Condor muss sparen und streicht Stellen

27.02.2017 - 16:31 0 Kommentare

Das angekündigte Sparprogramm bei Condor nimmt langsam Formen an. Stellen werden gestrichen und Investitionen verschoben. Die Ferienfluggesellschaft hat mit neuen Konstellationen im Markt zu kämpfen.

Eine Boeing 757-300 der Condor rollt auf dem Flughafen Frankfurt. - © © AirTeamImages.com - nustyR

Eine Boeing 757-300 der Condor rollt auf dem Flughafen Frankfurt. © AirTeamImages.com /nustyR

Nach einem verlustreichen Jahr tritt Condor-Chef Ralf Teckentrup jetzt auf die Investitionsbremse. Bereits zum Jahresende hatte Condor ein Sparprogramm angekündigt, jetzt nannte Teckentrup in der "Süddeutschen Zeitung" erste Details.

Demnach sollen mit dem "Fasttrack" genannten Programm in den kommenden zwei Jahren rund 80 Millionen Euro Kosten eingespart werden. Investitionen in neue Langstreckenflugzeuge, die die alternden Boeing 767 in den nächsten Jahren ablösen könnten, würden erst einmal verschoben.

Im Zuge des Sparprogramms kommt es nun entgegen anderer Ankündigungen auch zu einem Stellenabbau, und zwar bei allen Airlines der Thomas-Cook-Gruppe. Rund 100 Arbeitsplätze sollen den Angaben nach bereits im laufenden Jahr bei Condor sowie den Thomas-Cook-Airlines in Großbritannien, Belgien und Skandinavien wegfallen.

Neue Marktkonstellationen bedrohen Condor

Wie kaum eine andere Fluggesellschaft in Deutschland hat Condor ohnehin mit neuen Konstellationen im Markt zu kämpfen. So entsteht mit dem touristischen Air-Berlin-Teil und der Tuifly gerade eine neue Ferienfluggesellschaft mit Fokus auf die DACH-Region. Noch steht die kartellrechtliche Genehmigung in Österreich aus, die neue Airline von Tui und Etihad Airways soll dort auf Basis der ehemaligenösterreichischen Air-Berlin-Tochter Niki entstehen.

Behördlich genehmigt ist derweil eine Kooperation von Air Berlin mit der Lufthansa Group. Deren Billigflieger Eurowings setzt seit diesem Monate auf erhebliche Kapazitäten der Air Berlin - und startet damit demnächst sogar in direkter Konkurrenz am Condor-Heimatflughafen Frankfurt. Zudem setzt Eurowings in Köln/Bonn auf die touristische Langstrecke - und hat Condor sogar schon verdrängt.

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In Düsseldorf setzt derweil die "neue "Air Berlin auf eine Ausweitung des Langstrecken-Netzwerks, das dem der Condor durchaus stark ähnelt. Zudem kommt mit Azur Air zum Sommer sogar ein neuen Player auf den Charter-Langstreckenmarkt. Um selbst nun ebenfalls mehr Langstreckenflüge anbieten zu können, hatte Condor bereits Flugzeuge mit der britischen Thomas Cook Airlines getauscht. Dabei sind Condor-Mittelstreckenjets vom Typ Boeing 757 durch Langstreckenmaschinen vom Typ Boeing 767 ersetzt worden.

Starker Einbruch im Türkeigeschäft

Wie andere Airlines auch hatte Condor zuletzt stark unter dem Einbruch im Türkeigeschäft und den daraus folgenden Überkapazitäten im Markt gelitten. In den zwölf Monaten bis Ende September hatte der Ferienflieger im operativen Geschäft zehn Millionen Pfund Verlust (etwa 11,7 Millionen Euro) eingeflogen - nach 56 Millionen Pfund (etwa 65,4 Millionen Euro) Gewinn ein Jahr zuvor. Bis zum Geschäftsjahr 2017/18 soll das operative Ergebnis jedoch um 35 Millionen Pfund steigen.

© Condor, Lesen Sie auch: Condor und Air Berlin streichen Freigetränke auf Europastrecken

Condor hat bereits gegengesteuert. So haben die Thomas-Cook-Airlines kürzlich einen neuen Cateringvertrag ausgehandelt, der Einsparungen in Millionenhöhe bringen soll. Für die Verpflegung auf der Kurz- und Mittelstrecke müssen Fluggäste in der Economy Class jetzt zudem an Bord zahlen.

Hohe Pilotengehälter belasten

Condor leidet derweil auch unter den hohen Gehältern ihrer Piloten, die zum Teil noch nach dem Konzerntarifwerk (KTV) der früheren Mutter Lufthansa bezahlt werden. Eigentlich sollten die noch rund 130 KTV-Piloten längst in den Cockpits der Lufthansa sitzen. Ihre Übernahme hat sich aber verzögert, weil die Lufthansa-Flotte zuletzt nicht mehr gewachsen ist. Nach der jüngsten Tarifeinigung bei Lufthansa kommen nun neue Kosten auf die Condor zu.

Aber nicht nur Condor, sondern auch der Mutterkonzern Thomas Cook selbst schwächelte zuletzt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verdiente der Rivale des Weltmarktführers Tui unter dem Strich neun Millionen britische Pfund (rund 10,6 Millionen Euro) und damit nur noch knapp halb so viel wie ein Jahr zuvor.

Von: dh
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