Chef des Lübecker Flughafens bleibt trotz Stagnation optimistisch

Es war Rettung in letzter Sekunde, als Rady Amar vor einem Jahr den Flughafen Lübeck übernahm. Er versprach neue Fluglinien, eine Flugzeugfabrik und Millioneninvestitionen. Umgesetzt wurde bislang nur wenig, der Flughafenchef mahnt zur Geduld.

Siegmar Weegen, Geschäftsführer des Lübecker Flughafens - © © dpa - Markus Scholz

Siegmar Weegen, Geschäftsführer des Lübecker Flughafens © dpa /Markus Scholz

Ein Jahr nach der Privatisierung des Lübecker Flughafens Blankensee ist dort von einem Höhenflug nichts zu spüren. Gerade mal fünf Ziele werden momentan von Lübeck aus angeflogen, wie viele es im Sommer sein werden, steht noch nicht fest. Dennoch ist der Geschäftsführer des Flughafens, Siegmar Weegen, optimistisch. «2014 wird es für den Flughafen vermutlich kein Wachstum geben. Aber wir planen langfristig und können das verschmerzen», sagt Weegen. Er hatte am 1. Oktober 2013 die Geschäftsführung des Flughafens von Jürgen Friedel übernommen. Zuvor hatte Weegen den Investor Mohamad Rady Amar beraten, der den Flughafen Anfang des Jahres von der Hansestadt Lübeck übernommen hatte.

Weegen mahnt zur Geduld. «2013 war das Jahr des Wandels mit Veränderungen beim Personal, bei der Organisation und der Kostenstruktur. 2014 bis 2016 werden die Jahre der Geschäftsfeld-Entwicklungen», sagte er. Dazu gehöre neben der Akquise neuer Linien und Strecken auch die Einrichtung eines kleinen Zentrums für Privat- und Geschäftsflieger. Auch der Bereich Luftfracht und Logistik solle entwickelt werden. «Das bedeutet nicht automatisch nächtlichen Flugverkehr. Das Nachtflugverbot zwischen 23.30 Uhr und 6.00 Uhr soll bestehen bleiben», sagte er mit Blick auf die Anwohner, die sich vor nächtlichem Fluglärm fürchten.

Bei den Billigfliegern beschränkt sich das Angebot bislang auf zwei Gesellschaften: die ungarische Wizz Air, die von Lübeck aus nach Danzig und in die ukrainische Hauptstadt Kiew fliegt, und den irischen Billigflieger Ryanair. Der hat vor kurzem angekündigt, die Verbindung von Lübeck nach Skavsta bei Stockholm trotz guter Auslastung mit Beginn des Sommerflugplanes einzustellen. «Wir gehen aber davon aus, dass Ryanair im Sommer von Lübeck aus nach Bergamo, Pisa und Palma de Mallorca fliegen wird», sagte Weegen.

Innerdeutsche oder internationale Linienflüge gibt es bislang nicht. Auch die vom Investor Rady Amar Anfang 2013 angekündigten regelmäßigen Verbindungen nach Ägypten und Marokko sind derzeit nicht in Sicht. «Die politische Situation in den Ländern ist im Moment ungünstig, das finanzielle Risiko zu groß», sagte Weegen.

Noch immer ungelöst ist auch die Frage des Ausbaus des Flughafens. Beim schleswig-holsteinischen Oberverwaltungsgericht sind vier Klagen gegen den 2009 erlassenen Planfeststellungsbeschluss anhängig. Die Entscheidung ist wegen personeller Engpässe beim Gericht schon mehrfach verschoben worden. Der rechtskräftige Beschluss ist Voraussetzung unter anderem für die Verlängerung der Start- und Landebahn sowie den Bau eines neuen Abfertigungsgebäudes.

«Derzeit macht der Flughafen Verluste, kostendeckend werden wir wohl erst in fünf Jahren arbeiten. Deshalb müssen wir strenge Kostendisziplin üben und neue Kunden gewinnen», sagte Weegen. Doch die Sorge, dass der Investor deswegen abspringen könnte, sei unbegründet. «Er hat die Kraft und die Ausdauer, das Unternehmen langsam aufzubauen», sagte Weege.

Von: dpa

Datum: 13.01.2014 - 09:52

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