Chinesen bekommen grünes Licht für Einstieg bei Cargolux

29.11.2013 - 14:53 0 Kommentare

Die luxemburgische Regierung hat einen chinesischen Abnehmer für das Cargolux-Aktienpaket gefunden, das Qatar Airways vor einem Jahr zurückgab. Nach dem Einstieg wird Cargolux eine neue Route nach Henan aufnehmen.

Boeing 747-8F in neuer Cargolux-Bemalung - © © Boeing -

Boeing 747-8F in neuer Cargolux-Bemalung © Boeing

Die Übernahme von 35 Prozent der Cargolux-Anteile durch die staatliche chinesische Investorengruppe HNCA ist nahezu perfekt. Gestern (28. November) sprachen sich die Politiker des Großherzogtums einvernehmlich für diesen Schritt aus. Der "Cargo Forwarder" berichtete als erster darüber.

Bei dem Aktienpaket handelt es sich um die ursprünglich von Qatar Airways an der Frachtfluggesellschaft gehaltenen Anteile. Wegen einer Dauerfehde zwischen Qatar Airways und Cargolux über die richtige Zukunftsstrategie für die Frachtfluglinie verkauften die Katarer vor einem Jahr ihr Aktienpaket für den Einstandspreis von 117 Millionen Euro an den luxemburgischen Staat. Seitdem sucht die Regierung einen Investor für die Anteile, der Cargolux zu weiterem Wachstum verhilft.

Den passenden Kandidaten glaubt sie jetzt mit der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaft Henan Civil Aviation Development and Investment Company (HNCA) gefunden zu haben, nachdem andere Interessenten wie Silk Way (Aserbaidschan) und Nippon Cargo (Japan) im Vorfeld frühzeitig abgesprungen waren.

Laut Aussage des designierten Luxemburgischen Premierministers Xavier Bettel, zahlt die chinesische Gesellschaft 231 Millionen US-Dollar für das Aktienpaket. In dieser Summe enthalten ist indes ein indirekter Kostenblock zur Förderung der Frachtflüge zwischen Zhengzhou, der Hauptstadt Henans, und Luxemburg. Um welche Posten und Beträge es sich dabei im Detail handelt, wurde während der Parlamentssitzung nicht näher erläutert. Zudem soll ein Fonds in Höhe von 15 Millionen US-Dollar eingerichtet werden, um Anfangsverluste auszugleichen, die Cargolux durch Flüge von und nach Zhengzhou entstehen könnten.

Teil des Deals ist, dass der HNCA trotz gewerkschaftlicher Bedenken vertraglich eine Sperrklausel eingeräumt wird, wodurch von der Cargolux-Führung keine Entscheidung gegen den Willen ihres neuen Anteilseigners beschlossen und umgesetzt werden kann. Unklar ist gegenwärtig noch, wie viele Sitze der neue Investor im Veraltungsrat der Frachtfluglinie erhält.

Hauptmotiv für den finanziellen Einstieg der HNCA bei Cargolux ist das Ziel der Provinz Henan, zu einer internationalen Logistik- und Transportdrehscheibe zu werden. Dadurch soll die schnelle Beförderung der lokal produzierten Exporte zu den internationalen Verbrauchermärkten sichergestellt werden. Bislang gibt es keine direkten Frachtflüge von Zhengzhou zu interkontinentalen Zielen, was sich aufgrund der jetzt abzeichnenden Ehe von HNCA und Cargolux demnächst ändern dürfte.

Allerdings fehlt noch ein bindender Vertrag, der die Liaison auch rechtlich besiegelt. Wie es aus Luxemburger Kreisen heißt, soll dieser umgehend nach Vereidigung der neuen Regierung unter dem künftigen Regierungschef Xavier Bettel paraphiert werden.

Bei Cargolux war gestern Nachmittag nach Bekanntwerden der Einzelheiten des Deals durch die Landespolitiker niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Das Management und der Pressestab seien in einer längeren Sitzung, sagte eine Mitarbeiterin.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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