Pilot erhebt schwere Vorwürfe gegen Cargolux

16.06.2016 - 17:03 0 Kommentare

Spioniert Cargolux krankgeschriebene Piloten aus und feuert sie anschließend? Unterlagen der Airline lassen diese Vermutung zu. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit spricht von einem "abschreckendem Beispiel".

Cockpit im Airbus A320 - © © AirTeamImages.com - Javier Guerrero

Cockpit im Airbus A320 © AirTeamImages.com /Javier Guerrero

Die Luxemburger Fracht-Airline Cargolux spioniert ihre krankgeschriebenen Piloten offenbar aus und feuert sie dann. Das schreibt die "Zeit" in ihrer neuesten Ausgabe. Das Medium beruft sich auf einen ehemaligen, betroffenen deutschen Piloten der Fluggesellschaft sowie dessen Unterlagen. Cargolux ist nach Lufthansa Cargo die zweitgrößte Frachtairline in Deutschland.

Cargolux begründete die Kündigung des Piloten auf Anfrage der "Zeit" mit "unprofessionellem Verhalten". Laut dem Medienbericht hat das Unternehmen dem Piloten ein Begründungsschreiben geschickt. Darin sind die Vorwürfe genannt - und zwar so detailliert, dass der Verdacht aufkommt: Der Konzern hat seine Mitarbeiter ausspioniert. So wusste Cargolux zum Beispiel genau, zu welcher Uhrzeit der krankgeschriebene Pilot im Supermarkt war.

Luxemburgische Gewerkschaft kennt diese Fälle

Er sei auch deshalb öfter krank gewesen, weil sich sein Dienstplan so oft und so kurzfristig änderte, erzählt der Pilot in dem Bericht. Und weil er ständig zwischen Zeit- und Klimazonen sprang. Das habe auch zu Schlafstörungen geführt.

Die Gewerkschaft Association Luxembourgeoise des Pilotes de Ligne (ALPL) kennt solche Fälle dem Bericht zufolge gut. "Piloten hatten Bedenken, sich krankzumelden. Sie fürchteten sich vor disziplinarischen Konsequenzen", sagte Generalsekretär Dirk Becker der "Zeit".

Drei Piloten haben Cargolux inzwischen verklagt, der Prozess soll im Oktober beginnen. Die Airline teilte der "Zeit" mit, man nehme keine Stellung zu "laufenden Verfahren".

Laut VC wächst der Druck auf deutsche Piloten

Dass kranke Piloten ausspioniert und dann entlassen werden - solche Fälle sind dem deutschen Pendant der ALPL, der Vereinigung Cockpit (VC), nicht bekannt. "Es ist aber ein abschreckendes Beispiel, soweit darf es in Deutschland auf keinen Fall kommen", sagte VC-Sprecher Markus Wahl auf Nachfrage von airliners.de.

Aber auch in Deutschland wachse der Druck auf die Piloten. "Es wird mit einer knappen Personaldecke geplant", so Wahl. "Wenn jemand krank wird oder in den Urlaub geht, dann knirscht es schon mal."

© Austrian Airlines, Lesen Sie auch: Austrian Airlines dünnt Flugplan wegen Pilotenmangel aus

Ihm sind außerdem Fälle bekannt, bei denen sich der Dienstplan belastend auf die Piloten auswirkt. Und dann werde es gefährlich, weil ein müder Flugzeugführer im Cockpit sitze, so Wahl. Mit genügend Piloten ließe sich das das jedoch leicht vermeiden.

Der Cargolux-Pilot ist nicht der erste, der davon berichtet, wie Airlines Druck ausüben. So erzählte zum Beispiel ein anonymer Ryanair-Pilot von "Sick-Meetings". Bei diesen Treffen müssen sich die Angestellten angeblich für ihre Krankmeldungen rechtfertigen. Ryanair dementierte: Piloten würden nur in seltenen Fällen einbestellt, wenn sie sich wiederholt krank melden.

© LFT, Lesen Sie auch: Sozialdumping macht den Traumberuf Pilot zum Albtraum

Von: ch
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