80 Millionen Euro im Jahr sparen soll. Weltweit fallen 800 Vollzeitstellen weg, davon 500 in Deutschland. Und der Bau des neuen Frachtzentrums am Drehkreuz Frankfurt ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

LSG Sky Chefs
Die Cateringsparte stand im Konzern schon öfters auf der Kippe. Nun will Lufthansa den Weltmarktführer in Sachen Bordverpflegung bis 2021 selbst auf Niedrigkosten trimmen. In Deutschland wackelt jede dritte von 5500 Vollzeitstellen, wenn zumindest die simplen Gerichte für die Europastrecken in Tschechien billiger zubereitet werden. Die Gewerkschaft Verdi sieht sich getäuscht, weil die Mitarbeiter in den Großküchen schon seit 2013 auf Gehaltsteile verzichtet haben, um ihre Arbeitsplätze zu sichern. Betriebsbedingte Kündigungen sind aber nur bis Ende 2020 ausgeschlossen.

© dpa, Daniel Reinhardt Lesen Sie auch: Lufthansa will Jobs bei Catering-Tochter LSG Sky Chefs streichen

Lufthansa Technik
Trotz deutlicher Gewinnsteigerung im vergangenen Jahr muss auch der Weltmarktführer der Flugzeugwartung sparen. Um den Zuschlag für Langzeitverträge für neue Triebwerkstypen zu erhalten, müssten die Kosten insbesondere an den deutschen Standorten sinken. Schon heute arbeitet mehr als die Hälfte der über 20.000 Lufthansa-Techniker an ausländischen Standorten.

Ausbau Eurowings
Lufthansa hat in diesen Tagen vorgestellt, wie sie sich die Zusammenarbeit mit anderen Gesellschaften unter dem Markendach "Eurowings" vorstellt. Das Konzept "Wingsconnect" reicht vom simplen Leasing einzelner Flugzeuge samt Crew bis hin zu Kapitalverflechtungen zwischen der Partner-Airline und Eurowings. Angeblich gibt es bereits ein knappes Dutzend Interessenten. Das Angebot dürfte vor allem für kleinere Gesellschaften in Nord- und Osteuropa interessant sein, die alleine nicht überlebensfähig sind. Lufthansa kann so billiges Personal einsetzen, ohne die Leute selbst einzustellen.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Eurowings soll Ryanair auf Augenhöhe begegnen

Nach Einschätzung des Luftfahrtexperten Heinrich Großbongardt muss die Eurowings schnell wachsen, um mit kostengünstigeren Konkurrenten wie Ryanair, Easyjet oder Wizz Air einigermaßen mithalten zu können. Das Konzept sehe Geschäftsbeziehungen vor, die in der Industrie bereits seit längerem erprobt seien. "Für kriselnde Airlines ist das vielleicht der letzte Strohhalm, für Lufthansa ein Höchstmaß an Flexibilität." Bleibt die Frage, wie die neuen Airlines auf ein akzeptables Service-Niveau gehievt werden können. "Zur Sicherheit wird es sicherlich strenge Vorgaben geben. Es bleibt aber darüber hinaus sehr schwierig, mit so vielen Partnern ein homogenes Produkt zu organisieren", meint Berater Gerald Wissel.

Komplettübernahme Brussels Airlines
Eigentlich war die Komplettübernahme der bisherigen 45-Prozent-Beteiligung schon beschlossene Sache, bis die Terrorangriffe auf den Brüsseler Flughafen die Lage dramatisch verschärften. Lufthansa will jetzt bis Oktober entscheiden, ob sie die auch im kommenden Jahr noch bestehende Option bei Brussels zieht. Die 23 Airbus-Jets aus der A320-Familie würden gut in die noch zu kleine Eurowings-Flotte passen. Umstritten ist die Zukunft der zahlreichen Afrika-Verbindungen der ehemaligen belgischen Staats-Airline.

Konzern-Vorstand
Der Abgang von Finanzchefin Simone Menne zum Pharma-Hersteller Boehringer Ingelheim hinterlässt eine deutliche Lücke im Vorstand. Da ihr Abschied intern schon länger diskutiert wurde, ist die Suche nach einem geeigneten Nachfolger schon weit gediehen, heißt es in Unternehmenskreisen. Spohr soll sich dafür stark gemacht haben, einen externen Finanzexperten an Bord zu holen und nicht erneut auf eine interne Lösung zu setzen.

© dpa, Fredrik von Erichsen Lesen Sie auch: Lufthansa-Finanzchefin Menne verlässt Konzern

Tarifverhandlungen
Die komplexen Tarifkonflikte mit den Piloten und den Flugbegleitern sind trotz zuletzt positiver Signale immer noch nicht ausgeräumt. Die nun konkreteren Pläne zum Einsatz ausländischer Gesellschaften unter dem Wings-Dach dürften die Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit nicht versöhnlicher stimmen.

Von: ch, dpa
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