Darum steigt Lufthansa nicht aus dem Dax ab

05.09.2018 - 14:00 0 Kommentare

Am Mittwochabend gibt die Deutsche Börse die Neuordnung der ersten Börsenliga bekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Lufthansa aus dem Dax fliegt, ist angesichts der Schwäche der Commerzbank gering. Analysten sehen auch darüber hinaus vorerst keine Gefahr.

Mitarbeiter vor einer neu lackierten Lufthansa-Maschine. - © © dpa - Axel Heimken

Mitarbeiter vor einer neu lackierten Lufthansa-Maschine. © dpa /Axel Heimken

Am Mittwochabend gibt die deutsche Börse die 30 Werte bekannt, die im kommenden Jahr in der ersten Börsenliga Dax gehandelt werden. Mit einer streubesitzgewichteten Marktkapitalisierung (also den Börsenwert jener Anteile von Aktionären, die weniger als fünf Prozent halten) von gerade einmal 11,0 Milliarden Euro muss sich der Lufthansa-Konzern fast allen Dax-Konkurrenten geschlagen geben.

Unternehmen Streubesitzgewichtete
Marktkapitalisierung
(in Milliarden Euro)
SAP 106,6
Siemens 90,7
Allianz 79,8
Bayer 79,3
BASF 73,1
Daimler 50,4
Telekom 45,4
Adidas 37,2
Linde 32,8
Deutsche Post 29,3
Munich Re 27,5
Fresenius 27,2
BMW 26,6
Volkswagen 26,0
Infineon 24,7
Deutsche Börse 21,3
Vonovia 20,1
Eon 20,4
Deutsche Bank 19,3
Henkel 19,3
Continental 18,9
Fresenius Medicalcare 18,2
Covestro 13,9
Merck 11,7
RWE 11,5
Lufthansa 11,0
Heideberg Cement 10,4
Thyssenkrupp 10,0
Beiersdorf 9,8
Commerzbank 8,4
Quelle: LBBW

Dennoch ist Lufthansa nicht in Gefahr, aktuell aus der ersten Börsenliga abzustürzen. Denn: "Da kommen noch ein paar Unternehmen, die von einem Abstieg eher bedroht sind", so Analyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) im Gespräch mit airliners.de. "Es bräuchte schon bilanzielle Ungereimtheiten, damit Lufthansa den Dax verlässt."

Ölpreis könnte zur Gefahr werden

Der Konzern meldete Ende Juli einen leicht gesunkenen Gewinn. Doch die LBBW stuft diesen unterdurchschnittlichen Rückgang als "stark" ein. Gleichzeitig warnen die Analysten vor zu viel Optimismus: "Die Branche ist stark zyklisch geprägt und erste Zeichen liegen nun vor, dass das zyklische Hoch bereits überschritten ist." Zugleich reagierte die Aktie in der Vergangenheit stark auf den Ölpreis - dieser ist zu Beginn der Woche auf knapp unter 80 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen.

Auch die DZ-Bank bewertet die letzten Lufthansa-Zahlen als "erfreulich". In Summe entwickelten sich die operativen Segmente etwas besser als erwartet." Dennoch sehe man neben der Integration von Air-Berlin-Teilen ebenfalls die Entwicklung des Ölpreises als ein aktuelles, kursrelevantes Thema an.

Commerzbank steht als Dax-Absteiger so gut wie fest

Die Papiere der Lufthansa entwickelten sich im ersten halben Jahr dennoch größtenteils negativ. Trotz mehrerer Erholungsphasen verlor die Aktie seit Jahresbeginn knapp 26 Prozent und notierte zum Börsenschluss am Dienstag bei rund 22,50 Euro.

Doch damit ist der Kranich noch weit entfernt von der Performance der Commerzbank; deren Entwicklung stufen Beobachter als "katastrophal" ein. So rutschte das Dax-Gründungsmitglied seit Jahresbeginn um fast 35 Prozent auf nur noch gut acht Euro ab.

Ihren Platz in der ersten Börsenliga wird die Privatbank wohl am Mittwochabend räumen müssen. Statt ihrer wird voraussichtlich der bislang im Tec-Dax gelistete Online-Zahlungsdienstleister Wirecard fortan im Dax gehandelt.

Neuordnung

Die Zusammensetzung des Dax überprüft die Deutsche Börse einmal im Jahr. Ziel ist es, dass in der ersten Börsenliga rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung börsennortierter Aktiengesellschaften in Deutschland repräsentiert werden. Neben der ordentlichen Überprüfung gibt es quartalsweise die Chance, dass Unternehmen über die "Fast Entry"-Ausnahme in den Dax kommen - diese Regel kam bislang allerdings noch nie zum Tragen.

Dieses Mal wird parallel dazu auch die endgültige Zusammensetzung der neu geordneten Nebenwerte-Indizes bekannt gegeben. Der M-Dax wird von 50 auf 60 Mitglieder erweitert und der S-Dax ebenfalls von 50 auf 70. Die bisherigen Tec-Dax-Mitglieder werden auf beide Messlatten verteilt. Er selbst wird zu einem Zweitnotierungsindex für die Technologiewerte aus Dax, M-Dax und S-Dax heruntergestuft.

Wirecard kommt laut LBBW auf eine streubesitzgewichtete Marktkapitalisierung von 20,5 Milliarden Euro und ist damit im Mittelfeld des Dax zu finden.

Doch nicht allein die Marktkapitalisierung entscheidet über die Zusammensetzung des Dax. Die deutsche Börse orientiert sich zudem an einer zweiten Kennziffer: dem Börsenumsatz in den vergangenen zwölf Monaten - Stichtag für beides war der vergangene Freitag (31. August).

Nach Börsenumsatz liegt Lufthansa vorn

Hier nimmt sie alle 270 Werte aus Dax, M-Dax und Tec-Dax als Grundlage. Dort liegt Lufthansa auf Platz 19 - und damit im oberen Abschnitt. "Fällt ein Dax-Unternehmen unter Platz 45, ist es bedroht, aus dem Index auszuscheiden", so LBBW-Analyst Streich.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Lufthansa-Aktie ist Jahresgewinnerin im Dax

Vor der nächsten regulären Prüfung Ende August 2019 werde es höchstwahrscheinlich ohnehin keine Neuordnung geben. "Das ist immer ein Wechselspiel zwischen Unternehmen, die auf dem Weg nach unten sind, und jenen, die nach oben streben", so Streich. "Immer abhängig von beiden Faktoren: Also das Unternehmen, das nach oben will, muss hervorragend performen und gleichzeitig muss es ein anderes Unternehmen geben, dass überdurchschnittlich verliert."

Von: cs
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