Jahresvorschau

Das kommt in diesem Jahr

01.01.2018 - 08:00 0 Kommentare

Ein neues Jahr Luftfahrt: Willkommen in 2018, liebe Leser! airliners.de gibt zum Jahresstart einen Ausblick auf Themen, die uns in den kommenden zwölf Monaten höchstwahrscheinlich beschäftigen werden.

Hier finden Sie die airliners.de-Jahresvorschau für die Luftfahrtbranche.Foto: © AirTeamImages.com, Weimeng

Die Luftverkehrswirtschaft boomt. Im vergangen Jahr sind weltweit rund 4,1 Milliarden Menschen geflogen, teilte die Iata mit. Laut des deutschen Flughafenverbandes ADV nutzten 2017 rund 235 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen. Und für 2018 wird weiteres Wachstum prognostiziert. So werde die Passagiernachfrage voraussichtlich um 4,2 Prozent und das Frachtaufkommen um 5,1 Prozent steigen.

Fluggesellschaften

Nach der Air-Berlin-Insolvenz im vergangenen Sommer und der Aufteilung der Airline an Lufthansa, Easyjet und IAG steht 2018 die Neuordnung am Himmel an.

Der britische Billigflieger Easyjet wird viele Kapazitäten am größten Air-Berlin-Flughafen Berlin-Tegel übernehmen. Ab 5. Januar startet der Low-Cost-Carrier mit 19 Strecken am Cityairport: darunter 15 europäische Verbindungen und mit Düsseldorf, Frankfurt, München und Stuttgart vier innerdeutsche Routen. Im Sommer soll das Angebot erweitert werden. Bis zum Herbst will Easyjet 25 Maschinen in Tegel stationieren.

Neben den Briten werden auch viele kleinere Carrier Berlin-Tegel in den Flugplan aufnehmen. Die luxemburgische Luxair übernimmt seit Neujahr die ehemalige Air-Berlin-Strecke zwischen Berlin und Saarbrücken. Und auch Ryanair hatte angekündigt, sich um Tegel-Slots zu bewerben. Die Entwicklung des innerdeutschen Flugverkehrs nach dem Air-Berlin-Ende bleibt spannend.

Mächte am deutschen Himmel

mit Air Berlin
in Prozent
Lufthansa 32
Eurowings
(inkl. 4U)
12
Air Berlin 9
Ryanair 7
Easyjet 3
Restliche
Airlines
37

ohne Air Berlin
Angaben in Prozent
Lufthansa 37
Eurowings 15
Ryanair 6
Easyjet 6
Restliche
Airlines
36

Die Grafiken zeigen die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab deutschen Airports einmal (links) zur Zeit der Air Berlin im vergangenen Sommerflugplan (Stand: 15. August) und einmal (rechts) zur Zeit nach Air Berlin im laufenden Winterflugplan (Stand: 29. August). "Restliche Airlines" sind alle mit weniger als drei Prozent Marktanteil. Angaben gerundet. | Quelle: ch-aviation

Um die Air-Berlin-Lücken auf der Langstrecke ab Berlin zu schließen, übernahm die Lufthansa nach der Pleite Verbindungen in die USA. Ab Januar werden diese Verbindungen dann auf die eigene Billigtochter Eurowings übertragen. Und ab Sommer startet Brussels für Eurowings auch mit der neuen "Bizz Class" ab Düsseldorf in die USA.

Abwicklung

Die Abwicklung der bei Air Berlin verbliebenen Teile wird wohl noch Jahre dauern. Im November wurde planmäßig das Insolvenzverfahren eröffnet. Im nächsten Schritt wird nun das Vermögen der Airline verwertet und die daraus gewonnene Masse an die Gläubiger verteilt. Diese können nach Informationen von airliners.de bis Februar ihre Forderungen geltend machen. Wenn alles verteilt ist, folgt dann die Aufhebung des Insolvenzverfahrens.

Allerdings kann gerade das Anfechten der Gläubiger-Ansprüche noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Sind Forderungen nicht "insolvenzfest", also wurden sie schon vor der Insolvenzanmeldung bedient, fallen sie heraus und die Masse, aus der die Forderungen bedient werden, nimmt zu. Über die Details gibt es häufig langwierige Rechtsstreitigkeiten.

