Hintergrund

Das sind die Baustellen des Airport-Betreibers Fraport

04.11.2016 - 11:02 0 Kommentare

Einen Rekordgewinn - wie im laufenden Jahr erwartet - wird der Flughafenbetreiber Fraport 2017 kaum wiederholen können. Zu groß sind die Baustellen des MDax-Konzerns im In- und Ausland.

Der Fraport-Schriftzug ist auf einem Kugelschreiber zu sehen. - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Der Fraport-Schriftzug ist auf einem Kugelschreiber zu sehen. © dpa /Frank Rumpenhorst

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport erwartet in diesem Jahr einen Rekordgewinn von bis zu 440 Millionen Euro. Doch der ist wesentlich auf Sondergewinne zurückzuführen, die 2017 nicht mehr anfallen.

Eine richtige Wachstumsstory fehlt dem MDax-Konzern, der mehrheitlich vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt kontrolliert wird. Dafür droht jede Menge Ärger mit der Stammkundschaft Lufthansa und Co. Ein Überblick über die Baustellen der Fraport:

Lahmende Auslandsbeteiligungen
Von neun Fraport-Flughäfen weltweit haben fünf in den ersten neun Monaten des Jahres sinkende Passagierzahlen berichtet. Vor allem auf politische Entwicklungen ist dies im türkischen Antalya und in St. Petersburg zurückzuführen. An dem von ihnen maßgeblich entwickelten russischen Flughafen ist es den Frankfurtern gelungen, einen Zehn-Prozent-Anteil mit einer deutlich zweistelligen Rendite an den Staatsfonds von Katar weiterzugeben.

Fraport bleibt dort aber Betreiber und Eigner von 25 Prozent und ist so weiter davon abhängig, ob Putin sein Land aus der wirtschaftlichen Isolation führen will. In der Türkei schrecken Erdogan-Regime und Terror unverändert westliche Touristen ab, während immerhin die türkisch-russischen Unstimmigkeiten ausgeräumt sind und die russischen Touristen langsam zurückkommen.

Streit um Billigflieger
Ans Fraport-Heimatdrehkreuz Frankfurt kommen in diesem Jahr weniger Passagiere als im Vorjahr. Gründe für den ersten Rückgang seit der Finanzkrise 2009 sind auch hier die geopolitische Lage und die Terrorangst vor allem asiatischer Touristen. Zudem lahmt das Drehkreuz-Geschäftsmodell der Lufthansa. Fraport-Chef Schulte will daher auch den einheimischen Markt besser abdecken und endlich ein relevantes Billigflieger-Angebot aufbauen.

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: Fraport-Chef Schulte verteidigt Neukundenrabatt

Die Billig-Airlines haben Frankfurt bislang wegen hoher Gebühren und langer Abfertigungszeiten gemieden. Im März wird Ryanair jedoch am Standort eine Basis eröffnen. Um den Low-Cost-Carriern stärker gerecht zu werden, will Schulte die Abläufe an Deutschlands größtem Airport verbessern. Dass Fraport Ryanair mit einem Erstkundenrabatt ködert, ist den alteingesessenen Airlines mit der Lufthansa an der Spitze sauer aufgestoßen. Sie drohen mit Abschlägen bei ihren Gebühren.

Sparsame Passigere
Es kommen nicht nur weniger Passagiere in die Terminals, sie geben dort auch weniger aus. Fraport ist an seiner Heimatbasis im hohen Maß von den Umsätzen der Einzelhändler abhängig. Pro Passagier blieben in den ersten neun Monaten nur noch 3,38 Euro (Vorjahr: 3,49 Euro) beim Flughafenbetreiber hängen.

Vor allem Gäste aus Asien haben wegen der Terrorgefahr ihre Europareisen gestrichen. Die verbliebenen Chinesen leiden zudem wie die Russen unter der Abwertung ihrer Landeswährung gegenüber dem Euro. Hohe Anlaufkosten verursacht zudem eine neue Marketing-Plattform für die Flughafenhändler im Internet.

Griechenland
Die Fraport-Regionaltochter Griechenland befindet sich auf der Zielgeraden eines Verhandlungs-Marathons: Bis Ende Februar 2017 soll sie endgültig alle 14 bislang staatlichen Regionalflughäfen übernehmen, auf die man sich mit der griechischen Regierung geeinigt hatte. Mitte Oktober wies der höchste Gerichtshof Areopag die letzten Einsprüche von Regionalverwaltungen ab, die sich gegen die Übernahme gewehrt hatten.

© AirTeamImages.com, Alex Filippopoulos Lesen Sie auch: Fraport komplettiert Führungsmannschaft für griechische Airports

Die Griechen sind in der Frage weiter gespalten: Gewerkschaften sehen das Fraport-Engagement kritisch, sie fürchten Einsparungen und Entlassungen. Stattdessen gab es nun jedoch eine erste Welle von 550 Fraport-Jobangeboten, auf die binnen kürzester Zeit mehrere Tausend Bewerbungen eingingen, wie griechische Medien berichteten. Fraport hat nach eigenen Angaben die 14 Flughäfen mit einer einheitlichen IT vernetzt und die notwendigen Baumaßnahmen definiert. Im ersten Jahr sollen 200 Millionen Euro umgesetzt werden, ein Gewinn werde aber nicht erzielt.

Zögerliche Investitionen
Frankfurt ist nicht der Flughafen Berlin-Brandenburg, doch auch am Main brauchen Flughafengebäude lange Planungszeiten. Wohl auch wegen der mageren Passagierentwicklung hat es Fraport mit dem bereits begonnenen Terminal 3 nicht mehr besonders eilig. Man nimmt sich mehr Zeit für die Planung, weil bei einer Kapazität von 14 Millionen Passagieren erst einmal Mieter gefunden werden müssen. Das entspricht immerhin der jährlichen Passagierzahl des Flughafens Hamburg, der deutschen Nummer fünf.

© dpa, Fraport AG Lesen Sie auch: Kosten für Frankfurter Terminal 3 könnten höher als geplant ausfallen

Ein Low-Cost-Terminal solle nicht entstehen, sagt Schulte. Die Eröffnung des umstrittenen Gebäudes soll nun im Jahr 2023 stattfinden. Die Lufthansa Cargo hat den Bau ihres neuen Frachtzentrums wegen des schwächelnden Geschäfts auf unbestimmte Zeit verschoben.

Von: Christian Ebner, dpa, ch
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