Bundestag beschließt strengere Piloten-Kontrollen

14.04.2016 - 12:01 0 Kommentare

Piloten werden in Zukunft strenger auf Drogen und Alkohol kontrolliert. Das hat der Bundestag jetzt entschieden. Mit dem Schritt reagieren die Politiker auf das Germanwings-Unglück. Die Piloten-Gewerkschaft sieht die Kontrollen kritisch.

Ein Flug- und Ausbildungskapitän sitzt in einem Boeing 747-Flugsimulator der Lufthansa. - © © dpa - Fredrik Von Erichsen

Ein Flug- und Ausbildungskapitän sitzt in einem Boeing 747-Flugsimulator der Lufthansa. © dpa /Fredrik Von Erichsen

Für Piloten soll es künftig strengere Drogen- und Alkoholkontrollen geben. Das hat der Bundestag jetzt mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen als Reaktion auf die Germanwings-Katastrophe vor gut einem Jahr beschlossen.

Nach dem neuen Gesetz sollen Fluggesellschaften untersuchen, ob ein Pilot bei Dienstantritt unter dem Einfluss von "Medikamenten, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen" steht, wenn ein entsprechender Verdacht besteht. Auch Zufallskontrollen sind geplant, genauso wie eine Datenbank.

Verkehrsminister sieht positiven Effekt

Experten weltweit sähen in der Diskussion über solche Kontrollen einen positiven Effekt für die Sicherheit in der Luftfahrt, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Debatte im Bundestag.

© dpa, Paul Zinken Lesen Sie auch: EU-Flugaufsicht legt nächste Schritte nach Germanwings-Absturz fest

Dass die Piloten nichts von den Kontrollen halten, ist schon länger bekannt. "Irgendeiner wird den Kollegen schon mitteilen, dass eine Kontrolle stattfindet", sagte der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, anlässlich des Bundestags-Beschlusses. Laut VC würden die Tests eine ganze Berufsgruppe unter Generalverdacht stellen.

Datenbank soll Ärzte-Hopping unmöglich machen

Der Gesetzgeber setzt aber nicht nur auf Drogentests, sondern führt auch eine flugmedizinische Datenbank ein. In dieser müssen künftig Einzelbefunde und abgebrochene Behandlungen der Piloten gespeichert werden - und zwar personalisiert.

Flugmediziner können sich so in gewissem Umfang über vorherige Untersuchungen informieren. Damit soll verhindert werden, dass Piloten von einem Arzt zum nächsten gehen, bis ihnen einer bescheinigt, dass sie gesund sind und fliegen dürfen. Bei Zweifeln an der Tauglichkeit eines Piloten müssen außerdem die Behörden informiert werden.

Der Co-Pilot, der die Germanwings-Maschine hatte abstürzen lassen, hatte den Ermittlern zufolge mehrere Ärzte aufgesucht. Kurz vor der Katastrophe wurde ihm eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus empfohlen. Die Behörden wussten davon nichts.

Eine A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war im März 2015 in den französischen Alpen zerschellt. Der Co-Pilot brachte die Maschine laut den Ermittlern absichtlich zum Absturz. Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525 gibt es auf unserer Themenseite. Foto: © dpa, Oliver Berg

Die Entscheidung, die Daten anders als bisher mit dem Namen des Patienten zu speichern, ist nach Ansicht von Bundesverkehrsminister Dobrindt ein bedeutender Schritt. Die Abwägung zwischen Datenschutz und Sicherheit ist sonst heftig umstritten.

Obwohl sie hier zulasten des Datenschutzes der Patienten ausgegangen ist, können in diesem Fall auch die Piloten damit leben. "Wir überschlagen uns nicht vor Freude", sagt Sprecher Wahl. "Aber das kann man schon so machen." Man müsse es nur richtig umsetzen, damit das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt erhalten bleibe.

Zwei-Personen-Regel als erste Reaktion

Erste Reaktionen der Fluggesellschaften auf die Katastrophe hatte es bereits wenige Tage nach dem Absturz gegeben. Seitdem müssen bei vielen Fluglinien immer zwei Personen im Cockpit sein. Den Ermittlungen zufolge hatte der Co-Pilot seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und konnte den Jet so zum Absturz bringen.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft begrüßte die neuen Vorschriften. In einem weiteren Schritt solle die EU nun psychosoziale Anlaufstellen für Crewmitglieder, die es in Deutschland bereits gebe, für ganz Europa verbindlich machen.

© dpa, Stephanie Pilick Lesen Sie auch: BDL für europaweite Regelung bei unangemeldeten Pilotentests

Die ganzen Pläne gehen auf eine Arbeitsgruppe zurück, die Dobrindt nach dem Germanwings-Unglück eingesetzt hatte. Unter dem Dach des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) gehörten ihr Fluggesellschaften, Piloten, Flugbegleiter, Hersteller sowie psychologische und psychiatrische Sachverständige und Flugmediziner an.

Von: ch, dpa
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