Chef der Hamburger Bodendienste appelliert an Verdi

15.04.2019 - 15:31 0 Kommentare

Nach einer Streikandrohung wendet sich der Chef der Hamburger Bodendienste in einem offenen Brief an die Verdi-Mitglieder. Neben Auswirkungen für Reisende warnt er vor internen Problemen. Denn es verhandeln gleich zwei Gewerkschaften.

Christian Noack ist Geschäftsführer der HAM Ground Handling. - © © Hamburg Airport -

Christian Noack ist Geschäftsführer der HAM Ground Handling. © Hamburg Airport

Der Geschäftsführer der Ham Ground Handling, Christian Noack, hat sich am Montag in einem offenen Brief an Verdi-Mitglieder gewandt. Noack appelliert im Sinne aller Beschäftigten und Reisenden von den angekündigten Streikmaßnahmen abzusehen und eine Schlichtung anzunehmen.

Der Konflikt um den neuen Tarifvertrag für die Mitarbeiter bei den Bodenverkehrsdienstleistern am Flughafen habe eine „besorgniserregende Qualität“ erlangt, die sich auf das tägliche Miteinander in der Belegschaft auswirke, so Noack.

Der Flughafen warf Verdi vor, auf Kosten der Reisenden zu taktieren. "Erst der überraschende Widerruf der lang erwarteten Tarifeinigung, jetzt Streiks kurz vor Ostern: Es wird deutlich, dass Verdi an einem maximalen Medieninteresse interessiert ist und nicht an einer inhaltlichen Lösung."

Flugreisenden empfahl eine Flughafen-Sprecherin, sich in der kommenden Woche fortlaufend über den Status ihres gebuchten Fluges zu informieren und gegebenenfalls Kontakt mit der Airline aufzunehmen.

Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor angekündigt, die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste am Hamburger Flughafen in dieser Woche erneut zum Warnstreik aufzurufen. Zwar sei noch unklar an welchem Tag gestreikt werden soll, aber man werde die Streiks rechtzeitig ankündigen, so dass die Fluggesellschaften noch reagieren können, sagte Verdi-Verhandlungsführer Domenico Perroni dem Hamburger Abendblatt und fügte hinzu, das Hauptziel seien nicht die Passagiere.

Tarifabschluss mit DBB/Komba steht bereits

Grund für die drohenden Streiks ist, dass sich 75 Prozent der Verdi-Mitglieder gegen die Annahme der Tarifeinigung zwischen der Gewerkschaft und der HAM Ground Handling ausgesprochen hatten. In der sechsten Verhandlungsrunde hatten sich beide Parteien Mitte März auf Lohnerhöhungen zwischen sieben Prozent und elf Prozent in drei Schritten geeinigt. Diese hätten rückwirkend zum 1. Januar für 20 Monate gegolten. Am 8. April durften die Mitglieder abstimmen - und lehnten ab.

"Mit dem Widerruf der Tarifeinigung ist Verdi zu weit gegangen", sagte Noack zu den Vorgängen am vergangenen Freitag und kündigte an, nun stattdessen den in der der fünften Verhandlungsrunde mit der konkurrierenden Gewerkschaft DBB/Komba gültigen Tarifabschluss umzusetzen. So erfolge die Auszahlung der verhandelten Lohnerhöhungen unter Vorbehalt mit dem Mai-Gehalt und rückwirkend zum 1. Januar.

© dpa, Georg Wendt Lesen Sie auch: Flughafen Hamburg: Einigung mit Verdi-Konkurrenzgewerkschaft

In Hamburg verhandeln zwei Gewerkschaften

In Hamburg verhandeln mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der kleineren FBB/Komba gleich zwei Gewerkschaften für die knapp 1000 Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste. Dabei ist unklar, welche Gewerkschaft die meisten Mitglieder unter den Mitarbeitern auf sich vereint. Das ist durchaus wichtig, denn eigentlich besagt das neue Tarifeinheitsgesetz, dass nur ein Tarifvertrag gelten kann, und zwar derjenige, dessen Gewerkschaft im Geltungsbereich unter den Mitarbeitern die meisten Mitglieder hat.

Tarif-Experte Eckhard Bergmann von Europairs erläutert auf Anfrage von airliners.de, dass im Zweifel einer der Tarifpartner vor Gericht ziehen müsste um dort feststellen zu lassen, wer die meisten Mitglieder hat. Der Experte betont: "Daran hat allerdings keine Seite Interesse.

Der Tarifkonflikt hatte mehrfach zu massiven Behinderungen und Ausfällen am Hamburger Flughafen geführt. Durch die Komba-Zustimmung würden sich nun aber nicht mehr alle Boden-Mitarbeiter an einem eventuellen Warnstreik beteiligen können.

Von: br
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