Ralf Teckentrup

"Condor muss die Kostenstrukturen noch weiter verbessern"

10.03.2017 - 11:15 0 Kommentare

Die Veränderungen im deutschen Luftverkehrsmarkt stellen Condor auf die Probe. Airline-Chef Ralf Teckentrup spricht im airliners.de-Interview über neue Konkurrenten, neue Partner und die Notwendigkeit, zu sparen.

Condor-Chef Ralf Teckentrup. - © © BTW - Svea Pietschmann

Condor-Chef Ralf Teckentrup. © BTW /Svea Pietschmann

airliners.de: Eurowings kooperiert mit Air Berlin. In Österreich soll eine Ferienfluggesellschaft aus Tuifly plus Niki entstehen, Low-Cost wächst weiter und auch die Lufthansa-Etihad-Kooperation soll ausgebaut werden. Wie reagiert Condor auf diese Wettbewerbsveränderungen in der DACH-Region?
Ralf Teckentrup: Der gesamte europäische Luftverkehrsmarkt verändert sich. Condor hat darauf frühzeitig reagiert, indem die vier Airlines im Thomas-Cook-Konzern so eng zusammengewachsen sind, dass sie aus einer Hand, wie eine Airline, gemanaged werden. Zusammen operieren wir 95 Flugzeuge in Europa und stehen damit auf Platz 12, was die Größe angeht. Wir können so durch Kostenvorteile bei Verhandlungen und Wissenstransfer profitieren, so wie jede andere große Airline.

Tui stößt ihre deutsche Airline jetzt ja ab. Bleibt bei Condor die enge Bildung an Thomas Cook?
Teckentrup: Ein Reiseveranstalter wird immer den Zugriff auf eine starke Airline brauchen und im Gegensatz zur deutschen Tuifly waren wir ja bis vorletztes Jahr mehr als zehn Jahre in Folge profitabel und wollen das auch in diesem Jahr wieder werden.

Was hat Sie bewogen, jetzt mit Germania zusammenzuarbeiten?
Teckentrup: Die Kooperation bietet die Chance, mit bestehenden Ressourcen gemeinsam ein erweitertes Portfolio in die Vermarktung zu bringen und so attraktiver in den Verkaufskanälen zu sein. Während Condor stärker an den größeren deutschen Flughäfen zu Hause ist, fokussiert sich Germania eher auf die kleineren Standorte in der Fläche wie etwa Nürnberg, Dresden oder Bremen.

© AirTeamImages.com, HAMFive Lesen Sie auch: Germania kooperiert mit Condor und setzt auf weitere Partnerschaften

Allgemein lässt sich dabei grundsätzlich sagen: Wo Condor und Germania gemeinsame Abflughäfen in Deutschland haben, fliegen sie unterschiedliche Destinationen an. Wo Condor und Germania gleiche Destinationen haben, sind diese mit unterschiedlichen Abflughäfen verbunden.

Wäre denn auch eine Zusammenarbeit mit Eurowings eine Option?
Teckentrup: Diese Fragen bekomme ich immer wieder gestellt und die Antwort bleibt gleich: Der Thomas-Cook-Konzern braucht eine starke Airline und ist auch hoch zufrieden mit dem Airlinegeschäft, welches in Summe auch profitabel ist. Sollte es Möglichkeiten für eine sinnvolle Partnerschaft geben, werden wir diese sicherlich prüfen.

Was bedeutet es denn ganz konkret für Condor in Frankfurt, wenn Eurowings, Wizz Air und Ryanair dort ihre Angebote wie angekündigt deutlich ausbauen?
Teckentrup: Dass der Wettbewerb sich zunehmend verschärft, auch wenn das fast nicht mehr vorstellbar ist. Wir müssen unsere Kostenstrukturen noch weiter verbessern und mit einem klaren Fokus auf unseren Kunden diesen Argumente liefern, warum der Flug mit Condor im Preis-Leistungsvergleich auf Platz 1 steht.

Können Sie denn schon genaueres zum angekündigten Sparplan bei Condor sagen?
Teckentrup: Das Wichtigste für uns ist die noch engere Zusammenarbeit innerhalb der Thomas-Cook-Group-Airlines, also der vier Fluggesellschaften im Thomas Cook Konzern. Wir können hier Flugzeuge verschieben und sie dort einsetzen, wo es wirtschaftlich am sinnvollsten ist. Wenn also, wie im vergangenen Jahr, aus dem deutschen Markt Überkapazitäten die Preise auf der Kurz- und Mittelstrecke drücken, dann ist es uns möglich, Mittelstreckenflugzeuge in UK einzusetzen und andersrum Langstreckenflugzeuge aus UK zur Verstärkung des profitablen Langstreckengeschäfts in Deutschland einzusetzen.

© AirTeamImages.com, nustyR Lesen Sie auch: Condor muss sparen und streicht Stellen

Was das Schöpfen von Synergien angeht sind wir schon ganz gut. Wo wir jetzt nacharbeiten müssen, sind tatsächlich die Strukturen, was einen Personalabbau im Overhead - also der Verwaltung - mit sich bringt. Hiervon sind rund 100 Stellen betroffen, die zum überwiegenden Teil durch natürliche Fluktuation abgebaut werden können.

Ist der Wechsel von LSG Sky Chefs zu Gate Gourmet auch ein Teil des Kostensenkungsprogrammes? Wie viel sparen Sie dadurch ein?
Teckentrup: Die gemeinsamen Verhandlungen für einen neuen Cateringvertrag haben einen guten Beitrag zu unserem Kostensenkungsprogramm geleistet. Wir konnten beim Abschluss signifikante Einsparungen verzeichnen. Aber das Wichtigste ist: Diese Einsparungen sind verbunden mit einer weiterhin sehr guten Produktqualität.

Es gibt Berichte, wonach Sie Berlin-Schönefeld zum Winter 2017/18 aufgeben werden. Gehört das auch zum Sparplan?
Teckentrup: Wir fliegen aus Berlin-Schönefeld im nächsten Winter nach Ägypten und auf die Kanaren mit sieben Flügen die Woche. Insofern stimmen die Berichte wie so oft nicht mit unserer Planung für den Winter überein.

© Condor, Lesen Sie auch: Wirbel um möglichen Condor-Rückzug von Berlin-Schönefeld

Andere Konkurrenten wie Norwegian oder die neue deutsche Azur Air sehen Potenzial für neue Langstrecken in Düsseldorf. Wo sehen Sie jetzt neue Lücken?
Teckentrup: Wir sind aktuell sehr zufrieden mit der Entwicklung unserer Langstreckenhubs in Frankfurt und München. Frankfurt ist international gut angebunden. Auch aus Deutschland ist der Flughafen optimal angebunden, beispielsweise braucht man unter 90 Minuten aus Düsseldorf.
Die Lage des Münchener Flughafens ist mit der Abdeckung Süddeutschlands und der Angrenzung an Österreich ebenfalls ideal. In diesem Sommer starten wir zunächst mal eine USA-Offensive mit Pittsburgh, New Orleans und San Diego in Kalifornien. Sicherlich haben wir noch weitere spannende Ziele im Blick, die werden ich Ihnen aber jetzt nicht nennen können. Da wo wir Lücken sehen, werden wir auch Flüge anbieten.

Von: dh
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