  • Bedient werden nacheinander:
  • "Masseschulden" (Insolvenzverwalter und –gericht, §§ 53 ff InsO);
  • Absonderungsberechtigte Gläubiger (diejenigen, denen Sicherheiten gegeben wurden, §§ 49 bis 51 InsO);
  • Insolvenzgläubiger (nach einer ermittelten Quote - in der Realität oft gar nichts).

Spannend bleibt auch, wie sich die Übernahme der Alitalia weiter gestaltet. Nach letzten Meldungen ist nur noch der Lufthansa-Konzern im Rennen um den ehemaligen italienischen Staats-Carrier. Als wichtigster Knackpunkt bei den Verhandlungen gilt der Abbau von Jobs – Lufthansa will 2000 Stellen streichen, die italienische Regierung maximal die Hälfte. Im März stehen in Italien Wahlen an und der Kranich hofft eine neue Regierung, die den Übernahmeplänen gegebenenfalls offener gegenübersteht.

Im Dezember hat die irische Ryanair erstmalig in ihrer Unternehmensgeschichte Gewerkschaften anerkannt und zu Gesprächen eingeladen, allerdings erst nach massivem Druck verschiedener europäischer Interessenvertretungen. Die erste Runde der Gespräche des Billigfliegers mit der irischen Impact Trade Union verlief aus Sicht der Arbeitnehmervertreter "enttäuschend". Weitere Gespräche sind für den 3. Januar geplant. Der deutschen Vereinigung Cockpit (VC) hat der Low-Cost-Carrier ein Gespräch für den 5. Januar in Frankfurt angeboten.

© AirTeamImages.com, Simone Ciaralli Lesen Sie auch: "Personalprobleme sind der Hauptgrund" Interview

Nach dem Tariffrieden, den Eurowings mit deutschen Gewerkschaften erzielt hat, richtet sich der Blick nun nach Österreich: Die dortige Vida verhandelt wieder über einen Kollektivvertrag für die Beschäftigten der Eurowings Europe. Nach airliners.de-Informationen kam es kurz vor Weihnachten zur Wiederaufnahme der offiziellen Vertragsverhandlungen. Ehemalige Mitarbeiter der Air Berlin sollen bei der tariflosen Eurowings Europe angestellt werden und in Deutschland zum Einsatz kommen. Auch nach der Einigung mit der VC widersprach Eurowings-Operations-Chef Michael Knitter dem nur sehr schwammig.

&Copy; AirTeam Images, Chris Jilli Lesen Sie auch: So will Eurowings 2018 wachsen Ausblick

Ansonsten herrscht im Lufthansa-Konzern im kommenden Jahr Tariffrieden. Mit den Piloten ist kürzlich nach 14 Streikrunden ein neuer Konzerntarifvertrag geschlossen worden und auch die Kranich-Flugbegleiter sind noch bis Juni 2019 an den Tarifvertrag gebunden, der 2016 vom Schlichter Matthias Platzeck auf den Weg gebracht worden war.  

Flughäfen

Die Öffnung für Billigflieger beschert dem Frankfurter Flughafen weiteres Wachstum. Ryanair ist seit März am Heimatdrehkreuz der Lufthansa aktiv und will im Sommer 38 Strecken anfliegen. Lufthansa-Billigtochter Eurowings bekommt keine Rabatte von Fraport - unverzüglich hat der Kranich seine A380-Jets vom Main abgezogen und will dort lauteres Fluggerät stationieren. Auch hat Eurowings noch keine eigene Basis am Airport angekündigt; sie will Deutschlands größten Airport lediglich anfliegen.

Kapaztitäten in Frankfurt
Angaben in Prozent
Lufthansa 62.5
Condor 3.0
Ryanair 2.9
Austrian Airlines 2.0
United Airlines 1.8
Emirates 1.5
Restliche Airlines 26.3

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab dem Airport Frankfurt im laufenden Winterflugplan bis Ende März 2018. "Restliche Airlines" sind alle mit jeweils weniger als 1,5 Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-aviation, Stand: 29. Dezember 2017

Der Flughafen München dringt seit langem auf den Bau einer dritten Start- und Landebahn. Bisher konnten sich die drei Gesellschafter, das Land Bayern, der Bund und die Stadt München nicht auf eine gemeinsame Linie einigen.

