Darum schiebt Lufthansa weitere Maschinen nach München

04.10.2018 - 07:09 0 Kommentare

Lufthansa verlegt einen "Großteil der A340-Flotte" im Sommer von Frankfurt nach München. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, wie gut der bayerische Airport schon jetzt ins Kranich-Netz eingebunden ist.

Triebwerke eines Vierstrahlers. - © © Leonard Niemann -

Triebwerke eines Vierstrahlers. © Leonard Niemann

Trotz geringerer Fluggastzahlen setzt Lufthansa beim Wachstum weiter mehr auf den bayerischen Hub als auf den Heimatflughafen Frankfurt. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen jedoch, dass der Airport vor allem im Bereich des innerdeutschen Hub-Feedings vor dem Konkurrenten am Main liegt.

Demnach flogen Airlines im Juli 20 Prozent mehr Passagiere von deutschen Airports nach München als nach Frankfurt. Insgesamt waren es fast 420.000, wohingegen Frankfurt "nur" auf rund 353.000 kommt. Für das erste Halbjahr 2018 zeigen die Zahlen einen ähnlichen Trend.

Von deutschen Flughäfen zu Lufthansa-Hubs
nach Frankfurt nach München
TXL 102437 86620
BRE 14558 14654
DTM 0 9736
DRS 15032 8257
DUS 21528 63784
FRA 0 51545
FDH 7287 0
HAM 72244 81980
HAJ 17007 21670
CGN 0 44267
LEJ 14017 5958
MUC 54413 0
FMO 6911 8620
NUE 11528 4945
PAD 1491 5692
RLG 0 1787
SCN 0 637
STR 14516 9149

Die Grafik zeigt die Zahl der im Juli 2018 von deutschen Flughäfen nah Frankfurt und/oder München beförderten Passagiere. Quelle: Statistisches Bundesamt

Gleichzeitig profitiert das Lufthansa-Drehkreuz München auch davon, innerdeutsch besser angebunden zu sein. In diesem Jahr gibt es insgesamt von 16 der 24 deutschen Flughäfen Verbindungen nach München. Frankfurt als Heimatdrehkreuz des Kranichs kommt hingegen lediglich auf 13 innerdeutsche Zubringer.

Kenner weisen daraufhin, dass München für Umsteiger strategisch günstiger liegt als Frankfurt. Gerade im Europaverkehr sind die Verbindung von Zubringer- und Hauptstrecke meist gerade möglich. Im Inlandverkehr sind die Zubringerstrecken deutlich länger und wesentlich kostengünstiger bei ansonsten gleichen Gesamtentfernungen. Im interkontinentalen Umsteigerverkehr fallen diese Aspekte nicht so sehr ins Gewicht.

Umstationierung weiterer Maschinen

Der Konzern hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, sich beim Wachstum vor allem auf den Hub München zu konzentrieren. Die Expansion in Frankfurt wolle man "drosseln". So solle beispielsweise ein Großteil der A340-600-Flotte vom Main an die Isar wechseln.

Das Pikante dabei: Mehrere der Vierstrahler waren erst kürzlich von München nach Frankfurt verlegt worden, um die Umstationierung von fünf A380-Jets abzufedern. Apropos Doppelstöcker: Ab 2020 könnten "perspektivisch" weitere A380-Flugzeuge von Frankfurt nach München wechseln.

Auch hat der Konzern nach eigener Aussage noch nicht über die Stationierung der zwischen 2020 und 2025 auszuliefernden Boeing-777-X-Jets entschieden. Dass die insgesamt 34 bestellten Maschinen am eigentlichen Heimat-Drehkreuz Frankfurt unterkommen, sei noch nicht sicher: "Wir wachsen dort, wo Kosten und Qualität stimmen", sagte Drehkreuz-Chef Harry Hohmeister.

Vorwurf des "Slot-Hortens"

Doch Frankfurt nimmt Lufthansa nicht nur Maschinen weg: Im Sommer würden CRJs und weitere A319-Jets zum Main geschoben - "um den Zubringerverkehr abzusichern". Für Verkehrsexperte Manfred Kuhne ist die Entscheidung für kleineres Fluggerät nach Frankfurt auch noch aus einer anderen Sichtweise sinnig: Slots.

"Lufthansa wird in Frankfurt keine Slots abgeben wollen, sondern hier wie auf allen hochbelasteten Flughäfen versuchen, weitere Slots für sich zu sichern", so Kuhne. "Wenn man 'normale' Flugzeuge zur Taktverdichtung oder gar Streckenneuaufnahme nicht wirtschaftlich einsetzen kann, setzt man halt zur Minimierung der Kosten auf dazu geeigneten Routen Regionalflugzeuge ein."

© AirTeamImages.com, Denis Roschlau Lesen Sie auch: Lufthansa zieht weitere Jets in Frankfurt ab

Später nutze man dann diese Slots bei Bedarf auch für andere Strecken mit 'größerem Gerät'. "Für das Grandfathering ist es schlicht egal, wie groß ein Flugzeug ist und auf welcher Strecke es eingesetzt wird." Zugleich erschwere man mit dieser Form des "Slot-Hortens" potenziellen Wettbewerbern den Marktzugang. "Das ist keine Lufthansa Erfindung, sondern machen fast alle größeren Carrier auf ihren Hauptflughäfen in mehr oder weniger großem Umfang so: "Reinste Ressourcenvergeudung auf den Flughäfen mit Kapazitätsengpässen."

Von: cs
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