Air China Boeing 777-300ER © Air China
Die chinesischen Fluggesellschaften wollen sich dem seit 1. Januar eigentlich auch für die Luftfahrt geltenden Europäischen Emissionshandel (ETS) verweigern. "China wird mit der Europäischen Union beim ETS natürlich nicht kooperieren", sagte der Vizechef des chinesischen Luftfahrtverbandes CATA, Chai Haibo, am Donnerstag. Der Verband sei "eindeutig gegen die unlautere Praxis der EU, die Fluggesellschaften einseitig in das ETS zu zwingen". Haibo wiederholte die Drohung, China arbeite an "Gegenmaßnahmen". Die EU beharrte am Donnerstag auf ihrer Position. "Wir verändern unser Gesetz nicht und weichen nicht zurück", sagte ein Sprecher von Klimakommissarin Connie Hedegaard in Brüssel.
Die Liste der möglichen Sanktionen ist lang. Dazu zählen Handelsbeschränkungen, zusätzliche Steuern oder Strafzölle. China hat bereits angedeutet, Milliardenaufträge beim deutsch-französischen Flugzeugbauer Airbus platzen zu lassen. Die Branche ist besorgt, dass Drittstaaten zurückschlagen: «Das wahre Problem ist ein politisches, kein juristisches», sagte der Generalsekretär des Europäischen Luftfahrt-Verbandes AEA, Ulrich Schulte-Strathaus im Dezember. Gäbe es Ausnahmen für internationale Konkurrenten, bedeutete dies Wettbewerbsnachteile. Europa könnte Marktanteile an Asien und Amerika verlieren.
Auch Fluggesellschaften aus den USA hatten gegen ihre Einbeziehung in den Emissionshandel geklagt, waren mit ihrer Klage kurz vor Weihnachten aber vor dem Europäischen Gerichtshof gescheitert. Als Konsequenz erhebt Delta Air Lines als erste US-Fluglinie einen Ticket-Zuschlag in Höhe von drei Dollar auf ihre Europaflüge, berichtete die Zeitung "USA Today" am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe.
Der Emissionshandel läuft in der Europäischen Union bereits seit 2005. Unternehmen mit hohen klimaschädlichen Emissionen erhalten ein bestimmtes Kontingent an Verschmutzungsrechten. Sind ihre Emissionen höher, müssen sie zusätzliche Emissionszertifikate kaufen; fällt der Schadstoffausstoß geringer aus, können sie ihre Zertifikate verkaufen. Ab 1. Januar ist auch die Luftfahrt in das System einbezogen. Entscheidend wird das Datum April 2013 sein: Dann wird anhand der 2012 geflogenen Meilen abgerechnet. Wer als Fluggesellschaft mehr als die ihm kostenlos zustehenden Zertifikate verflogen und keine dazugekauft hat, muss zahlen. Es drohen Strafen bis zu 100 Euro pro Tonne CO2, die nicht durch ein Zertifikat gedeckt ist.
Die Luftfahrtbranche zittert, weil sie selbst in guten Zeiten mit knappen Margen fliegt. Da gilt jede neue Abgabe als echte Bedrohung, zumal 2012 vieles auf eine Krise hindeutet. Der Emissionshandel könnte den Sektor nach einer Studie der Deutschen Bank mit bis zu 1,1 Milliarden Euro pro Jahr belasten. Dabei gingen die Experten allerdings von 15 Euro je Zertifikat aus - fast doppelt so viel, wie derzeit an der Börse verlangt wird. Allein für deutsche Airlines fallen schätzungsweise 185 Millionen Euro an. Die Kosten werden die Airlines an die Passagiere weitergeben. Lufthansa und Air Berlin kündigten an, die Ausgaben für CO2-Zertifikate in die Fixkosten der Flugtickets einzupreisen.
Zur Zeit kosten die Emissionsrechte für eine Tonne CO2 rund 6,57 Euro. Noch bis Mitte 2011 kosteten die Rechte an der European Energy Exchange über 15 Euro. In Brüssel wird daher bereits diskutiert, einen Mindestpreis pro Tonne CO2 festzulegen und somit in den Markt einzugreifen. Den aktuellen Preis für EU Allowances (EUA) Euro/t CO2 listet airliners.de bereits seit einiger Zeit im Chart auf der Startseite auf.
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