Im Frühjahr 2018 will sich der Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH erneut treffen, um einen Konsens zu erreichen. Bisher macht die Stadt München von ihrem Veto-Recht Gebrauch. Der wahrscheinlich zukünftige bayrische Ministerpräsident Marcus Söder strebt "eine demokratische Lösung mit der Landeshauptstadt an" - er möchte die Münchner-SPD vom ihrem Nein abbringen.

© FMG, Lesen Sie auch: Diese Faktoren prägen die Pisten-Diskussion in München Hintergrund

Auch am Airport Düsseldorf wird es eng. Daher möchte der Flughafen seine Kapazitäten um bis zu 16 Prozent auf 318.000 Flugbewegungen ausweiten dürfen. In Spitzenzeiten sollen künftig 60 statt 47 Starts und Landungen pro Stunde erlaubt sein. Der Airport argumentierte jüngst, dass die Slots 2018 knapp würden - Gegner rechnen mit erhöhter Lärmbelastung, vor allem in der Nacht. Eine Entscheidung des NRW-Verkehrsministeriums steht noch aus. Im Sommer könnte es eng am Airport werden.

Kapazitäten am Flughafen Düsseldorf
Angaben in Prozent
Eurowings 36.9
Lufthansa 10.2
Niki 4.2
Condor 3.0
Weitere
Airlines
45.7

Die Grafik zeigt die Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten auf Flügen ab dem Airport Düsseldorf im laufenden Winterflugplan bis Ende März 2018. "Weitere Airlines" sind alle mit einem Anteil von weniger als drei Prozent. Angaben gerundet.Quelle: ch-aviation, Stand: 27. Dezember 2017

Die Berliner Flughafenbaustelle BER benötigt frisches Geld. "Aus der geplanten Eröffnung im Oktober 2020 ergibt sich ein zusätzlicher Finanzbedarf", erklärte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup nach der letzten Aufsichtsratssitzung. Der Aufsichtsrat werde im März darüber beraten, wie die Fertigstellung finanziert werden kann. Auch muss im kommenden Jahr eine Entscheidung zur Offenhaltung des Cityairports Tegel fallen. In einem Volksentscheid hatte sich die Mehrheit der Berliner für einen Weiterbetrieb ausgesprochen.

Der Flughafen Hahn gehört seit vergangenem Jahr mehrheitlich dem chinesischen Mischkonzern HNA. Die Betreiber planen einen Ausbau des Cargo-Geschäfts und wollen zukünftig drei wöchentliche Passagierflüge vom Hunsrück nach China anzubieten. In diesem Jahr werden wohl vereinzelte Flüge angekündigt und frühestens 2019 regelmäßige China-Verbindungen durchgeführt.

Messen 2018

  • ITB (7.-11. März, Berlin);
  • Aircraft Interiors Expo (10.-12. April, Hamburg);
  • AERO – Messe für Allgemeine Luftfahrt (18.-21. April, Friedrichshafen);
  • ILA Berlin – Messe für Luft- und Raumfahrt (25.-29. April, Berlin);
  • Farnborough Airshow (16.-22. Juli, Farnborough);
  • 13. AIRTEC – International Aerospace Supply Fair (23.-25. Oktober, TBA (Deutschland));
  • Bahrain International Airshow (14.-16. November, Bahrain);

Politik

Mit Spannung werden im Januar die Sondierungsgespräche zwischen CDU/CSU und SPD erwartet. Vier Monate nach der Bundestagswahl steht nach der Jamaika-Absage der FDP immer noch keine neue Regierung. Auch die bisherigen Minister aus dem Kabinett Merkel III sind kommissarisch im Amt. Da der ehemalige CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt zwischenzeitlich zum Landesgruppenchef seiner Partei ernannt wurde, hat Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Posten Dobrindts geschäftsführend übernommen. Die Luftfahrt wartet bei wichtigen Themen auf Entscheidungen der Politik.

© dpa, Sebastian Gollnow Lesen Sie auch: Das fordert die Branche von der Politik Bundestagswahl

Von: airliners.de
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