Condor stuft Brexit-Entwicklungen positiv ein

15.11.2018 - 07:04 0 Kommentare

Ende März verlässt Großbritannien die EU - kommt es Last-Minute doch noch zu einem kontrollierten Brexit? Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor bewertet die neuesten Entwicklungen positiv.

Eine Boeing 757-300 der Condor rollt auf dem Flughafen Frankfurt. - © © AirTeamImages.com - nustyR

Eine Boeing 757-300 der Condor rollt auf dem Flughafen Frankfurt. © AirTeamImages.com /nustyR

Der britische Reisekonzern Thomas Cook beobachtet gespannt die neuesten Entwicklungen in den Brexit-Gesprächen zwischen Großbritannien und der EU. "Positiv hervorzuheben ist, dass sowohl die EU-Kommission als auch Großbritannien bestätigt haben, sie wollen die Konnektivität zwischen Kontinentaleuropa und 'der Insel' aufrechterhalten", so ein Sprecher von Condor zu airliners.de. Das britische Kabinett stimmte am Mittwochabend einem entsprechenden Vorschlag für ein Scheidungsabkommen zu.

Jedoch sehe man bei Condor noch deutliche Schwierigkeiten in den tiefergehenden Gesprächen - denn genaue Einzelheiten des Agreements sind kaum bekannt: "Wir sind gespannt, was im Detail vereinbart wird." Nichtsdestotrotz: "Das ist für uns ein deutlicher Fortschritt in den Verhandlungen und letztlich eine gute Nachricht."

Das erreichte Regierungschefin May am Mittwoch

Das britische Kabinett hat am Mittwochabend einem knapp 600-seitigen Entwurf über ein Scheidungsabkommen von Premierministerin Theresa May zugestimmt. Doch es ist kein voller Erfolg: Die Opposition hatte der Regierungschefin abgerungen, dass diese sich am Donnerstag im Unterhaus erklären muss.

Zusätzlich muss dieses Mitte Dezember noch über die Vereinbarung abstimmen. Ob May hier eine Mehrheit findet, ist laut britischer Medien völlig offen. Vorher muss die EU das Papier absegnen: Ratspräsident Donald Tusk hat für den 25. November einen Sondergipfel einberufen, auf dem die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer über den Entwurf abstimmen sollen.

Condor bereitet sich auf alle Szenarien vor

Bei einer Airline, die 18 Monate im Voraus verkauft, sei Rechtssicherheit sowohl für die Kunden als auch für die Flugbetriebe der Thomas-Cook-Airlines unerlässlich.

Von daher kann der jetzige Schritt auch nur ein erster sein: Wir bereiten uns nach wie vor auf alle möglichen Optionen eines Brexits vor.

Sprecher von Condor

Man werde weiterhin mit den Behörden zusammenarbeiten, um Ausweichpläne für jedes mögliche Ergebnis vorzuhalten. Denn über allem schwebt immer noch das Damoklesschwert eines "harten" Brexits - also eines EU-Austritts der Briten ohne umfassendes Scheidungsabkommen.

Ownership and Controlling

Und das könnte für Condor zusätzlich problematisch werden - unabhängig davon, wie der Fortbestand der rechtlichen Regularien (Stichwort Freiheiten) zwischen den verbleibenden 27 EU-Staaten und Großbritannien aussieht. Die EU-Kommission hat laut Kreisen deutlich gemacht, dass das Thema Ownership and Controlling sehr wichtig für sie ist.

Condor ist als 100-prozentige Tochter des britischen Reisekonzerns Thomas Cook nach einem Brexit nicht mehr zum Großteil in EU-Hand: Die 50+1-Regel wäre von jetzt auf gleich gerissen. Sprich es wäre denkbar, dass die Flotte des deutschen Ferienfliegers bei einem No-Deal-Brexit Ende März erst einmal am Boden bleibt.

Anteilseigner der Thomas Cook Group
Angaben in Prozent
Invesco 20.0
Standard Life Aberdeen 11.9
FPI UK Limited 11.0
Marathon Asset
Management LLP
5.0
The Capital Group 4.8
Black-Rock 9.0
Orbis Holdings 5.0
Streubesitz 33.3

Quelle: Thomas Cook

Aber auch auf den Fall bereitet man sich bei Condor vor: "Selbst ohne Deal haben wir unsere Hausaufgaben gemacht", sagt ein Condor-Manager, der nicht genannt werden möchte. "Ich bin heute deutlich entspannter als noch vor einigen Wochen." Man glaube fest daran, dass eine Condor sowie die anderen europäischen Töchter der Thomas Cook Group weiter fliegen können. Details möchte der Manager nicht nennen.

Keine 140 Tage mehr bis zum Brexit

Neben Verkehrsrechten und Ownership and Controlling gibt es noch ein drittes Thema, das für Condor essenziell ist: ein Nachfolger der europäischen Luftsicherheitsbehörde Easa. Bei dem Punkt heißt es im Umfeld der Airline, dass speziell die Amerikaner keine andere Institution für die Luftsicherheit in Europa anerkennen würden. "Zudem ist es in nicht einmal mehr 140 Tagen auch nicht möglich, einen britischen Easa-Klon zu errichten."

Der EU-Austritt am 29. März 2019 könnte in der Industrie - und allen voran dem Luftverkehr - zum Chaos werden. Denn: Bislang fehlt eine rechtsgültig verbindliche Planungsgrundlage für Airlines.

"Bis Mitte Dezember auf dem EU-Gipfel muss klar sein, ob es einen Deal gibt oder nicht", heißt es im Umfeld der Airline. Sonst würde sich auch London auf das "No-Deal"-Szenario vorbereiten: nämlich dass Großbritannien ab dem 30. März 2019 um null Uhr alle Privilegien eines EU-Mitgliedstaats verliert.

Auch andere Airlines bereiten sich vor

Die Probleme, mit denen sich der Thomas-Cook-Konzern und speziell Condor konfrontiert sieht, sind auch wunde Punkte für Easyjet, IAG und Ryanair.

  • Der orangefarbene Billigflieger Easyjet schiebt bis zu 130 Flugzeuge zu seiner österreichischen Tochter Easyjet Europe. Diese soll ab dem kommenden Jahr innereuropäische Flüge unter geänderter Flugnummer anbieten.
  • Ryanair polterte im Frühjahr medienwirksam, dass man die britischen Aktionäre entmündigen wollte. Beobachter halten solch ein Szenario aber nicht für sehr realistisch. Vielmehr verweisen sie darauf, dass die Iren ihr Geschäft umstrukturieren und beispielsweise in Polen sämtliche Verbindungen von der Chartertochter Ryanair Sun durchführen lassen.
  • Weitestgehend unklar ist bislang hingegen, wie sich der Konzern IAG auf ein No-Deal-Szenario vorbereitet. Die British-Airways-Mutter hat ihren rechtlichen Sitz zwar in Madrid, aber die Firmenzentrale ist in London. Medienberichten zufolge steht Iberia-Chef Luis Gallego Martín mit der spanischen Regierung und der EU-Kommission in engem Austausch, damit seine Airline nach dem Brexit als europäisches Unternehmen gilt.

© Stansted Airport, Lesen Sie auch: So gehen die Billigflieger mit dem Brexit um Überblick

Von: cs
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