Cargozahlen wachsen in München schneller als Passagierzahlen

15.05.2017 - 10:42 0 Kommentare

Luftfracht hat sich am Flughafen München als Wachstumstreiber Nummer eins etabliert - vor dem Passagierverkehr. Airport-Chef Michael Kerkloh nennt drei Gründe für diese Entwicklung.

Blick auf den Flughafen München. - © © Flughafen München -

Blick auf den Flughafen München. © Flughafen München

Bei den vom Flughafen München vorgelegten Verkehrszahlen lag der Passagiersektor in der Wachstumsstatistik vor der Luftfracht - bis 2014. Seitdem hat sich der Trend gedreht. Die Folge: Cargo hat in der Verkehrsstatistik des bayerischen Flughafens die Pole-Position erklommen und bis heute behauptet.

Wie Airport-Chef Michael Kerkloh auf der Fachmesse Air Cargo Europe zu airliners.de sagte, gebe es für die Entwicklung im Wesentlichen drei Gründe.

Mehr Langstrecken, mehr Transportkapazität

So steige erstens die Anzahl der Langstreckenflüge in München durch neue Routen oder Frequenzerhöhungen kontinuierlich, wodurch es mehr Transportkapazität für die Zuladungen von Frachtsendungen in den Unterflurkammern der Flugzeuge gebe.

Wesentliche Folge sei, dass der Flughafen München für Spediteure sowie Ex- und Importeure damit an Attraktivität als Umschlagplatz für Luftfrachtsendungen gewonnen habe. Deshalb würden die meisten der aus dem bayerischen Raum stammenden Sendungen direkt von München aus abgeflogen, "während sie früher wegen des im Standortvergleichs besseren Flugangebots zumeist per Lastwagen nach Frankfurt gefahren wurden", erläutert Markus Heinelt, der Frachtchef des Münchner Airports.

Industrie und größeres Einzugsgebiet

Zweiter Faktor sei die anhaltende Stärke der Industrie im süddeutschen Raum, wodurch der Airport München für Versender und Verlader zunehmend als Frachtdrehscheibe interessant geworden sei, betonte Kerkloh.

Und drittens werden laut Angaben des Flughafen-Chefs immer mehr Warenströme von und nach Ost- und Südosteuropa via München abgewickelt. Dank des wachsenden Langstreckennetzes habe sich das Einzugsgebiet des Flughafens für Frachtsendungen immer weiter in diese Richtung verschoben, so dass von dort zunehmend Waren stammten, die in München abgeflogen würden. Umgekehrt verhalte es sich mit Importen, die per Lastwagen von München aus nach Österreich, Tschechien, Norditalien oder in die Balkan-Länder zu den Empfängern befördert würden.

© Flughafen München GmbH, Werner Hennies Lesen Sie auch: Airport München wächst im ersten Quartal

Im ersten Quartal 2017 wurden rund 85.000 Tonnen umgeschlagen, was einem Wachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum von acht Prozent entspricht. In 2016 wurden in München insgesamt 356.000 Tonnen Luftfracht umgeschlagen (5,4 Prozent mehr als 2015) und 19.200 Tonnen Luftpost (plus zwei Prozent), zusammen also 375.200 Tonnen. Damit ist München nach Frankfurt, Leipzig/Halle und Köln/Bonn der viertgrößte Umschlagplatz für Cargo in Deutschland.

Die Jahreszahl für Passagiere in 2016 lautet: 42,3 Millionen - plus 3,1 Prozent zu 2015. Im Unterschied zu den vorgenannten drei Airports wird in München die Masse der Sendungen in den Unterflurkammern von Passagierflugzeugen transportiert und nicht in Vollfrachtern. "Wir sind im Prinzip ein Belly-Hub, erwarten aber aufgrund der steigenden Tonnage, dass in Zukunft mehr Vollfrachter bei uns landen, um sich ein Stück aus dem Frachtkuchen zu sichern", so Frachtchef Heinelt.

Von: Heiner Siegmund
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